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07.08.04 / Düsterer Mord in schwülstiger Natur / Haß, Liebe, Gier und Schuld im Nordböhmen der 1920er Jahre

© Preußische Allgemeine Zeitung / 7. August 2004


Düsterer Mord in schwülstiger Natur
Haß, Liebe, Gier und Schuld im Nordböhmen der 1920er Jahre

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird in einem Park in Nordböhmen die Leiche einer jungen Frau gefunden. Des Mordes verdächtigt und verhaftet wird der Arzt Viktorin Zeman. Er muß allerdings wieder freigelassen werden, da die Indizien, die gegen ihn sprechen, zur Anklage nicht ausreichen.

Viktorin ist auf dem Lande in einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Als der Vater starb, zog die Mutter ins Dorf, um im Wirtshaus Geld zu verdienen. Später heiratete sie den Wirt und bekam noch ein Kind, ein Mädchen, genannt Toni. Der junge Viktorin kam mit diesen neuen Familienverhältnissen nicht klar und ging ins Kloster. Die Mönche erkannten bald seine Begabung und unterrichteten ihn. Gleichzeitig aber pflanzten sie in seine junge Seele viele Urteile und Vorurteile über Sünde und Laster. Nach Beendigung der Klosterschule konnte Viktorin schließlich dank einer kleinen Erbschaft in Prag Medizin studieren. Es schien aufwärts zu gehen in seinem Leben, bis drei Menschen seinen Weg kreuzten: seine spätere Frau Pussy, ein Mädchen aus reichem Haus, vom Stiefvater verstoßen und enterbt; Elisabeth, ihre Freundin, aus gutem Hause stammend, eine helfende und verzeihende Seele; Wostuda, ein ehemaliger Kriegskamerad, der zwielichtige Geschäfte im Rotlichtmilieu macht. Diese unterschiedlichen Charaktere sind durch Herkunft und Werdegang derart miteinander verbunden, daß es - der Leser ahnt es bald - zur Katastrophe kommen muß.

Man fühlt sich bei diesem Geschehen, das auf einem authentischen Kriminalfall aus den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts basiert, an einen Romantitel von Elizabeth George erinnert ("... denn keiner ist ohne Schuld"). Die Figuren in diesem Roman der Altmeisterin Gertrud Fussenegger hinterlassen mit ihren Neigungen zu Haß, Liebe, Schwermut, Düsternis, Gier, Schuld und Unschuld beim Leser ein beklemmendes Gefühl. Dagegen wirkt die Beschreibung der Natur als ewig blühend mit plätschernden Flüssen in heutiger Zeit fast schwülstig. Allerdings schreibt die Autorin auf eine angenehm altmodische Weise, was diesem Roman durchaus gut tut.

Kleiner Tipp: Lesen Sie diesen spannenden und an manchen Stellen düsteren Roman an einem sonnigen Tag im Garten oder auf dem Balkon. Barbara Mußfeldt

Gertrud Fussenegger: "Das verschüttete Antlitz", dtv, München 2004, Großdruck, brosch., 380 Seiten, 12 Euro


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