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07.08.04 / Spaß an der Freude

© Preußische Allgemeine Zeitung / 7. August 2004


Spaß an der Freude
von Günter Hagner

Warum werden heutzutage alle Lebensbereiche nach ihrem Spaßwert beurteilt? Gradmesser von Zufriedenheit? Spaßmacher ist der Clown im Zirkus, bringt besonders Kinder zum Lachen. Soll er auch, lachen tut dem Menschen gut, entspannt, macht fröhlich, ist lustig, schafft also Lust, regt an zu neuen Taten.

Auch die Arbeit, der Beruf soll Spaß machen und der Job möglichst auch, denn ohne Spaß kein Bock. So erwartet man berechtigt auch von der Freizeit, der Familie, den Kindern, der Oma, von Reisen Unterhaltung, Spaßerlebnisse - kurz: eine totale Spaßgesellschaft.

Und in einer solchen leben wir heute, in einer Gesellschaft, die sich nicht ernst nimmt, nicht ernst genommen werden möchte, auch nicht ernst genommen werden kann. Politik wird zur Unterhaltung, muß Spaß machen - wird also nicht ernst genommen, reiht sich ein in Krimi-, Sex-, Sport- und sonstige seicht-primitive, profane Unterhaltung.

Der ganze Lebensinhalt soll also Spaß sein. Warum eigentlich? Spaß nutzt sich ab. Da fehlt doch etwas.

Wo bleiben Pflichten, Aufgaben, Leistungen? Anstrengungen, die nicht Spaß, aber Freude bereiten - nach Erfüllung und Bestehen. Wo bleibt die Freude, unser Lebenselixir? Hat sie keinen Platz in der Spaßgesellschaft? Freude ist der göttliche Funke, auch ohne feuertrunkenes Erleben. Freude bereiten heißt Freude empfinden. Ein Lächeln, eine Zärtlichkeit, ein anerkennendes Wort, das Erfreuliche wahrnehmen, das Gegenteil meiden. Jeder neue Morgen, jeder Sonnenstrahl, jeder Regentropfen bereitet Freude statt Spaß. Oder sollen nur Clowns mit uns ihre Späßchen treiben?


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