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16.04.05 / Kameras auf die Akropolis getragen / Eine Ausstellung im Hamburger Jenisch Haus zeigt Beispiele früher Fotografien aus der Sammlung des Museums Ludwig

© Preußische Allgemeine Zeitung / 16. April 2005

Kameras auf die Akropolis getragen
Eine Ausstellung im Hamburger Jenisch Haus zeigt Beispiele früher Fotografien aus der Sammlung des Museums Ludwig

Man schrieb das Jahr 1880, als sich ein Mann auf den Weg nach Griechenland machte, dessen Name vor allem eng mit Italien und der Stadt Rom verbunden war: Ferdinand Gregorovius. Der 1821 im ostpreußischen Neidenburg Geborene lebte von 1852 bis 1874 in der Ewigen Stadt, wurde schließlich gar deren Ehrenbürger. Mit seiner "Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter" ist Gregorovius als Journalist, Historiker und Dichter in die Geschichte eingegangen. Nach Abschluß dieser umfang-reichen Arbeit jedoch verlangte es ihn nach neuen Herausforderungen, so dachte er daran, eine Geschichte des Dreißigjährigen Krieges zu schreiben, ließ aber davon ab. 1880 führte ihn dann eine Reise zum ersten Mal nach Griechenland, wo er sich sogleich zu neuen Taten inspiriert fühlte. "Meine griechische Reise erlöste mich von einem Stoff, welchen aufzugreifen für mich ein tortum war", schrieb er in seinem Tagebuch. "Ich begann zu ahnen, daß mir Hellas ein Seitenstück zum römischen Mittelalter darbieten werde." Über Italien nach München zurückgekehrt begann er mit einer Biographie der Athenais, der Geschichte einer byzantinischen Kaiserin (1882). Seine noch heute kurzweilig zu lesenden Berichte über Korfu und "Aus der Landschaft Athens" bereiteten schließlich seine "Geschichte der Stadt Athen im Mittelalter" vor, die 1889 in zwei Bänden veröffentlicht wurde. "Ich habe immer jede Arbeit von Bedeutung als ein Göttergeschenk angesehen", sagte er einmal, "und noch ein mehreres zu verlangen, bin ich nicht berechtigt; denn meine Tage neigen sich dem Ende zu." - Ferdinand Gregorovius starb am 1. Mai 1891 in München.

Der Neidenburger war nicht der einzige Wortkünstler deutscher Zunge, der sich zu Griechenland hingezogen fühlte. Hölderlin jubelte 1797: "Ich liebe dies Greichenland überall." Und auch Geibel schwärmte 1838: "Nie habe ich so etwas Herrliches gesehn wie diese griechischen Sonnenuntergänge." Selbst Goethe ließ in seinem Drama "Iphigenie auf Tauris" 1787 seine Protagonistin klagen: "Denn ach, mich trennt das Meer von den Geliebten, und an dem Ufer steh ich lange Tage, das Land der Griechen mit

der Seele suchend, und gegen meine Seufzer bringt die Welle nur dumpfe Töne brausend mir herüber ..."  - "Das Land der Griechen mit der Seele suchend" ist denn auch der Titel einer Ausstellung, die noch bis zum 15. Mai im Hamburger Jenisch Haus, einer Dépendance des Altonaer Museums, zu sehen ist (dienstags bis sonntags 11 bis 18 Uhr). Im Rahmen der 3. Triennale der Foto-grafie werden Aufnahmen aus den Jahren zwischen 1850 und 1865 gezeigt. Für seine Arbeiten hat der Historiker und Journalist Gregorovius in Archiven und Bibliotheken Unterlagen studiert, und man darf davon ausgehen, daß er auch die eine oder andere Fotografie gesehen hat.

Das 1839 erfundene Medium entdeckte schon früh das Land der Griechen und seine historischen Reize. Wenn man bedenkt, daß eine komplette Ausrüstung damals etwa 50 Kilogramm wog, kann man vor den frühen Fotografen nur den Hut ziehen. Schnappschüsse waren mit diesen "Monstren" nicht zu schießen. Die Fotografen mußten ihr Bild "komponieren" und durchdenken wie ein Maler. So entstanden meist Darstellungen der allseits als Ideal der klassischen Antike verehrten Tempelruinen. Meist wählten sie die weltberühmte Akropolis in Athen, bannten Säulen und Ornamente, Skulpturen, oder was noch davon übrig war, auf die Platte. Menschen sind nur sehr selten auf diesen ersten Fotografien zu finden; sie dienen allenfalls als Staffage. Originell sind die um 1850 erfundenen Ste-reofotografien, die durch räumliche Tiefe verblüffen. Aber auch alte Postkarten stimmen ein auf das Thema. Sie zeigen ein Athen, das es heute so nicht mehr gibt. Die gut anderthalb Jahrhunderte alten Fotografien bieten einen Blick in die Vergangenheit der Ruinen. Viele Teile der Gebäude wurden im Lauf der Zeiten ein Opfer von Zerstörungswut oder Modernisierungswahn. Dezent positionierte Olivenzweige unterstreichen schließlich die Sehnsucht vieler Deutscher nach dem Land der Griechen. Im Jenisch Haus bekommt man einen kleinen Eindruck wie Hellas einst war. SiS

 Blick auf das Olympieion in Athen: Fotografie von James Robertson 1854 Foto: Museum Ludwig


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