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16.10.04 / Ein Preis gegen Österreich / Ausufernde Jelinek-Euphorie nach Erhalt des Literatur-Nobelpreises

© Preußische Allgemeine Zeitung / 16. Oktober 2004


Ein Preis gegen Österreich
Ausufernde Jelinek-Euphorie nach Erhalt des Literatur-Nobelpreises
von R. G. Kerschhofer

Erster Gedanke beim Eintreffen der Meldung: "Die Sanktionen"! Nein, sie wurden nicht wieder verhängt. Sie sind ohnehin nur ausgesetzt und können jederzeit aktiviert werden (wie übrigens auch eine verklausulierte "Feindstaatenklausel" im Staatsvertrag von 1955). Aber die Gedankenkette Jelinek-Nobelpreis-Österreich-Sanktionen drängt sich auf: Es war in Stockholm, bei der Holocaust-Konferenz Anfang 2000, wo die Sanktionen ausgeknobelt wurden. Und es hat sich rentiert, denn mit dem Scherbengericht über die schwarz-blaue Koalition konnte man noch einmal "endgültige Entschädigungen" erpressen.

Rentiert hat sich's nun also auch für die Jelinek, die 1991 - rein zufällig zeitgleich mit dem Kollaps der Sowjetunion - ihre langjährige KPÖ-Mitgliedschaft abgestreift hatte. Trillerpfeife lässig im Mundwinkel, so marschierte die "Menschenscheue" neun Jahre später mit den randalierenden Horden, die damals Wien unsicher machten. "Widerstand! Schüssel, Haider an die Wand!", wurde gegrölt, und CNN hatte gar den Kriegsberichterstatter Jim Fish nach Österreich abkommandiert.

Die Sanktionen schwangen bei Peymann mit, als er den Preis für seine vielfache Komplizin Jelinek als "Preis gegen Österreich" bezeichnete. Er muß es wohl wissen als einer, der 13 Jahre lang von österreichischen Steuergeldern lebte, mit seinen von überall her zusammengekratzten Kumpanen ein stattliches Burgtheater-Budget verpraßte und das Haus am Ring, das sich einst mit Fug und Recht "erste deutsche Bühne" nennen konnte, zu dem machte, was es heute ist, nämlich keine erste Bühne mehr. Ein schwacher Trost, daß es dank Peymann und Konsorten gar keine ersten Häuser mehr zu geben scheint!

Mit Peymann jubilierte die ganze Kaste der Staatskünstler. Obwohl insgeheim jeder zweite neidisch ist: Warum gerade die? Ist man nicht ein noch besserer Nestbeschmutzer? Hat man nicht noch mehr gegen die deutsche Sprache getan und noch mehr Gülle auf die Bühnen geschüttet? Bekanntlich sind Staatskünstler immer beleidigt, wenn sie so genannt werden. Und zugegeben, es ist nicht ganz passend: Denn wäre es den "Kollechen" damals in der DDR je eingefallen, ihre eigenen Financiers in den Dreck zu ziehen? Den Staatskünstlern im Westen hingegen fällt nur das ein - seit Jahrzehnten immer nur dasselbe.

Sie alle "befürchten" nun, daß sich Österreich mit den Federn der Jelinek schmückt - und die Befürchtung ist nicht unbegründet. Die gesamte Linke schwelgt in Jelinek-Euphorie, ja selbst bürgerliche Mitläufer ergehen sich in "Würdigungen". Man muß schon sehr bemüht hinhören, um unterschwellige Distanz mitzukriegen - oder hineinzuinterpretieren. Kunst-Staatssekretär Morak, der es als Burgtheater-Schauspieler eigentlich besser wissen müßte, redet von einer "Sprachkünstlerin". Aber Sprachkünstler sind sie ja alle, die offiziellen Künstler sämtlicher Fachrichtungen, die Kunstkritiker und die Kulturbürokraten, die zu wechselseitigem Nutzen ihr Kunstblabla verbreiten. Ach ja, einer ließ Kritik durchklingen: Seine Sympathie für Jelineks Radikalität sei zwar "enorm", aber die Bewunderung für ihr Werk "halte sich in Grenzen". Ein Unfehlbarer wie Reich-Ranicki kann sich das erlauben.

