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24.07.04 / Vom Winde verweht / Trittins windige Arbeitsmarkteffekte: eine "Milchmädchenrechnung"

© Preußische Allgemeine Zeitung / 24.Juli 04


Vom Winde verweht
Trittins windige Arbeitsmarkteffekte: eine "Milchmädchenrechnung"

Glaubt man Bundesumweltminister Jürgen Trittin, hat die Windenergiebranche in den letzten Jahren Tausende Arbeitsplätze geschaffen. Je mehr Windräder sich drehen, je mehr dort produzierter Strom zu hohen Preisen zwangsweise abgenommen wird, so lautet die simple Botschaft zwischen den Zeilen, desto besser sei dies für Deutschlands Wirtschaft und Arbeitsmarkt.

Völlig anderer Auffassung ist Manfred Bahlburg, Stellv. Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Hannover. Für ihn sind die angeblichen Vorteile der Windenergie "vom Winde verweht". Dabei stützt er sich auf eine Studie, die von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung beim Energie-Institut der Universität Bremen in Auftrag gegeben wurde und sich auf die Arbeitsplatzauswirkungen der Errichtung und des 20jährigen Betriebes einer der zur Zeit "gängigen" 1.200-Kilowatt-Windkraftanlagen bezieht.

Beim Bau der Anlage geht die Rechnung noch auf: Einmalige Beschäftigungseffekte von rund 17 Personenjahren, das heißt, daß 17 Arbeitnehmer rein rechnerisch für ein Jahr beschäftigt wären, um eine derartige Anlage herzustellen und aufzubauen. Während des dann folgenden 20jährigen Betriebes der Anlage gibt es noch einen weiteren Beschäftigungseffekt (zum Beispiel für Wartung, Reparaturen und Verwaltung) von insgesamt 13,4 Personenjahren.

Insgesamt geht von einer derartigen Windkraftanlage also ein positiver Beschäftigungseffekt von gut 30 Personenjahren aus. Das wäre für sich allein betrachtet gut für die Arbeitsmarktlage in Deutschland. Und die gängigen Berechnungen der Windkraftbefürworter enden meistens an dieser Stelle.

Doch das alles ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite: Die deutschen Stromkunden (also wir alle) müssen den so erzeugten Strom teuer abnehmen. Die "Windmüller" erhalten zur Zeit einen staatlich garantierten Preis von gut neun Cent pro Kilowattstunde. In Kernkraftwerken produzierter Strom kostet alles in allem weniger als die Hälfte, und auch konventionelle Kraftwerke (Gas, Öl, Kohle, Wasser) arbeiten weitaus kostengünstiger.

Die Strompreise sind in den letzten Jahren nicht nur wegen der Ökosteuer gestiegen, sondern auch, weil die Energieunternehmen immer mehr in Windkraftwerken erzeugten Strom abnehmen mußten (hierzu sind sie gesetzlich verpflichtet). Für den einzelnen Haushalt kann dies im Regelfall nur bedeuten, daß die höhere Stromrechnung an anderer Stelle wieder eingespart werden muß. Bei der zugrunde gelegten 1.200-Kilowatt-Anlage ist dies nach den Berechnungen der Bremer Wissenschaftler ein Differenzbetrag von 130.000 Euro jährlich, der nicht mehr für andere Ausgaben verfügbar ist. Dadurch gehen an anderer Stelle natürlich Arbeitsplätze verloren. Über den 20jährigen Betrieb der Anlage ergeben sich auf diese Weise immerhin negative Arbeitsplatzeffekte von mehr als 38 Personenjahren, insgesamt also eine ausgesprochen negative Bilanz!

Natürlich sind derartige Berechnungen stets mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten. Doch kann nicht verkannt werden, daß die zitierten Ergebnisse in krassem Gegensatz zu den vollmundigen Verlautbarungen (nicht nur grüner) Politiker stehen, die die Entwicklung der Windkraft in höchsten Tönen priesen und teilweise noch immer preisen. Noch vor etwa zwei Jahren wurde der Karlsruher CDU-Bundestagsabgeordnete Axel Fischer im Parlament auch von seinen eigenen "Parteifreunden" ausgebuht, als er sich kritisch und wohlbegründet zum Thema Windkraft äußerte. Heute vernimmt man, nicht nur aus den Reihen der Union, zu diesem Thema bereits moderatere Töne.

Positive Beschäftigungseffekte für den deutschen Arbeitsmarkt gehen - wie der Informationsdienst Vertrauliche Mitteilungen süffisant anmerkt - offenbar nur von Windkraftanlagen aus, die zwar in Deutschland produziert, dann aber im (möglichst fernen) Ausland errichtet und betrieben werden. EB


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