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16.10.04 / Nur 120 Milliarden / Wer zahlt den Schuldenerlaß für den Irak?

© Preußische Allgemeine Zeitung / 16. Oktober 2004


Nur 120 Milliarden
Wer zahlt den Schuldenerlaß für den Irak?

Der nun schon eineinhalb Jahre dauernde Irakkrieg hat bisher rund 150 Milliarden US-Dollar gekostet. Das sind allein die Kosten der Kriegführung selbst und zwar nur die der USA. Die Amortisation durch Öleinnahmen läßt aber auf sich warten, ja sie erscheint geradezu aussichtslos. Und damit entsteht ein derart großes Finanzloch, das sich die Bush-Regierung nicht mehr zumuten will. Beim ersten Irakkrieg war das anders. Der war ein Geschäft, wie offizielle Stellen einräumen, denn die Ölscheichs und die sonstigen Verbündeten zahlten mehr in die Kriegskasse ein, als verbraucht wurde. Ganz abgesehen von den Folgegeschäften mit sündhaft teuren Waffensystemen, die man den verängstigten Golfanrainern aufdrängen konnte.

Nun aber ist das Schreckgespenst Saddam Hussein vom Dienst suspendiert, und die Geschäfte mit den Ölscheichs gehen dementsprechend flau. Außerdem sind die alle unsichere Kantonisten geworden: Wer weiß, ob die Waffen nicht morgen schon den Islamisten in die Hände fallen, wenn US-hörige Korruptionisten hinweggefegt werden? Also was tun? Schuldennachlaß heißt die Parole, die über alle Kanäle ausgegeben wird: Dem Irak soll ein Teil seiner Schulden von 120 Milliarden Dollar nachgelassen werden.

Nun mag sich der Normalverbraucher fragen, ob es denn einen Unterschied macht, ob einer in zehn Meter oder nur in fünf Meter Tiefe ertrinkt? Ja, für die Hochfinanz macht das einen: Denn für den Schuldennachlaß müssen Staaten aufkommen, größtenteils die Europäer und Japan. Das erhöht deren Budget-Defizite, die mit neuen Schulden finanziert werden, also irgendwem Zinsen bringen. Und nachdem der Irak nicht mehr gar so hohe Schulden hat, kann ihm irgendwer neue (staatlich garantierte) Kredite gewähren, die auch wieder Zinsen bringen. Sobald der Irak neue Kredite hat, kann mit dem bankrotten Land wieder irgendwer Geschäfte machen. Und wenn die Schulden wieder uneinbringlich werden, werden wieder staatliche Exportkreditgarantien schlagend, das heißt, sie belasten wieder ein Budget. Das bedeutet wieder Kreditvergabe, die wieder irgendwem Zinsen bringt. - Und wer zahlt eigentlich all diese Zinsen, die so intensiv nach wunderbarer Geldvermehrung riechen? Es sind immer die kleinen Steuerzahler, aber keineswegs nur die amerikanischen. RGK


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