Und was sagt der kleine Mann, der vielgeschmähte Österreicher, der alles zahlen muß und von Peymann zur Spezies der Lemuren gezählt wird? Er kommt gar nicht zu Wort. Er mag sich vielleicht trösten, daß der Nobelpreis die Zahlungsbilanz aufbessert. Doch wer weiß, was mit der Million finanziert wird. Und Preise, die man "ohne Leistungsnachweis" empfängt, sind nicht einmal steuerpflichtig.

Begreifen läßt sich die 1946 geborene Jelinek durchaus: Bürgerliche Herkunft - bei Linksextremisten nicht unüblich. Der Vater, jüdischer Herkunft, als Chemiker für die NS-Rüstungsindustrie wichtig, die letzten Lebensjahre geisteskrank, Tod in Umnachtung. Die Mutter, streng katholisch, dominant und voller Ehrgeiz, die Tochter zur Konzertpianistin zu machen. Klosterschule. Kinderpsychiatrische Behandlung. Konservatorium. Mit 18 erster Zusammenbruch. Studium von Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft. Abbruch wegen akuter Angstzustände. Völlige Isolation daheim. Dann 68er-Bewegung, zeitweilig in linker Wohngemeinschaft.

Verständlich ist auch das Resultat, an dem Freud seine analytische Freude gehabt hätte: Selbsthaß, Männerhaß, klassenkämpferischer Radikal-Feminismus und abstruse Sexual-Phantasien werden zu Romanen und Theaterstücken. Für Tragödie zu banal, für Komödie zu unlustig und für Slapstick zu primitiv. Nicht einmal Voyeure kommen auf ihre Rechnung angesichts all des Unappetitlichen. Was Wunder, daß die Jelinek auch die radikale Kleinschreibung verficht, diesen augenfälligsten Gewaltakt, das Geschriebene nach unten zu nivellieren. Zeitweilig hatte sie Österreich zu einem Aufführungsverbot ihrer Werke begnadigt, aber sie hielt das dann doch nicht durch. Und längst ist sie Gegenstand von Dissertationen und Habilitationsschriften. Allerdings nicht an der medizinischen Fakultät.

Die Nobelpreis-Juroren begründen ihr Urteil mit dem "musikalischen Fluß von Stimmen und Gegenstimmen, die mit einzigartiger sprachlicher Leidenschaft die Absurdität und zwingende Macht der sozialen Klischees enthüllen". Modernes Musikverständnis offenbar. Und Kunstblabla. Das "Enthüllen der Klischees" geschieht erst recht wieder in Klischees, aber Hauptsache, die Richtung stimmt, und irgendwie wird auch der lange Zeit verheimlichte Vater zur antifaschistischen Trumpfkarte. Wenn man nur bedenkt, was sonst Dichter und Musiker aus ihren seelischen Nöten zu machen vermochten!

So lassen auch die Nobelpreis-Entscheidungen immer öfter daran zweifeln, ob sie noch im Sinne des Stifters sind. Augenfällig wird das primär bei Literatur- und Friedenspreisen, denn nicht nur daß Linksradikalismus begünstigt wird, kommen auch Terroristen und Kriegsverbrecher zum Zug. (Hemingway etwa war stolz darauf, deutsche Kriegsgefangene ermordet zu haben.) Statt der Würdigung von Verdiensten rückt das politische Signal in den Vordergrund, und so müssen auch bei anderen Disziplinen Zweifel aufkommen.

Auf jeden Fall können sich mit der Jelinek-Entscheidung wieder einmal die radikalen Islamisten bestätigt sehen in ihrer Ablehnung der abendländischen Entartung. Und bitte keine Mißverständnisse: "Entartung" ist eine Übersetzung aus dem Arabischen ("inhitaat").

Nur noch unappetitlich: Die Jelinek ist mit ihrem Hang zur Absurdität bei linken Regisseuren besonders beliebt. Fotos (2): pa, tl.at


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