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16.10.04 / Kein Vergnügen / Unternehmer berichtet über den alltäglichen Wahnsinn

© Preußische Allgemeine Zeitung / 16. Oktober 2004


Kein Vergnügen
Unternehmer berichtet über den alltäglichen Wahnsinn

Der Schweizer Rudolf Fischer dürfte zu seinem Buch "Made in Germany - Mess in Germany?" von der Realität inspiriert worden sein, denn genau wie sein Romanheld Herr Jäger hat er in St. Gallen Betriebswirtschaftslehre studiert, 1990 ein Unternehmen in der Bundesrepublik Deutschland gekauft und es 2001 wieder verkauft. Namensgleichheiten mit real existierenden Personen schließt er dadurch aus, daß er den Charakteren in seinem Buch Namen gibt, die ihren Eigenschaften entsprechen. Das ist zwar irgendwie albern, aber dadurch weiß der Leser zumeist von vornherein, wem er da begegnet.

Rudolf Fischer beschreibt detailliert die Unwegsamkeiten und Unsinnigkeiten, die Herr Jäger über sich ergehen lassen muß, nachdem er Inhaber der Sebastian Kleinkrämer GmbH, Hersteller für Sondermüllentsorgungsanlagen, geworden ist. Seine Freude über sein Unternehmertum hält nämlich nur kurz an, denn schon die Alteigentümer versuchen ihn ohne Gewissenbisse, übers Ohr zu hauen. Auch die Mitarbeiter sind keineswegs so kooperativ, wie

es sich der neue Firmeninhaber wünscht. Fast jeder hat seine eigenen Befindlichkeiten, die er pflegt und auch nicht bereit ist aufzugeben. Ein hoher Krankheitsstand, Klagen über zu hohe Arbeitsbelastung, als Ausreden verwendete christliche Zitate und Unordnung sind hier nur einige Dinge, mit denen der Schweizer Chef zu kämpfen hat. Aber auch außerhalb der Firma hilft manchmal nur Humor, um das Durcheinander und die Dreistigkeiten zu überstehen.

"Auch für mich war eine Rechnung aufgegangen, ähnlich einem Pfannkuchen. Für die anwaltliche Betreuung durch Herrn Odenwald berechnete Großhans, Rupf und Partner schlappe 52.000 Mark. Daß ich angesichts der schwierigen Materie die höchste Stufe des Komplexitätszuschlages bezahlen würde, betrachtete man als Ehrensache. Eine spätere telefonische Nachfrage zur Erläuterung der Rechnung wurde mit weiteren 4.500 Mark geahndet. Dafür stellte man mir die Notariatsgebühren in Höhe von 7.465,37 Mark separat in Rechnung, zuzüglich Spesen von 833 Mark. Honorar nach Zeitaufwand, Streitwert oder Vertragspersonal? Einerlei - Gebührenordnung und Rechenmaschine legen stets den Grundstein, daß den Rechtsdienern in allen Lebenslagen Gerechtigkeit widerfahren kann."

Diese Beschreibung der deutschen Geschäftswelt läßt die Deutschen nicht gerade gut wegkommen. Es ist jedoch davon auszugehen, daß der Autor in vielen Dingen bloß die reine Realität wiedergibt. Unterhaltend und erschreckend zugleich! R. B.

Rudolf Fischer: "Made in Germany - Mess in Germany?", K. Fischer, Aachen 2004, 284 Seiten, 15 Euro


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