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02.04.05 / Deutsche bei Russen beliebter als bei Polen / Bundespresseamt ließ aus Anlaß der Fußballweltmeisterschaft im kommenden Jahr das Deutschlandbild im Ausland untersuchen

© Preußische Allgemeine Zeitung / 02. April 2005

Deutsche bei Russen beliebter als bei Polen
Bundespresseamt ließ aus Anlaß der Fußballweltmeisterschaft im kommenden Jahr das Deutschlandbild im Ausland untersuchen

Die Russen im mittleren Ostpreußen und den anderen Teilen der Russischen Föderation denken über Deutschland überdurchschnittlich positiv, während die Polen im südlichen Ostpreußen und den anderen Teilen der Republik Polen über den westlichen Nachbarn sowie Partner in Nato und EU relativ negativ denken. Das ist das wohl bemerkenswerteste Ergebnis einer Repräsentativbefragung, die das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung aus Anlaß der im kommenden Jahr in der Bundesrepublik stattfindenden Fußballweltmeisterschaft außer in den genannten Staaten auch in Brasilien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien, Mexiko, den Niederlanden, Südafrika und den Vereinigten Staaten von Amerika durch TNS Emnid, Markt-, Media und Meinungsforschung, Projektbereich Empirische Sozialforschung, hat durchführen lassen. Ergänzend ist hinzuzufügen, daß sich in Rußland kein Zusammenhang zwischen dem Bildungsgrad und dem Urteil über die Deutschen feststellen läßt, während in Polen das Image der Deutschen bei den sogenannten "zwischenmenschlichen" Eigenschaften wie "gastfreundlich", "tolerant" oder "sympathisch" mit steigendem Bildungsgrad sinkt.

Nicht unbedingt zu erwarten war das Ergebnis, daß die Niederländer die Deutschen am sympathischsten finden. Der Saldo, sprich die Differenz zwischen den positiven und den negativen Meinungsäußerungen, ist bei ihnen mit 42 Prozentpunkten am höchsten. Mit 49 Prozent findet fast die Hälfte den großen Nachbarn sympathisch. Dem stehen nur sieben Prozent gegenüber, die gegenteiliger Ansicht sind. In der TNS-Emnid-Umfrage folgen dann die US-Amerikaner mit 36 Prozentpunkten. 47 Prozent, welche die Deutschen mögen, steht ein Dutzend Prozent gegenüber, für die das Gegenteil zutrifft. An dritter Stelle kommt Rußland mit 27 Punkten. 43 Prozent finden die Deutschen sympathisch und 16 Prozent halten sie für unsympathisch. Es folgt das südamerikanische Brasilien mit 25 Punkten. Jetzt erst folgt Deutschlands wichtigster Partner in der EU, Frankreich, mit einem positiven Saldo von 23 Prozentpunkten, gefolgt vom Nato- und EU-Partner Dänemark mit 18 Punkten. Dicht beieinander liegen Südafrika und Italien mit 15 beziehungsweise 14 Punkten. Noch positive Salden haben Mexiko und Großbritannien mit vier und drei Prozentpunkten. Polen steht nicht nur am Ende, sondern ist auch das einzige Land, in dem der Saldo negativ ist, also die Zahl der Menschen, welche die Deutschen als unsympathisch erachten, überwiegt. Mit 24 Prozent findet fast jeder vierte Pole die westlichen Nachbarn unsympathisch, mit 19 Prozent findet nicht einmal jeder fünfte sie sympathisch.

Ähnlich verhält es sich hinsichtlich der Tugend der Gastfreundlichkeit. Am deutschfreundlichsten äußerten sich wieder die Niederländer mit 66 Prozentpunkten. Noch vor den Dänen mit ihren 45 Punkten rangieren die Russen in dieser Rubrik sogar mit 49 Prozentpunkten auf Platz 2. Es folgen die USA mit 35 Punkten, Frankreich mit 30 Punkten, Mexiko mit 24 Punkten, Großbritannien mit 20 Punkten, Brasilien mit 19 Punkten, Italien mit 17 Punkten und Südafrika mit vier Punkten. Das Schlußlicht bildet wieder Polen. Wenigstens ist diesmal der Saldo nicht negativ. Der Anteil der Polen, der die Deutschen für gastfreundlich hält, ist um drei Prozentpunkte höher, als jener, der den gegenteiligen Eindruck hat.

Hinsichtlich der Tugend Toleranz hält Rußland sogar den Spitzenplatz. Bei keinem anderen Land ist der Saldo so positiv wie bei diesem. Der Anteil der Russen, der den Deutschen Toleranz nachsagt, ist um 44 Prozentpunkt höher, als jener, der das Volk Friedrichs des Großen für intolerant hält. Es folgen die offenkundig deutschfreundlich gewordenen Niederländer mit 33 Punkten sowie Deutschlands nördliche Nachbarn mit 17 Punkten, die USA mit 14 Punkten und Frankreich mit zwölf Punkten. Dann folgt bereits - gleichauf mit Italien und Südafrika - Polen, das mit sieben Punkten diesmal nicht das Schlußlicht bildet. Ihm folgen nämlich noch Brasilien mit vier Punkten, Großbritannien, in dem genauso viele Menschen die Deutschen für tolerant wie intolerant halten, und Mexiko mit -4 Punkten.

