19.01.2022

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07.08.04 / Leserbriefe

© Preußische Allgemeine Zeitung / 7. August 2004


Leserbriefe

Hoffnungsträger Jugend
Betr.: "Rheinwiesen? Alles Legende!" (Folge 24)

Im obigen Artikel und folgenden wird zu recht kritisiert, wie heutige "Historiker" häufig mit der jüngeren Geschichte umgehen. Es geht ihnen um Bestätigung ihrer vorgefaßten Meinungen, nicht um eine objektive Darstellung. Ihre Methode: Ausklammern und Übergehen aller Fakten, die sich dabei als unbequem erweisen. Und ganz unverblümt wird zuweilen die Hoffnung geäußert, daß nach "Aussterben der Erlebnisgeneration" man nun endlich zu "eher politisch-moralischen Wertungen" kommen könne.

Doch gemach: Jenen Zeitgeschichtlern ist bereits die nächste Generation auf den Fersen, und die könnte zu ganz anderen Wertungen kommen! Selbst in der Materie stehend, stelle ich mit Überraschung fest, wie ganz anders, unbefangen und unvoreingenommen junge Leute an die Dinge herangehen. Sie haben Achtung vor ihren und Verständnis für ihre Großeltern und sehen eher die heute tonangebenden 68er mit ihren Auswüchsen durchaus kritisch. Sie unterscheiden sauber zwischen den eigentlich rechtsextremen grölenden Glatzköpfen und konservativen Patrioten mit klaren Wertvorstellungen - und verachten die jetzigen zahlreichen "Mitläufer" ebenso wie die damaligen, zu denen auch die "Antifaschisten" in den Gefangenenlagern zählten. Sie gehen auf die Quellen zurück, sammeln Literatur von Zeitzeugen und fragen diese gehörig aus, wenn die in der eigenen Familie schon verstorben sind. Sie durchstöbern Archive, in denen Bücher der Kriegsgeneration gesammelt werden, und bohren unerbittlich nach, wo ihnen Darstellungen als nicht schlüssig erscheinen.

So habe ich die Zuversicht, daß von diesen Jugendlichen und Studenten heute Verzerrtes korrigiert werden und den durch Kriegs- und Nachkriegszeiten Gebeutelten Gerechtigkeit widerfahren wird.

Will Seelmann-Eggebert, Ahlhorn

 

"Zivilicourage" ist nichts für ein unmündiges Volk
Betr.: "Zivilcourage contra political correctness" (Folge 21)

Liebes Ostpreußenblatt-Team, das gute an Ihrer Zeitung ist, daß sie gleichzeitig traditionell und aktuell ist und Mitbürgern ein uneingeschränktes Forum bietet. Dafür möchte ich Ihnen danken.

Wohltuend waren die Artikelserie von Herrn von Dohnanyi, sachlich und besonnen. Hamburg hat außergewöhnliches Glück, kann auf ein paar Persönlichkeiten zurückblicken. Die angemahnte "Zivilcourage" hat wenig Aussicht auf Erfolg; das Volk wurde wegen seiner Vergangenheit systematisch dumm, unmündig und mundtot gemacht, gleichzeitig zum Vorteil eigener parteipolitischer Interessen. Wenn schon schuldig, dann kommt es auf ein paar Schrammen mehr oder weniger nicht an! Das jetzige System ist kein Deut besser als andere. Die letzten Wahlen sprechen Bände: Rote und Grüne sitzen in einem Boot, die einen bekommen die Watschen und die "Weltuntergangspropheten" die Stimmen!

Bei allem Wohlwollen muß ich Herrn von Dohnanyi in punkto "Friedensvertrag" widersprechen, den es nie gab - es gab auch keinen "Vertrag" in beiderseitigem Einverständnis, sondern nur ein "Diktat" unter Berücksichtigung einzelner Punkte. Das 1923 besetzte Ruhrgebiet und die Pfalz wurden 1930 von den Besatzern geräumt. Selbstbestimmend konnte das Saarland 1936 entscheiden.

Bedauerlich ist, daß der Artikel von Ihrem Chefredakteur zum D-Day so ein Echo ausgelöst hat. Ob an dem besagten Ort ein Gedenktag für alle richtig ist, bleibt spektakulär, trotzdem besser da als nirgendwo. Mich persönlich störte die Zeremonie und die "scheinheilige", vereinnahmende, medienwirksame Umarmung "Chirac und Schröder" an so einem Ort!

Margot Mahner, Bremen

 

Welch Anmaßung!
Betr.: "Jüdische Rotarmisten wollten sich mit SS-Veteranen treffen" (Folge 29)

Die Begegnung ehemaliger Soldaten ist gelebte Versöhnung. Und auch, wenn sich nur sehr alte ehemalige Soldaten treffen, ist ihr Aufeinanderzugehen ein mutiger und richtiger Schritt in die Zukunft der Kinder. Soldaten der ehemaligen Waffen-SS haben sich schon häufig mit ihren ehemaligen Gegnern in Rußland getroffen. Warum sollten sie sich nicht auch mit ehemaligen Rotarmisten treffen, die auch Juden sind.

