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11.12.04 / Pregelmetropole weckt Interesse / Russische Pläne zum 750. Jubiläum

© Preußische Allgemeine Zeitung / 11. Dezember 2004


Pregelmetropole weckt Interesse
Russische Pläne zum 750. Jubiläum von Königsberg sind umstritten
von Ruth Geede

Das kommende Jahr wird wohl eines der widersprüchlichsten Jubiläen bringen, das je gefeiert wurde: Königsberg wird 750 Jahre alt! Königsberg - aber nicht Kaliningrad, denn unter diesen Tenor wollen die Russen jetzt, von Putin gerade abgesegnet, ihre Feierlichkeiten stellen. Wie sie das mit der realen Historie vereinbaren wollen, bleibt ihnen überlassen - schließlich verstarb der umstrittene russische Namensgeber im Jahre 1946! Jedenfalls weisen die vorläufigen Festpunkte für die Hauptveranstaltungen vom 1. bis 3. Juli 2005 sehr wenig Beziehungen zu der Geschichte unserer alten Pregelstadt auf. So soll der erste Tag unter dem Motto "Eine Stadt - eine Geschichte" mit einem militärischen Zeremoniell beginnen, gefolgt von einem "Walzer des Sieges" und Veteranentreffen mit Künstlern, die in Kriegsfilmen eine Rolle spielten. Zwar wird man auch Bischof Adalbert und König Ottokar und natürlich Kant bemühen - für den großen Sohn unserer Heimatstadt wollen Schröder und Putin eine Gedenktafel einweihen -, aber hauptsächlich wird man bestrebt sein, Kaliningrad als einen Ort des Treffens von Rußland und Europa herauszustellen. Doch darüber wird noch oft und eingehend berichtet werden. Und erst recht über das große Treffen vom 1. bis 14. August, das die Stadtgemeinschaft Königsberg mit einer Fülle von Veranstaltungen auf heimatlichem Boden plant, und auf dem historisch korrekt das "Wachsen und Werden der Stadt durch die Jahrhunderte" dokumentiert werden soll. Schon jetzt ist jedenfalls vorauszusehen, daß Königsberg im nächsten Jahr soviel Besucher verzeichnen wird wie nie zuvor. Und es werden nicht nur wir "Heimkehrer auf Zeit" sein - zum Glück werden wir nicht mehr als "Heimwehtouristen" katalogisiert -, denn das wachsende Interesse vor allem junger Deutscher und Europäer an der alten ostpreußischen Metropole wird durch das Jubiläum noch verstärkt werden.

Es gilt also schon heute sorgfältig zu planen, ob, wann und wie wir im kommenden Jahr unsere Ostpreußenreise gestalten werden. Der Angebote gibt es viele, und sie werden sich noch breiter auffächern. Das gilt für die gesamte östliche Küste des "Baltischen Meeres" von Pommern bis nach St. Petersburg. Übrigens wird man Zar Peter I. auch posthum nach Königsberg zu den russischen Feierlichkeiten bemühen, ihm zu Ehren soll ein großes Feuerwerk stattfinden und Grüße von der Newa werden durch Staffelläufer zum Pregel gebracht. Wie auch immer, ob man Königsberg mit dem Samland als Reiseziel wählt oder die Pregelstadt auf einer Rundreise mit einplant, ob man sich für eine Bus-, Bahn- oder Flugreise entscheidet: An dieser Stadt kommt kaum ein Besucher der östlichen Ostseeküste in diesem Jahr vorbei. Den Weg wird wohl ein Emblem weisen, das wir kennen: das Königsberger Wappen. Auch da hat es schon Differenzen im Vorfeld der russischen Festplanung gegeben. Es wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, aber die Königsberger Künstler warfen das Handtuch, weil sie sich mit ihren Entwürfen nicht durchsetzen konnten. Sieger wurde ein Designer aus Nowosibirsk, der sich seine Vorlagen aus dem Internet holte! Das Königsberger Wappen, das erstmals 1724 aus denen der drei Städte Altstadt, Löbenicht und Kneiphof gebildet wurde, ist eines der bilderreichsten Stadtwappen überhaupt. "Vieler Städte Wappen sah ich, ein schöneres sah ich nicht", sagt Agnes Miegel über das Wappen ihrer Vaterstadt

Viele Königsberger haben den Weg in die Stadt, die heute von den Russen Kaliningrad genannt wird, nicht mehr gefunden, sie haben ihn überhaupt nicht gesucht. Sie wollten das Bild ihrer geliebten Vaterstadt so in der Erinnerung behalten, wie es vor den Bombennächten und der russischen Okkupation, vor Vertreibung oder Verschleppung war: eine lebhafte, durch Jahrhunderte gewachsene Hafen- und Handelsstadt, in der gleichwohl Kunst und Wissenschaft zu Hause waren. Mit dem Krönungsschloß preußischer Könige, Herz das Stadt, nicht abgeschirmt durch Gräben und Sperrmauern, sondern für jedermann offen. So wie diese Stadt es immer war, in der es kein Ghetto gab, die Fremden Obdach und Freiheit gewährte. Nirgendwo irrt die Nadel im Kompaß der Erinnerung so hilflos wie hier auf dieser "Zentralplatz" genannten kahlen Fläche, wo einst das mächtige Schloß inmitten alter Gassen und Straßen mit ihrem pulsierenden Leben lag. Vor dem wohl häßlichsten Neubautorso Europas, dem Haus der Räte, schütteln auch Besucher, die das alte Königsberg nicht gekannt haben, entsetzt den Kopf. Es war ein Hügel hoch über dem Urstromtal des Pregels, von den Prussen Tuangste genannt, auf dem 1255 vom Deutschen Ritterorden das Schloß gebaut wurde, das nach dem mächtigsten der Kreuzfahrer, dem Böhmenkönig und Barbarossaenkel Ottokar II., benannt wurde: Königsberg! Die Stadt ehrte ihren Namenspatron durch die 1852 erbaute Statue am Königstor, das fast unbeschadet das Inferno überlebte. Aber ihm wie den beiden anderen Figuren, Herzog Albrecht und König Friedrich I., Sinnbild für die drei großen Epochen in der Geschichte Königsbergs, wurden von der russischen Soldateske die Köpfe abgeschlagen. Jetzt soll im Rahmen der russischen Jubiläumsfeierlichkeiten das restaurierte Königstor eröffnet werden.

