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08.01.05 / Gefeiertes Trio: Hans Christian Andersen, Friedrich Schiller und Albert Einstein

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 1 vom 08. Januar 2005

Gefeiertes Trio: Hans Christian Andersen, Friedrich Schiller und Albert Einstein

Die ganze Welt soll mitfeiern, wenn Dänemark eines seiner größten Söhne in diesem Jahr gedenkt. Als am 2. April 1805 in Odense auf der Insel Fünen einem Schuhmacher und einer Wäscherin ein Sohn geboren wurde, da dachte ganz gewiß kein Mensch daran, daß dieser Hans Christian Andersen einmal mit seinen Märchen die Welt begeistern würde. 168 Märchen verfaßte dieser Däne, und sie machten ihn bereits zu Lebzeiten berühmt, wenn auch der Prophet im eigenen Lande zunächst nichts gelten sollte. Viele seiner Bücher erschienen zuerst auf Deutsch, dann in der Muttersprache des Dichters, der sehr gekränkt war über das Verhalten seiner Landsleute. "Möge mein Auge nie mehr das Zuhause schauen, das nur Augen für meine Fehler hat, aber kein Herz für das, was Gott mir Großes verliehen hat", schrieb er verbittert.

Auslandsreisen führten Andersen kreuz und quer durch Europa, wo er viele Freunde fand. So bekannte Namen wie Heine, Balzac, Victor Hugo oder Dickens und Bertel Thorvaldsen sind darunter. In 80 Sprachen sind heute seine Märchen übersetzt. Seine Romane, Theaterstücke und Reisebücher sind weniger bekannt. In der Zwischenzeit hatte Andersen sich mit seinen Landsleuten versöhnt; sie schätzten und verehrten ihn bald so sehr, daß eine Statue im Königlichen Garten von Kopenhagen errichtet wurde und er zum 70. Geburtstag zum Kommandeur des Dannebrog-Ordens I. Grades ernannt wurde. "Ich sagte, mein Leben komme mir wirklich wie ein Märchen vor, so reich, so sonderbar wechselnd, ich habe erfahren, bald arm und einsam, bald in prächtigen Sälen zu sein; ich habe gekannt, verhöhnt und geehrt zu sein", schrieb Andersen, der am 4. August 1875 in Kopenhagen starb. Sein Biograph Wolfgang Mönninghoff sieht in den Verletzungen, die Andersen erfuhr, den Urgrund für die Märchen: "Er vergißt nichts und schlägt in den Märchen zurück. Dort stehen seine Kritiker als gaffende Masse, die den nackten Kaiser bewundert, da stolzieren sie als eingebildete Diener umher, oder sie tratschen als gakkernde Hühner im Hühnerhof herum" ("Das große Hans Christian Andersen Buch" von Mönninghoff, Artemis & Winkler, erscheint im Januar).

"Die Menschen haben eine Seele, die noch lebt, nachdem der Körper zu Erde geworden ist; sie steigt durch die klare Luft empor, hinauf zu allen glänzenden Sternen", liest man in seinem wohl schönsten Märchen "Die kleine Meerjungfrau". Andersens Seele ist bewahrt in seinen wundervollen Märchen, die nicht nur Kindern eine zauberhafte Welt offenbaren. Ihm ist es gelungen, die naive Volkserzählung zu einer literarischen Gattung zu erheben.

In Deutschland wird in diesem Jahr des 200. Todestages eines Mannes gedacht werden, der neben Goethe als der deutsche Nationaldichter gilt. Geboren am 10. November 1759 in Marbach am Neckar, studierte Friedrich Schiller zunächst Jura, dann Medizin und wurde 1789 Regimentsarzt in Stuttgart. Seine große Liebe aber galt dem Theater; er schrieb Dramen und Gedichte, was seinem Herzog allerdings mißfiel. Schiller floh ins ausländische Mannheim. Frankfurt am Main und Bauerbach bei Meiningen, aber auch Dresden, Jena, wo er eine unbesoldete Professur erhielt, und schließlich Weimar waren seine nächsten Stationen. Als Schiller, an einer schweren Lungenkrankheit leidend, zusammenbrach und seine materielle Not bekannt wurde, gelangte diese Nachricht bis ins ferne Dänemark, wo Prinz Friedrich Christian von Augustenburg eine auf drei Jahre begrenzte Ehrengabe von 1.000 Talern für Schiller gewährte.

Sind Schillers frühe Werke noch dem "Sturm und Drang" zuzuordnen, prägte er ab 1799 mit Goethe das "klassische Weimar". Heute werden seine Werke vielfach neu interpretiert und die Dramen neu in Szene gesetzt - nicht immer zum Vorteil dieser Meisterwerke. Viele seiner Texte sind heute zu geflügelten Worten geworden, und so mancher benutzt sie, ohne dabei an Friedrich Schiller zu denken (Johann Prossliner, Kleines Lexikon der Schiller-Zitate, dtv, 255 Seiten, brosch., 6,95 Euro).

"Bei Schiller ist das Prädikat ,groß' von den Werken zu seiner Persönlichkeit hinübergewandert", schreibt Kurt Wölfel in seiner dtv-Biographie über Friedrich Schiller (190 Seiten, 10 Euro). "Über seine Werke hinaus wurde er mit seinem Leben zu einer Gestalt, in welcher die Nation sich zu spiegeln liebte, bei der Besinnung auf das, was sie Güter nannte. In Schiller stellte sich ihr dar, was menschliche Größe ist, und wenn von dem die Rede war, was ihr als sittliches Eigentum galt, dann gehörte er als unentbehrlicher Teil zu dessen Bestand." Als Schiller am

9. Mai 1805 in Weimar starb, fand er nicht gleich seine letzte Ruhestätte. Zunächst wurde er im Kassengewölbe auf dem Jakobsfriedhof beigesetzt, das Grabgewölbe angesehener Bürger Weimars, die kein eigenes Erbbegräbnis hatten. Erst 1827 wurde er in der Fürstengruft bestattet.

2005 ist jedoch nicht nur ein Schiller-und Andersen-Jahr - auch Albert Einstein (1879-1955) wird entsprechende Würdigung erfahren, hat er doch vor 100 Jahren innerhalb weniger Monate vier revolutionäre Arbeiten veröffentlicht. Für die erste, eine Anwendung der von Max Planck entwickelten Quantentheorie auf Erscheinungen der Lichtstrahlung, erhielt er 1921 den Nobelpreis für Physik. Die zweite und dritte Arbeit enthielten bahnbrechende Erkenntnisse zum Aufbau der Materie; die vierte Arbeit allerdings machte Einstein weltberühmt: die spezielle Relativitätstheorie - für die meisten Menschen ein Buch mit sieben Siegeln. Als er die Schrift 1907 als Habilitationsschrift in Bern einreichte, wurde das Gesuch abgelehnt und einer der Ordinarien gab die Arbeit mit dem Bemerken zurück, er verstehe sie überhaupt nicht. Andere Wissenschaftler allerdings fanden bald die große Bedeutung der Theorie heraus und waren begeistert. Einstein jedoch soll dann im Scherz gemeint haben: "Seit die Mathematiker über die Relativitätstheorie hergefallen sind, verstehe ich sie selbst nicht mehr." Os


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