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05.03.05 / Die Nöte der HypoVereinsbank / Wieder sind es die Arbeitnehmer, die das Mißmanagement ausbaden müssen

© Preußische Allgemeine Zeitung / 05. März 2005

Die Nöte der HypoVereinsbank
Wieder sind es die Arbeitnehmer, die das Mißmanagement ausbaden müssen

Die HypoVereinsbank (HVB) gab in ihrer Bilanz-Pressekonferenz neuerlich einen gewaltigen Verlust bekannt, und schon das dritte Jahr in Folge entfallen die Dividenden. Pech für die Aktionäre, könnte man sagen, wenn - die HVB nicht die zweitgrößte Bank Deutschlands wäre. Und wenn sie nicht Mehrheitseigentümerin der größten Bank Österreichs wäre, der Bank Austria (BA). Und wenn die BA über ihre Töchter und Beteiligungen nicht Platzhirsch in Osteuropa wäre. Und wenn Aktionäre nicht die Angewohnheit hätten, ihren Frust ans Publikum weiterzugeben! Die Großaktionäre nämlich, denn Kleinaktionäre haben dazu kaum Gelegenheit.

Wie aber ist es möglich, daß eine Bank Großverluste einfährt? Im "operativen Geschäft" - das sind die Bankdienstleistungen im engeren Sinn, also das Sammeln von Einlagen, die Kreditvergabe, das Börsen-, Depot- und Beratungsgeschäft sowie der Zahlungsverkehr - kann man zwar Fehler machen, doch Verluste sind nie spektakulär. Und aus heiterem Himmel kommen sie erst recht nicht, denn sie resultieren aus Organisationsproblemen, falscher Standortpolitik, überhöhtem Personalstand, zu hohen Gehältern und dergleichen.

Bei Krediten kommt noch das Risiko dazu: Wenn der Schuldner nicht zahlen kann und die gebotenen Sicherheiten entweder gar nicht vorhanden sind - wie meist bei Privatkunden - oder wenn Bürgschaften und Hypotheken nicht ausreichen, muß die Bank Forderungen abschreiben ("wertberichtigen"). In der Bilanz schlägt sich das als Minderung des Gewinns beziehungsweise Erhöhung des Verlusts nieder. Aber selbst Kreditausfälle sind im Massengeschäft einer Großbank noch kein arges Problem, weil der Zinssatz eine Risikoprämie enthält: Wie in der Versicherungswirtschaft werden also schlechte Kunden durch die guten finanziert - nicht durch die Bank.

Bei Großkrediten und Beteiligungen - die Übergänge sind fließend - sieht die Sache anders aus: Es zeigt sich, daß die Bank zwar Kleinkunden fest im Griff hält, Großkunden hingegen haben eher die Bank in der Hand! Die engen persönlichen Beziehungen zwischen Betreuern und Großkunden führen nur allzu oft dazu, daß bereits faul gewordenen Krediten weiterhin gutes Geld nachgeworfen wird, "weil man den Kunden doch nicht einfach fallenlassen kann". Bis es zur Großpleite kommt - siehe Leo Kirch.

Die Verluste der HVB resultieren laut eigener Angabe primär aus Großkrediten im Immobiliensektor. Es nützt gar nichts, daß Kredite "hypothekarisch abgesichert" sind und die Bank letztlich Eigentümerin der Immobilie wird - wenn diese weniger wert ist als der Kredit. Und genau das tritt bei leichtfertigen Investitionen ein, wenn also Einkaufszentren, Bürokomplexe oder Wohnparks errichtet werden, für die sich dann keine Mieter finden - Wertvernichtung pur!

Schlechte Kredite oder Beteiligungen bedeuten aber auch eine Vermögensverschiebung vom neuen Eigentümer hin zum alten Eigentümer (sowie zu Baufirmen, Architekten, Anwälten etc.) Konsumentenschützer, die Bankenaufsicht und notfalls die Staatsanwaltschaft sollten sich daher viel stärker mit faulen Großkrediten befassen, hängt doch der Verdacht von grober Fahrlässigkeit bis hin zur Untreue im Raum. Und Verluste im Großkundengeschäft kann eine Bank leider nicht dadurch hereinbringen, daß sie anderen Großkunden höhere Zinsen verrechnet. Vielmehr kommen andere dran: Personal, das "freigesetzt" wird, und Kleinkunden, die sich nicht wehren können.

Die HVB hat bereits Personaleinsparungen angekündigt - vorerst sollen 2.400 Mitarbeiter abgebaut werden. Daß es damit getan ist, glaubt keiner. Die Mutter gibt den Druck aber auch an die Töchter weiter, und so droht bei der BA erstmals in ihrer Geschichte ein Arbeitskampf bis hin zum Streik. Das Verständnis der BA-Mitarbeiter für die Fehler der HVB hält sich in sehr engen Grenzen, denn die BA ist hochprofitabel und trägt wesentlich zur Verschönerung der HVB-Bilanz bei.

Da die HVB selbst als "Übernahmekandidat" gilt, können die Vorgänge in und um die HVB durchaus mit Beschlüssen gewisser Absprachegremien zusammenhängen. So sei daran erinnert, daß die Übernahme der BA durch die HVB (vgl. Folgen 33/2000 und 15/2003) durch einen Aktientausch im Verhältnis eins zu eins erfolgte. Die HVB-Aktie, die damals mit 66 Euro notierte, war bald darauf nur noch sechs Euro wert. Doch der damalige Chef der BA, der die Übernahme eingefädelt hatte und der die HVB nachwievor als den "richtigen Partner" für die BA bezeichnet, wurde Vorstandsdirektor der HVB. Er war sehr wohl bei den Treffen der "Bilderberger" (siehe im Internet http://www.bilderberg.org ), Konsumentenschützer und Staatsanwälte hingegen sind dort nie vertreten. RGK


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