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07.08.04 / Eisbruch in Algerien / Frankreichs Verteidigungsministerin Alliot-Marie besucht Exkolonie

© Preußische Allgemeine Zeitung / 7. August 2004


Eisbruch in Algerien
Frankreichs Verteidigungsministerin Alliot-Marie besucht Exkolonie

Zum ersten Mal seit Algeriens Erlangung der Unabhängigkeit im Jahre 1962 waren französische Offiziere Mitte Juli in Algier zu sehen. Sie begleiteten ihre Verteidigungsministerin, Michèle Alliot-Marie, die dort Gespräche mit Staatspräsident Bouteflika führte. Ausführlich kommentierten die französische und die algerische Presse dieses einmalige Ereignis. Die unabhängige El Watan schreibt, der hohe Besuch sei im Zusammenhang mit der Rivalität zwischen Paris und Washington im einstmals weitgehend französisch beherrschten Nordafrika zu sehen.

Bei den Verhandlungen soll es um Rüstungsaufträge und einen Freundschaftspakt zwischen Paris und Algier gegangen sein. Dank der blühenden Erdgasexporte verfügt Algerien gegenwärtig über liquide Mittel in Höhe von schätzungsweise 35 Milliarden US-Dollar, die es diesem Land, das schon jetzt die erste Militärmacht des Maghrebs ist, erlaubt, seine Streitkräfte zu modernisieren. Derzeit wird Algerien vorwiegend von Rußland mit Waffen beliefert. Namhafte französische Rüstungskonzerne versuchen derzeit, sich in dieses lukrative Geschäft einzumischen. US-amerikanische und britische Handelsgesandte wären ihrerseits gern bereit, Algerien Waffen zu verkaufen, und stoßen damit auf den Unmut des französischen Generalstabs, der die ehemalige Kolonie oft als ein für sein Land "reserviertes" Gebiet betrachtet. Laut dem der französischen Regierung nahestehenden Figaro sind Verhandlungen über ein Freundschaftsabkommen im Gange, das Frankreichs Interessen im westlichen Mittelmeer dienen dürfte.

Obwohl die gegenwärtige Politik Frankreichs gegenüber dem Maghreb und Schwarzafrika sicher auch von der Sehnsucht nach dem einstigen Kolonialreich geprägt ist, scheinen jedoch auch moderne, weniger traditionelle und revisionistische Motive eine Rolle zu spielen. So hat es den Anschein, daß Paris mit seiner ehrgeizigen Mittelmeerpolitik ein Gegengewicht zur erfolgten EU-Osterweiterung sucht, von der erwartet wird, daß sie vor allem Deutschland von Nutzen sei. Vor diesem Hintergrund ist es nicht erstaunlich, daß Frankreich mit Algerien Seemanöver veranstalten möchte. Solche Übungen in Kooperation mit den Nato-Seeverbänden sollen Washington zeigen, daß es mit der französischen Militärmacht auf der Südflanke des westlichen Bündnisses rechnen muß.

Da auch Algier mit dem islamistischen Terrorismus konfrontiert ist, besteht bereits eine Zusammenarbeit französischer und algerischer Behörden auf dem Gebiet des Staatsschutzes. Staatspräsident Bouteflika würde eine vergleichbar enge Zusammenarbeit der Geheimdienste gerne sehen. Dem steht allerdings der Widerstand zahlreicher französischer Offiziere entgegen, die die Verständigungspolitik mit der Ex-Kolonie vor dem Hintergrund des Algerienkrieges als verfrüht betrachten.

Auch ist die Konkurrenz der USA nicht zu unterschätzen. Jenseits des Atlantiks waren vor 40 Jahren die meisten Politiker Anhänger des Entkolonisierungsprozesses, was erklärt, warum die US-Amerikaner in Algerien willkommen sind, während Frankreichs Anstrengungen, wieder südlich des Mittelmeeres Fuß zu fassen, nicht ohne Argwohn betrachtet werden. Daran dürfte der aufsehenerregende Besuch Alliot-Maries kaum etwas geändert haben. P. C.


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