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16.10.04 / Die Abgreifer

© Preußische Allgemeine Zeitung / 16. Oktober 2004


Die Abgreifer
von Ronald Gläser

Es gibt nichts schöneres, als zuzusehen, wie jemand letzten Endes doch noch auf den Pfad der Tugend geführt wird. So geschehen vergangene Woche im Berliner Bundespressezentrum. Der Delinquent war keiner Geringerer als der frühere FDP-Bundesgeschäftsführer Fritz Fliszar, der heute den Nachnamen Goergen trägt. Goergen stellte sein "Enthüllungsbuch" vor. In "Skandal FDP" packt er über 35 Jahre im Machtzentrum der Liberalen aus. Da ist er als "Linker" 1968 hineingeraten, 2002 trat er als "Rechter" aus der Partei aus.

Die FDP werde heute durch nichts mehr zusammengehalten, sagt Goergen auf der Pressekonferenz. "Doch: Geld, Macht und Posten", ruft einer der anwesenden Journalisten. Und Goergen nimmt diesen Vorwurf dankbar auf. Er berichtet von Wahlfälschungen, Intrigen und der alltäglichen Korruption inner- und außerhalb der Partei.

Die Fehler seien bereits im System eingebaut, sagt Goergen. So lernten schon Nachwuchspolitiker, sich auf Anwesenheits-listen bei Partei-Seminaren gleich mehrfach einzutragen. Warum? Weil die Zuschüsse (aus Steuergeldern) nach der Zahl der Teilnehmer berechnet werden und so mehr Staatsknete fließt. "Mitnahmementalität" nennt das der Bundeskanzler, dessen SPD davon genauso profitiert wie alle anderen Parteien.

Goergen spricht sich heute gegen diese Finanzierungsformen aus. So wie gegen alle anderen Umverteilungsorgien des überbordenden Sozialstaats. Doch in der eigenen Partei war er seit mehr als zehn Jahren ein einsamer Rufer in der Wüste. Der endgültige Bruch des ehemaligen FDP-Bundesgeschäftsführers mit seiner Partei kam, als das Projekt 18 scheiterte. Goergen war sein Erfinder.

Indes: Wenn jemand jahrelang von einer Organisation profitiert hat (im Falle Goergens nicht zu knapp), ist immer Vorsicht angebracht, wenn er dann nach einem Krach Skandale enthüllt. Im Falle des Polit-Strategen Fritz Goergen ist jedoch sicher: Was er zu berichten hat, schockiert den Leser ebenso wie die betroffenen Personen.

Deswegen hüllt sich die FDP in Schweigen über ihren früheren Insider. So wie die CDU nicht mehr über Brigitte Baumeister oder die SPD über Oskar Lafontaine reden mag. Im Falle Lafontaines haben wir gelernt, daß Schweigen nicht immer hilft. Wer weiß - vielleicht wird ja auch Fritz Goergen für seine früheren Parteifreunde noch einmal zum Problem.

Fritz Goergen, "Skandal FDP", 19,80 Euro, zu bestellen beim Preußischen Mediendienst, Telefon 040-414008-27


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