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07.08.04 / Brutal realitätsnah / Böhmin erinnert an ihre idyllische Heimat und die grauenhafte Vertreibung aus ihr

© Preußische Allgemeine Zeitung / 7. August 2004


Brutal realitätsnah
Böhmin erinnert an ihre idyllische Heimat und die grauenhafte Vertreibung aus ihr

Mit "Licht und Liebe" ist ein Titel, der den Leser an eine nette Romanze denken läßt. Auch das Buchcover, auf dem ein in Pink- und Lila-Schattierungen gehaltener Sonnenuntergang abgebildet ist, verstärkt den Eindruck. Doch weit gefehlt!

Die Handlung des Buches beginnt auf einem Gehöft in Böhmen zu Beginn der 30er Jahre. Zunächst begleitet der Leser das Mädchen Christel durch ihre erfüllte Jugend im böhmischen Lindenau.

Sehr idyllisch und harmonisch ist das Leben, das ihre Familie führt. Nahezu gelangweilt verfolgt der Leser das Geschehen, das man mit den Worten "Friede, Freude, Eierkuchen" kurz zusammenfassen kann.

Doch nach einiger Zeit beginnen die Andeutungen über die politisch prekäre Lage. Krieg bahnt sich an. Und dann wendet sich auch das Blatt. Mitten im Lesefluß wird der Leser aus der heilen Welt herausgerissen und quasi ins Chaos katapultiert. Es fängt damit an, daß zu Beginn des Krieges alle jungen Männer aus Christels Umgebung an die Front gerufen werden. Viele Beziehungen und Liebschaften werden getrennt. Auch Christels Freund Ernst wird in den Kriegsdienst berufen, ebenso wie ihr älterer Bruder Josef, der nach dem tragischen Tod des Vaters den Hof hatte weiterführen sollen, sowie der Freund ihrer Schwester. Tapfer und mit zusammengebissenen Zähnen versuchen die Frauen erfolglos, das Leben in Lindenau wie gewohnt weiterzuführen.

Erschreckend beschreibt die Autorin Annelies-Maria Hubert die Kriegserlebnisse von Christels Freund Ernst, während diese auf dem heimischen Hof in Lindenau hart arbeiten muß.

Mit Bestürzung verfolgt der Leser wie die Soldaten später in der Kriegsgefangenschaft ausgebeutet und mißhandelt werden. So beginnt auch der Lebensmut von Ernst in den schweren Jahren der Kriegsgefangenschaft mehr und mehr zu schwinden. Doch auch den Frauen ergeht es nicht viel besser. Vergewaltigungen gehen Hand in Hand mit weiteren Demütigungen und Hunger.

Die Situation Christels eskaliert, als sie mit ihrer Schwester und der Mutter, deren Haare vor Kummer vorzeitig ergraut sind, gezwungen wird, die Heimat zu verlassen. Ziemlich bald schon muß Christel erkennen, daß die Vertreiber in ihrem Vorhaben gnadenlos handeln. Ein brutaler Schlag auf ihre Hände, zerbricht alle Wünsche und Träume auf eine Zukunft als Pianistin.

Brutal realitätsnah beschreibt Anneliese-Maria Hubert, wie das Glück einer Familie durch den Krieg zerstört wird und die Familienmitglieder den Widrigkeiten dieser Zeit hilflos ausgesetzt sind.

Ein sehr anschaulich geschriebenes Buch, das dem Leser die Grausamkeiten des Krieges und das Schicksal der Heimatvertriebenen vor Augen führt und ihn wie gebannt auf ein wenigstens einigermaßen gutes Ende für Christel und ihre Angehörigen hoffen läßt. A. Ney

Annelies-Maria Hubert: "Mit Licht und Liebe - Ein Leben in Böhmen, Die Geschichte meiner Mutter", Universitas Verlag, München 2004, geb., 287 Seiten, 16,90 Euro


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