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05.03.05 / Was das Leben aus ihnen machte / Stefanie Zweig über die wechselvollen Lebenswege ihrer Flüchtlingsfreundinnen

© Preußische Allgemeine Zeitung / 05. März 2005

Was das Leben aus ihnen machte
Stefanie Zweig über die wechselvollen Lebenswege ihrer Flüchtlingsfreundinnen

Die Geschichte beginnt unter einem Eukalyptusbaum im Garten der Nakuru School in Kenia. Vier jüdische Mädchen, deren Familien rechtzeitig Ende der 30er Jahre aus Deutschland fliehen konnten, versuchen gemeinsam in diesem ihnen so fremden Land zwischen lauter Engländern ihren Weg zu gehen. Leah, Liesel, Viktoria Auguste und Regina verbindet in erster Linie eine Zwangsgemeinschaft, so unterschiedlich sind die Mädchen, doch das gemeinsame Schicksal des Flüchtlingskindes schweißt sie auch zusammen. "Du wirst früh genug merken, was es heißt, das Kind von Refugees (Flüchtlingen) zu sein. Die können nie aus dem Fenster gucken, ohne an die Vergangenheit zu denken."

Gemeinsam schwärmen die vier von ihren Zukunftsplänen, von denen besonders die blonde Viktoria Auguste, die sich ihre deutschen Wurzeln verleugnend Vicky nennt, einen klaren Plan hat: Einen reichen Engländer mit englischem Landhaus heiraten, vier Kinder bekommen und zwei irische Setter namens Bingo und Baxter spazierenführen.

Stefanie Zweig, 1932 in Oberschlesien geboren, erhielt kurz nach der Oscarverleihung 2003, bei der die Verfilmung ihres Buches "Nirgendwo in Afrika" als "bester ausländischer Film" abschnitt, Anrufe von ihren ehemaligen Schulkameradinnen. In "Nirgendwo in Afrika" hatte sie ihre Geschichte als jüdischer Flüchtling in Kenia erzählt. Auch die Nakuru School fand Erwähnung und Leah, Liesel und Vicky fanden sich bei ihrer ehemaligen Freundin ein, um ihr von dem Verlauf ihres Lebens zu berichten. Diese Informationen verwandte die Autorin nun in ihrem beeindruck-enden neuen Roman "Es begann damals in Afrika". Sie erzählt von den Anpassungsproblemen der Mädchen in Kenia, von den ihnen peinlichen deutschen Eigenarten der Eltern, von Zukunftsplänen und der bitteren Realität. Beeindruckend erzählt Stefanie Zweig ein Stück

Zeitgeschichte, beschreibt den Zusammenprall verschiedener Kulturen und Religionen und erzählt, was das Leben aus den vier unterschiedlichen Freundinnen gemacht hat. Vicky heiratete ihren reichen Engländer, fand jedoch nicht ihr Glück; Leah fand ihre große, aber leider nur kurze Liebe in Israel; Liesel ihren männlichen Gegenpart in England und Regina alias Stefanie Zweig eindrucksvolle Worte. Bewegend! R. Bellano

Stefanie Zweig: "Es begann damals in Afrika", Langen Müller, München 2004, geb., 334 Seiten, 19,90 Euro


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