Kommen wir nun von den sogenannten "zwischenmenschlichen" Eigenschaften zur preußischen Sekundärtugend Fleiß. Wie kaum anders zu erwarten, liegen hier die Werte ausgesprochen hoch, und dabei am höchsten in Rußland. 83 Prozentpunkte beträgt hier der Saldo. Es ist nun allerdings nicht so, daß Polen den Gegenpol bilden würde. Vielmehr schwimmt es mit 57 Punkten zwar hinter Mexiko, Brasilien und den Niederlanden, Italien und den USA, aber noch vor Dänemark, Frankreich, Großbritannien und Schlußlicht Südafrika im unteren Mittelfeld.

Hinsichtlich der Tugend Weltoffenheit rangiert Polen gar auf Platz 1. Kein anderes der untersuchten Völker hält die Deutschen für derart weltoffen, wie sie es tun. Mit einem positiven Saldo von 39 Prozentpunkten hält Polen knapp die Spitze vor Mexiko. Rußland tummelt sich mit 23 Punkten im guten Mittelfeld auf Platz 5.

Alles andere als gegensätzlich, sondern vielmehr fast identisch ist die Einschätzung der Wirtschaftskraft und des wirtschaftlichen Wohlstandes der Deutschen durch Polen und Russen. Die beiden einzigen ehemaligen Ostblockstaaten unter den untersuchten Ländern führen in beiden Kategorien die Rangfolgen klar an. Hinsichtlich der positiven Einschätzung der deutschen Wirtschaftskraft führt Rußland mit einem positiven Saldo von 76 Prozentpunkten knapp vor Polen mit 75 Punkten und relativ deutlich vor Mexiko mit 71 Punkten. Beim wirtschaftlichen Wohlstand der Deutschen ist es umgekehrt. Hier führt Polen mit 81 Prozentpunkten knapp vor Rußland mit 78 Punkten und klar vor Mexiko mit 70 Punkten. Hierin könnte eine entscheidende Erklärung für die große finanzielle Erwartungshaltung der russischen und polnischen Bewohner Ostpreußens gegenüber den geflohenen und vertriebenen Deutschen liegen.

Ähnlich wie bei der Beurteilung der sogenannten "zwischenmenschlichen" Eigenschaften klaffen allerdings auch bei der Beurteilung der zwischenstaatlichen wieder Welten zwischen den Images, welche die Deutschen beziehungsweise ihr Land in Rußland einerseits und in Polen andererseits besitzen. Der Aussage, daß Deutschland ein verläßlicher Partner bei der Lösung internationaler Konflikte sei, wird am meisten in Rußland und am wenigsten in Polen zugestimmt. In Rußland beträgt der Saldo 35 Prozentpunkte, in Polen -5. Das heißt, daß in Polen eine zumindest relative Mehrheit Deutschland für nicht verläßlich hält. Ähnlich, wenn auch hinsichtlich Polen nicht ganz so extrem, ist die Situation bei der Frage, ob Deutschland ein fairer Handelspartner sei. Diese Ansicht wird am stärksten in Rußland vertreten, wo der Saldo bei 59 Prozentpunkten liegt. Polen liegt hier mit 26 Punkten auf Platz 8, nur noch gefolgt von den USA, Großbritannien und Südafrika.

Spitzenwerte erreicht Deutschland bei den Polen nur in der Frage, ob es eine wichtige Rolle in der Weltpolitik und der Weltwirtschaft spiele. In beiden Fragen liegt Polen jeweils vor Dänemark mit 63 beziehungsweise 64 Prozentpunkten auf Platz 1. Rußland tummelt sich jeweils im oberen Mittelfeld. Diese polnischen Spitzenwerte sagen jedoch überhaupt nichts über die Wertschätzung für den westlichen Nachbarn aus.

Es bleibt die Frage, inwieweit Russen und Polen in ihrem Urteil zwischen Deutschland und den Deutschen einerseits sowie dem Regierungschef und seinem Kabinett Unterschiede machen. Die Russen machen das offenkundig weniger. Bei den beiden Fragen, wie sie das Ansehen des jetzigen Bundeskanzlers respektive der jetzigen Bundesregierung in ihrem eigenen Land beur-

teilen, liegt Rußland klar an der Spitze. Beim Kanzler sind es 53 Prozentpunkte, gefolgt von 42 Punkten in Frankreich, bei der Regierung sind es 51 Prozentpunkte, gefolgt von 42 Punkten in Südafrika. Hier spiegelt sich offenkundig die positive Beurteilung der Deutschen und ihres Landes.

Bei den Polen sieht es etwas anders aus. Sie beurteilen weder Gerhard Schröder noch seine Mannschaft so negativ wie das von ihnen geführte Land und Volk. So ist die polnische Beurteilung der Bundesregierung mit einem Saldo von 21 Prozentpunkten nicht negativer als etwa die niederländische und ungleich besser als die US-amerikanische mit 12 Punkten. Die polnische Beurteilung des Bundeskanzlers ist mit einem Saldo von 22 Punkten genauso gut wie die dänische und besser als die britische, die niederländische, die italienische, die brasiliani-

sche und die US-amerikanische. Vielleicht goutieren die Polen damit die Vertretung der Interessen ihrer Republik durch Schröder und Rot-Grün - doch das ist Spekulation. Keine Spekulation ist hingegen, daß es offenkundig eine Diskrepanz gibt, zwischen denen, die den Deutschen von ihren Regierenden als ihre Freunde verkauft werden, und denen, die es wirklich sind. Manuel Ruoff

Deutschland - Weltmeister der Herzen? Zumindest nicht in den Augen der Mehrheit der Polen, denn unter allen von TNS Emnid, Markt-, Media- und Meinungsforschung, untersuchten Staaten ist die mittelosteuropäische Republik der einzige, in dem eine relative Mehrheit die Deutschen nicht sympathisch findet. Foto: Fifa / pa


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