19.01.2022

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08.01.05 / Vermitteln zwischen Vergangenheit und Zukunft / Unter reger Beteiligung fand das 50jähriges Jubiläum der Ostpreußischen Werkwoche im Ostheim statt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 1 vom 08. Januar 2005

Vermitteln zwischen Vergangenheit und Zukunft
Unter reger Beteiligung fand das 50jähriges Jubiläum der Ostpreußischen Werkwoche im Ostheim statt

Reges Treiben herrschte im Ostheim - dort fand die 50. Ostpreußischen Werkwoche statt. 50 Teilnehmerinnen waren angereist, davon sieben aus Ostpreußen.

Gleich am Ankunftstag begann das offizielle Programm. Uta Lüttich, Bundesvorsitzende der Ostpreußischen Frauenkreise, begrüßte alle und eröffnete die Werkwoche mit dem Thema "Erhalten und Gestalten". Im Anschluß daran stellten die Werklehrerinnen einige Handarbeiten vor, die in ihren Gruppen erarbeitet werden konnten. Nach dem gemeinsamen Abendessen las Dr. Marianne Kopp, Vorsitzende der Agnes Miegel-Gesellschaft, aus "Sagen und Märchen im Werk Agnes Miegels".

Am nächsten Tag ging es frisch ans Werk. Mit großem Eifer wurde nun gewirkt um die wenigen Tag voll auszunutzen. Durch die geduldige Unterstützung und das gute Fachwissen der Werkleiterinnen hatte am Ende der Woche jede Frau mindestens ein schönes Stück handgearbeitet. So verschieden die angebotenen Handarbeiten, jede war etwas Besonderes und mit viel Freude erarbeitet.

Nun fand am Sonnabendnachmittag die traditionelle Präsentation der mit viel Mühe und Fleiß geschaffenen Dingen war. Sie wurden auf riesigen Tischen ausgestellt. Jetzt erst konnte man so richtig sehen, was in dieser Woche an schönen Handarbeiten entstanden ist. Die Ausstellung fand reges Interesse bei Kurgästen und Pyrmonter Einwohnern.

Am Abend fand die 50. Werkwoche ihren festlichen Ausklang. Zur Eröffnung gab es ein musikalisches Höhepunkt. Zwei Solisten, Barbara Rau (Violine) und Winfried Kühne (Klavier) musizierten zur Freude aller im Preußensaal. Viele Ehrengäste waren zu diesem festlichen Höhepunkt der 50. Werkwoche geladen, die ehemaligen Werklehrerinnen Ida Schramme und Waltraud Bartholomeyczik, die bereits bei der 1. Werkwoche im Jahr 1969 mitgewirkt haben, Helga Nolde, Elschen Gruchow, die viele Jahre die Werkwochen als Kulturreferentin von Hamburg aus organisiert und begleitet hat, Ursel Burwinkel, die später diese Aufgabe übernommen hatte und Hilde Michalski, Bundesfrauenehrenvorsitzende. Den Damen gebührt großer Dank. Sie haben den kulturellen Wert unserer ererbten Handarbeitstechniken erkannt und Sorge getragen, daß sie weitergegeben werden können und nicht untergehen.

In seinem Grußwort zum Festakt der 50. Werkwoche übermittelte der Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, Wilhelm v. Gottberg, die herzlichsten Grüße. Er erinnerte daran, daß 1969 die unvergessene Hanna Wangerin die erste Werkwoche ins Leben rief. Schnell entwickelte sich die Veranstaltung zu einem festen Bestandteil in der Kulturarbeit der Landsmannschaft Ostpreußen. 50 Werkwochen mit Tausenden von Teilnehmerinnen belegen dies eindrucksvoll. Ostpreußen, das Land zwischen Weichsel und Memel, verfügt nicht nur über eine bedeutende Geistes- und Kulturgeschichte, sondern auch über einen reichen Schatz volkskundlicher Überlieferung. Hierzu gehört auch die textile Volkskunst. Die berühmten masurischen Knüpfteppiche oder die ostpreußischen Doppelgewebe, um nur zwei Beispiele zu nennen, gehören zu den schönsten Leistungen deutscher und sogar europäischer Volkskunst. In seinem Grußwort erinnerte der Sprecher auch an die Leiterin der Webschule Lyck, Bertha Syttkuss, die nach dem Krieg in Osnabrück wirkte und enge Kontakte zur Bundesgeschäftsstelle nach Hamburg unterhielt. Lebendig und auf Dauer erhalten bleibt eine Volkskunst jedoch nur, wenn sie auch praktische Anwendung findet. Es ist das bleibende Verdienst der Werkwochen seit 35 Jahren dafür zu sorgen, daß das Wissen um die Techniken der ostpreußischen Volkskunst nicht ausstirbt. Hierfür gebührt den Werklehrerinnen wie den Teilnehmerinnen Dank und Anerkennung. Sie sind Mittler und Künder eines bedeutenden Erbes, das es verdient, auch an zukünftige Generationen weitergegeben zu werden. Soviel aus dem Grußwort des Sprechers der Landsmannschaft Ostpreußen.