Als ehemaliger Panzerjäger in der Waffen-SS-Division habe ich mich nicht freiwillig gemeldet, um Menschen umzubringen, sondern allein, um mein Vaterland zu verteidigen. Das gilt auch für alle meine Freunde, die wie ich Soldaten der Waffen-SS waren.

Meine Frau und ich sind seit 13 Jahren mit einer russisch-jüdischen Familie eng befreundet, die ich als Berliner Schulleiter kennengelernt habe. Hätten unsere Freunde Herrn Nachama fragen müssen, ob sie unsere Freunde sein dürfen? Welch Anmaßung! Dieter Pfeiffer, Berlin

 

Das sind schon mittelalterliche Gepflogenheiten
Betr.: "Hohmann raus" (Folge 30)

Herr Mahlitz widmet dem Ausschlußverfahren von Martin Hohmann aus der Hessen-CDU nur einen kurzen Beitrag. Dabei handelt es sich doch um ein brisantes Thema, zu dem noch einige Anmerkungen erlaubt seien.

So erinnert das Ausschlußverfahren fatal an die Inquisition und an den Bann, der höchsten Kirchenstrafe, die gegen abtrünnige Glaubensbrüder verhängt wurde. Die mittelalterlichen Gepflogenheiten feiern somit keineswegs fröhliche Urständ. Bei der inzwischen eingetretenen Aufklärung ist das ein Rückfall in längst überwundene Riten, und das - oder vielleicht gerade deshalb - bei einer Partei, die das "C" in ihrem Logo trägt.

Ebenso ist das Datum der Urteilsverkündung bemerkenswert. Ist es Zufall, daß sie ausgerechnet am 20. Juli 2004 erfolgte, an dem des 60. Jahrestages des Attentates in Rastenburg gedacht wurde und junge Soldaten im Bendlerblock zur Erinnerung an diese Tat ihr Treuegelöbnis ablegen durften? Es ist gewiß vermessen, Martin Hohmann auf die selbe Stufe wie die Attentäter zu stellen. Dieser ist gewiß kein Antisemit, und noch weniger ist er ein Anhänger einer revolutionären Idee, um die Bundesrepublik zu unterminieren. Seine Parteifreunde haben ihn jedoch wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen und ihn wie einen Aussätzigen behandelt. Damit sollte wohl der vorherrschenden Political Correctness Tribut gezollt werden. Das ist ein Armutszeugnis, wie man es von aufgeklärten Politikern nicht erwarten durfte, und ein Kniefall vor einer von besonderer Seite lancierten Meinung.

Der hessischen CDU, allen voran ihrem selbstherrlichen Vormann Roland Koch, aber auch Frau Merkel als oberster Repräsentantin der Partei (warum blieb sie nicht standhaft?) hätte mehr Toleranz besser zu Gesicht gestanden. So haben sie einen Märtyrer kreiert, den sie nicht mehr loswerden, der der Partei aber viele Probleme bereiten dürfte. Es muß auch die Frage erlaubt sein, warum die CDU die Urteile deutscher Gerichte zum Fall Hohmann nicht berücksichtigt hat. Von einem Ministerpräsidenten, der sonst brutalste Aufklärung verspricht, hätte man mehr Rückgrat erwarten dürfen. Oder?

Walter Grubert, Hannover

 

Mit Recht hat das nichts mehr zu tun
Betr.: "Hohmann raus" (Folge 30)

Die Entscheidung des hessischen Parteigerichtes der CDU hat mit Recht oder einer richtigen Rechtsauslegung absolut nichts zu tun. Anstatt sich mit der Hohmannschen Rede und den dazu ergangenen Entscheidungen der Justiz (Staatsanwaltschaft Fulda, OLG Frankfurt, Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt) zu befassen, prüfte man, ob die Rede "antisemitisch" oder "als solche verstanden werden konnte", ohne darauf einzugehen, wie dieser Begriff auszulegen ist. Es ging dem Gremium offensichtlich nur um die politischen Meinungen anderer Parteien oder betroffener Institutionen, nicht aber um die eigene Auslegung. Das ist für eine der größten Parteien Deutschlands mehr als bedauerlich. Eine Partei, die derart leichtfertig mit der durch das Grundgesetz ga-rantierten Meinungsfreiheit und der Würde eines Mitgliedes und Bundestagsabgeordneten umgeht, braucht sich nicht zu wundern, wenn sie vom Wähler künftig in Sachen Grundgesetz nicht mehr ernst genommen wird. Von der CDU-Leitung habe ich ein bißchen mehr Selbstbewußtsein erwartet.