Nach wie vor fließt der Pregel durch die Stadt, aber auch seine Ufer sind kahl, ausradiert das Gewirr der Giebel auf dem Kneiphof, dieser einst so reichen Kaufmannsinsel. Es gibt weder Speicher noch Patrizierhaus mit Pilaster und Portal, kein Rathaus mit Beischlag und Japper, ungehindert trifft der Strahl der Abendsonne den Dom, läßt das Rot der Backsteinziegel aufleuchten. Dieses eigenartige Rot, fast purpurn im Abendlicht, ist ein Geheimnis der aus dem schweren Lehm des alten Preußenlandes gebackenen Steine, das der Orden sorgsam hütete - kein Backsteinbau westlich der Weichsel hat diese Leuchtkraft. Der Dom blieb als Torso in der Asche des großen Krieges zurück, unwiederbringliche Werte waren verloren, aber Turmstümpfe und Außenmauern standen und machten Mut zum Wiederaufbau, der Anfang der 90er Jahre begann. Er stieg nicht wie ein Phoenix aus der Asche, sondern wurde in mühevoller Arbeit und mit Hilfe vieler Spenden aus der Bundesrepublik in deutsch-russischer Kooperation soweit rekonstruiert, daß er nun wieder mit Westwerk, Turm und kupfern gedecktem Langhaus mit Dachreiter sichtbar seine Identität wiederbekommen hat. Heute ist er religiöser und kultureller Mittelpunkt der Stadt, Begegnungsstätte und Hort der Versöhnung, wie auch das Grabmal des größten Sohnes der Stadt, Immanuel Kant, an der Nordostecke des Domes. Es war ein Wunder, daß die Stoa Kantiana bei der fast vollkommenen Zerstörung Königsbergs unversehrt blieb. Gerade im Kant-Jahr ist das Grabmal zum Wallfahrtsort für Menschen aus aller Welt geworden, die den großen Philosophen verehren und ehren wollen. So wird es auch im kommenden Jahr sein, wo sich ein Teil der Feierlichkeiten hier auf dem Kneiphof abspielen wird. Allein im Programm der Stadtgemeinschaft Königsberg sind mehrere Konzerte im Dom vorgesehen, darunter das große Eröffnungs-Festkonzert für das Königsberger Treffen am 8. August.

Es gibt noch einige Festpunkte, an denen sich alte Königsberger in dieser mit ihren linearen Prospekten und eintönigen Häuserfronten durchzogenen Stadt orientieren können: An dem weißen Bau der Börse, der noch immer beweist, daß Königsberg "die weise Maklerin der baltischen Küste" war, wie Agnes Miegel sie nennt, am ehemaligen Neuen Schauspielhaus auf den Hufen, dem heutigen "Kaliningrader Gebietsdramentheater", an vertrauten alten Häuser im Vorstadtgürtel und an den Ufern der Teiche. Was die Reisen im Jubiläumsjahr besonders auszeichnen wird, ist die verstärkte Begegnung der aus ihrer Heimatstadt Vertriebenen und ihren Nachfahren mit den heutigen Bewohnern auf kultureller Ebene.

Und es wird Sommer sein, und die weißen Strände werden locken. Wie früher die Königsberger "mit den Möwen an die See" fuhren, so werden auch die Reiseprogramme Ausflüge zu den samländischen Bädern oder auf die Nehrungen enthalten. Aber auch davon abgesehen scheint es ein "baltischer Sommer" zu werden, denn nicht zuletzt durch die vermehrten Reiseberichte in den deutschen Medien ist das Interesse an Urlaubsreisen in diese herrlichen Küstenlandschaften gestiegen, vor allem von jungen Leuten, die dort wandern, radfahren oder Wassersport betreiben wollen. Im Gegensatz zu vielen touristisch erschlossenen südlichen Stränden mit ihren Betonburgen gibt es dort noch eine unverbaute Natur. Und noch ein Geheimnis bergen diese nordischen Küsten: es sind die hellen Sommernächte! Wer einmal eine Mitsommernacht in dem weißen, weichen Dünensand verbracht hat, wird dies Erlebnis nie vergessen! Ein Buch kann man um Mitternacht lesen - aber man tut es nicht. Der Himmel, das Meer, der weite Strand, die Stille: sie nehmen einen gefangen.

Der Sommer ist noch weit, jetzt ist es Winter, und Weih-nachten steht vor der Türe. Gerade die richtige Zeit zum Planen für die nächste große Reise. Bücher, Filme, Prospekte helfen dabei. Einige haben schon das Programm für ihre Gruppenreise in den Händen, denn mit gleichgesinnten Reisegefährten, mit denen man Eindrücke gemeinsam verarbeiten kann, werden diese Heimatreisen noch erlebnisreicher und bleiben lange unvergessen.


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