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16.10.04 / Nachruf auf Willi Cerull

© Preußische Allgemeine Zeitung / 16. Oktober 2004


Nachruf auf Willi Cerull

Am 20. August verstarb in Harburg unser Landsmann Willi Cerull aus Daulen bei Deutsch-Eylau kurz vor seinem 92. Geburtstag. Gut 50 Jahre hat er unsere Heimatarbeit vor Ort tatkräftig, klug und ideenreich begleitet: Als Vorstandsmitglied und in der Bezirksgruppe Harburg-Wilhelmsburg der Ost- und Westpreußen. Letzterer galt sein besonderes Augenmerk bis zuletzt. Hier schätzte man seine große Erfahrung, sein ausgleichendes, humorvolles Wort in der Debatte. Ldsm. Cerull hatte in den 60er Jahren diese Gruppe vorbildlich geleitet. Sein Beispiel überzeugte bis in die Gegenwart hinein. Trotz langsamen Kräfteverlustes, trotz fast gänzlicher Erblindung, lag ihm der Fortgang der Heimatarbeit ein Leben lang am Herzen. Die letzten Monate verlebte er im Seniorenheim in Neugraben. Hier saßen wir über Stunden, redeten über Politik und kamen auf unsere Landsmannschaft zu sprechen. Willi Cerull besaß eine beeindruckende Urteilsfähigkeit. Sein Wissen über die Heimatgebiete, seine Meinung zur Vertreibung, vertrat er in vielen Diskussionen und in Zeitungs-Leserbriefen.

Als Schüler des Gymnasiums in Marienburg verbrachte er manche Sommerferien auf der Wanderschaft durch Ost- und Westpreußen. Jeden Winkel schien er zu kennen, und zahlreich sind die kleine Episoden, die er stets anschaulich schilderte. Er wohne in der Lützowstraße Nr. 15 in Deutsch-Eylau, habe sich dort noch nicht abgemeldet, pflegte er stets zu sagen. Ldsm. Cerull, ein wahres Urgestein, an Haltung und Gradlinigkeit ein Preuße durch und durch, war das zweitälteste von sechs Kindern einer Eisenbahnerfamilie, wo das Geld knapp war und der Brotkorb hoch hing. Auch er ging zur Reichsbahn, wurde Inspektor. Oft, so erinnerte er sich, begegnete ihm an der Bahn der legendäre Kammerherr von Oldenburg-Januschau auf seinen Fahrten zum Reichstag nach Berlin. Selbst den Kaiser sah er auf seinem Bahnhof in Deutsch Eylau bei einer Rast.

Willi Cerull war einer der letzten aus der Traditions-Kameradschaft der 21. Ost/Westpr. ID. Vor Leningrad und dann in Norwegen stand er im Felde. Die Brüder Alfred, Emil und Fritz fielen. Sein geliebter Heimatkreis Rosenberg lag ihm immer am Herzen. Noch beim letzten Treffen 2003 in Wiedenbrück war er dabei. Es sollte das letzte Treffen auf dieser Welt sein, ein Abschied. Nun ist er in die ewige Heimat zurückgekehrt. Mit seinen Kindern Brigitte und Karl und vielen Freunden haben wir Willi Cerull am 30. August in Harburg mit den Trompetenklängen des Liedes vom guten Kameraden neben seiner Ehefrau Anna beerdigt. D.N.


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