Edeltraut Jegotka, Dortmund

 

Charakterlos
Betr.: "Hohmann raus" (Folge 30)

Die CDU/CSU hat sich die Hände schmutzig gemacht und hat allen Deutschen vorgeführt, daß sie charakterlos ist, sich bückt statt aufrecht zu stehen und schon vor einem möglichen Stirnrunzeln jüdischer Funktionäre in die Knie geht. Das ist allerdings nicht den jüdischen Funktionären vorzuwerfen und schon gar nicht unseren jüdischen Mitbürgern. Dieses Verhalten fällt allein auf die CDU/CSU zurück. Wenn etliche ihrer Funktionäre erklärt hätten, daß sie die Rolle von Kommunisten, die von ihrer Herkunft Juden waren, in der Sowjetunion anders sehen als ihr Partei-"Freund" Hohmann, hätte das ausgereicht und es hätte zudem auch ausgesagt, daß die Meinungsfreiheit in der CDU/CSU eine Bank hat.

Claus Paletta, Nürnberg

 

Wurde von den eigenen "Parteifreunden" verstoßen: Nachdem die Staatsanwaltschaft Fulda und die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt/M. die Klage gegen Martin Hohmann wegen angeblicher antisemitischer Volksverhetzung abgewiesen hatten, hatte der Bundestagsabgeordnete zumindest gehofft, daß die Hessen-CDU doch noch ein Einsehen habe und ihn nicht wie zuvor die CDU-Bundestagsfraktion aus ihren Reihen ausschließen würde. Doch es kam anders. Foto: pa

 

Rückkehr zu preußischen Tugenden
Betr.: "Die Griechen und ihr Otto" (Folge 28)

Otto Rehagel hat den modernen Kritikern zum Trotz mit der angeblich "überholten" Trainermethode bewiesen, daß man eine völlig unbekannte Mannschaft zu Höchstleistungen motivieren und damit die Fußballeuropameisterschaft erreichen kann. Aus diesem Ergebnis können auch unsere Politiker lernen, die zur Zeit lieber rückwärts schauen und die gar nicht mehr vorhandene NSDAP bekämpfen und dabei die Probleme der Jetztzeit aus dem Auge verlieren. Es wäre besser, nicht weiterhin die Vätergeneration an den Pranger zu stellen, sondern den Blick auf die Zukunft auszurichten. Die Vätergeneration hat immerhin nach dem Krieg die demokratische Bundesrepublik Deutschland aufgebaut und für den Wohlstand des deutschen Volkes gesorgt. Und was hat die 68er-Generation erreicht? Sie hat den Wohlstand verschleudert und den jetzigen Zustand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs verursacht. Hier hilft nur die Abkehr von den 68er-Thesen mit der Antileistungsgesellschaft und die Rückkehr zu den alten preußischen Tugenden.

Werner Kullik, Dortmund

 

Die höheren Chargen um Hitler haben versagt
Betr.: Leserbrief "Das feige Vorgehen der Attentäter" (Folge 30)

Angesichts der Bedeutung, die die Attentate auf Hitler in den letzten Jahren gewonnen haben, sind die Äußerungen des Leserbriefschreibers für die Betroffenen, die Nachfahren und die Nation womöglich ehrenrührig. Als Frontsoldat, dann als Kriegsgefangener konnte er aber - seinerzeit - den fehlgeschlagenen Anschlag vom 20. Juli 1944 nur als dilettantisch oder als feige begreifen. Eine kleine Pistole wäre weniger verdächtig gewesen als ein Kilo Sprengstoff. Aber vielleicht hofften die Attentäter, durch ihre Vorgehensweise, mit dem Leben davonzukommen oder sich für die Zeit nach dem Umsturz bewahren zu müssen.

Versagt haben einfach die höheren Chargen aus Hitlers unmittelbarer Umgebung. Zuerst halfen sie Hitler aus sehr persönlichen Gründen zur Macht (Römputsch), dann gehorchten sie notgedrungen seinen verrückten Befehlen. Aber durch schneidig vorgetragene Angriffe oder Fehlentscheidungen sorgten sie auch selbst für viele Tausend Tote. Meine Kompanie - die 5./IR 151 - beklagte am 24. Juni 1941 in Litauen 42 Gefallene. Am 20. August 1942 fielen an der Tosno bei Leningrad durch ungenügende Aufklärung von 107 Mann 96 durch Tod oder Verwundung aus.

Auf diesem Hintergrund ist es schon erstaunlich, daß nicht "ein" Stabsoffizier wegen seines schlechten Gewissens oder Verantwortung direkt den Tyrannenmord mit der Waffe wagte. Ihr verdecktes und berechnendes Handeln hat sie nicht vor dem Tode bewahrt. Aber wer wollte da den Richter spielen.

Horst Redetzky, Delmenhorst

 

Staatsakt: Im Rahmen der Gedenkfeiern zum 60. Jahrestag des Hitlerattentats am 20. Juli 1944 legte auch der Bundeskanzler einen Kranz beim Bendlerblock in Berlin nieder. Hier erinnert eine Tafel an die im Innenhof erschossenen Hauptverschwörer. Foto: Bund


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