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19.03.05 / "Das heißt doch Königsberg" / ITB: Polnische Tourismus-Veranstalter haben Westniveau erreicht 

© Preußische Allgemeine Zeitung / 19. März 2005

"Das heißt doch Königsberg"
ITB: Polnische Tourismus-Veranstalter haben Westniveau erreicht 
von Markus Schleusener

Tourismus - das ist wohl eine der letzten Wachstumsbranchen in Deutschland. Die Internationale Tourismusbörse (ITB) jedenfalls wird von Jahr zu Jahr größer. Inzwischen ist die Reisemesse fast so groß wie die legendäre Internationale Funkausstellung IFA, die alle zwei Jahre Besucher nach Berlin lockt. Zumindest belegt die ITB 2005 fast genau so viele Hallen wie die Elektronikmesse.

Die Aussteller sind die Tourismus-Vermarktungs-Agenturen aus dem In- und Ausland, Fluggesellschaften, Hotels, Autovermietungen und, und, und. Zu den Exoten unter den Ausstellern gehört das Internet-Auktionshaus Ebay. "Was machen Sie denn auf der ITB?" Die Antwort kommt prompt: Alle vier Minuten wird bei Ebay bereits eine Reise verkauft.

Bei den Österreichern ist ein Kaffeehaus und ein uriges Lokal aufgebaut. Bei den Arabern erkennt man sofort, ob es sich um westliche oder eher fundamentalistische Moslem-Staaten handelt, die sich dort präsentieren. Normalerweise sind 90 Prozent der Hostessen weiblich. Ist ja klar, weil männliche Geschäftsleute geangelt werden sollen. Nicht so bei den Iranern: Hier ist nicht mal eine verschleierte Frau an einem Stand zu finden. In Dubai oder den Vereinigten Arabischen Emiraten lächeln einen dagegen unverschleierte Araberinnen an.

Schön ist die polnische Halle. Noch vor zehn Jahren sind polnische Messe-Aussteller mit Frauen angerückt, die so viel Schminke im Gesicht hatten, daß der Betrachter sie leichtfertig ins Horizontalgewerbe einordnen konnte. Die moderne polnische Frau ist von einer westlichen kaum mehr zu trennen.

Neu sind auch die Stände. Früher präsentierten die Polen Wroclaw, Poznan oder Szczecin. Doch während in Deutschland die deutschen Namen dieser Städte in Vergessenheit geraten, erinnern sich die Polen jetzt wieder an sie. Deutsche Fluggesellschaften fliegen nach Ljubljana, Tallinn und Bratislava statt nach Laibach, Reval und Preßburg. Aber die Polen laden uns nach Schlesien, nach Kolberg oder Posen ein!

Auch neu: die Prospekte. Wer sie durchblättert, sieht: Hier hat sich jemand Mühe gegeben. Die wollen deutsche Gäste. Was bleibt ihnen auch anderes übrig. Polen hat EU-weit die höchste Arbeitslosenquote (20 Prozent). Die Perspektiven unseres östlichen Nachbarn sind eng bemessen. Deutsche Touristen sind eine von wenigen. Manche Prospekte sind zweisprachig, die meisten nur auf Deutsch. So etwas gab es früher auch nicht oder kaum. "Wir sprechen Deutsch" ist ein beliebter Satz in der polnischen Hotelwerbung. Und es stimmt. Anders als beispielsweise italienische Übersetzungen sind die aus Polen fehlerfrei.

Ein junge Ausstellerin - angesprochen auf das neue, freundliche Auftreten der Polen - äußert Unverständnis über die Russen, die in diesem Jahr das 750jährige Jubiläum "Kaliningrads" feiern. "Das heißt doch Königsberg", sagt sie.

Wer dorthin will, für den wird es etwas schwerer. Je weiter östlich das mögliche Reiseland ist, desto unfreundlicher werden die Hostessen. Die Russen sind mit dem Zug gekommen. Es ist eine etwas kümmerlich wirkende Gruppe russischer Frauen, die so aussehen wie die Polinnen vor zehn Jahren und von denen nur eine einzige gebrochen Deutsch spricht. Sie erläutert die kompletten Visa-Vorschriften, die einem jegliche Lust auf diese Reise schon vergehen lassen, bevor sie begonnen hat.

Und während die Frau, die über das Nachtleben von Reval informiert, sich wenigstens Mühe gibt, ist die Lettin, die den ITB-Besucher für Riga begeistern soll, einfach nur unfreundlich: "Hier ist das (sic!) Prospekt, suchen Sie sich selbst heraus, was Sie interessiert!"


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