In ihrer Festansprache würdigte die Bundesvorsitzende der ostpreußischen Frauenkreise, Uta Lüttich, die Tätigkeit und den Einsatz der Ehrengäste für die kulturelle Breitenarbeit der Landsmannschaft Ostpreußen. Sie hob besonders die Worte von Carl Lembke hervor "Wir heute Lebenden haben zwischen gestern und morgen, zwischen Vergangenheit und Zukunft zu vermitteln; es darf keinen Bruch mit der Vergangenheit geben, wir müssen dem Fortschreiten die Wege ebnen. Die Gegenwart stellt die Aufgaben. Ihnen können wir nur gerecht werden in der Verantwortung vor der Vergangenheit und in der Verantwortung für die Zukunft." Die wie ein Vermächtnis klingen, dem die Landsmannschaft Ostpreußen mit der Vermittlung der textilen Volkskunst und dem Liedgut unserer Heimat bis auf den heutigen Tag gerecht wird.

Uta Lüttich hatte von einer Teilnehmerin einen Schnellhefter überreicht bekommen, aus dem Sie den Tagesablauf der ersten Werkwoche vom 20. bis 26. Oktober 1969 im Ostheim in Bad Pyrmont vorlas, die von Hanna Wangerin, Abteilung Kultur- und Frauenarbeitskreis und Frida Todtenhaupt, Bundesvorsitzende der ostpreußischen Frauenkreise, geleitet wurde. Bertha Syttkus leitete die Gruppe Weben und Knüpfen. An der ersten Werkwoche haben 44 Damen teilgenommen. In diesen 35 Jahren hat sich nichts Wesentliches geändert im Ablauf der Werkwoche, noch immer werden die Teilnehmerinnen am frühen Morgen vom "Singenden Wecker" geweckt und noch immer wird vom frühen Morgen bis zum späten Abend fleißig gearbeitet.

Die Bundesfrauenehrenvorsitzende, Hilde Michalski, hatte einen Bericht über die erste Werkwoche mitgebracht, aus dem Sie die Vorbereitungen einer Teilnehmerin zitierte: "... Als die Reisetaschen mit Webrahmen, Strick- und Häkelnadeln, Taschenmessern, Linolschnittfedern, Stoffen, Garnen, Sticknadeln, Radiergummis, Linealen, mit einigen Antischmerztabletten und lauter guten Vorsätzen gefüllt werden, wurden Kinder, Haustiere und Blumen der fürsorglichen Obhut des Mannes anvertraut. Man wußte ja ohnehin und sowieso von vornherein, daß während der eigenen Abwesenheit das traute Heim gänzlich aus den Fugen geriet. "Ich hab' meinem Mann noch 'nen Merkzettel geschrieben, so ein liebes Muttchen an. Ich weiß ihn noch auswendig. Und dann zählte sie auf: "Um 7 de Kinderchen wecken! Stell Dir den Wecker! Dem Irmelchen mußt' die Zöpfche noch flechten, sie gerät nich' allein! Dem Hansche mußt' in den Schulranzen kieken, der verjißt immer die Hälft'! Verjiß auch nich' die Stullen zu schmieren, tu man ordentlich rauf. Sie bangen sich doch wenn's Muttchen nich da is'! So begann es mit den Aufzeichnungen dieses köstlichen Merkblattes und wurde so hinreißend deutlich zu Ende geführt, daß man um diese Familie wirklich keine Sorge mehr zu tragen brauchte.

Das Ehepaar Winkler hatte während des Festaktes im Speisesaal ein prächtiges Büffet hergerichtet, an dem sich Gäste und Teilnehmerinnen stärken konnten, bevor der weitere Abend harmonisch und heiter verlief. Frau Adomeit führte mit ihrer Tanzgruppe Volkstänze vor. Einige Damen spielten Sketche, andere hielten Zwiegespräche und wieder andere trugen mit lustigen "Vertellchen" zum Gelingen des Abends bei.

Nach einer arbeitsreichen und geselligen Woche im Ostheim bei Ehepaar Winkler hieß es Abschied nehmen. Man bedanke sich bei allen Beteiligten und alle verspürten Lust noch ein weiteres Mal dabei zu sein. Leonie Schroeder

Sie halten ein heimatliches Kulturgut lebendig: Die Werklehrerinnen sowie die Ehrengäste bei der Abschlußfeier Foto: Vera Pallas


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