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16.04.05 / Vor 60 Jahren / Die Offensive gegen die letzte deutsche Bastion in Ostpreußen beginnt

© Preußische Allgemeine Zeitung / 16. April 2005

Vor 60 Jahren
Die Offensive gegen die letzte deutsche Bastion in Ostpreußen beginnt

Nachdem die 3. Weißrussische Front Königsberg eingenommen hatte, startete sie am 13. April 1945 eine Offensive gegen die letzte deutsche Bastion in Ostpreußen, das Samland, mit dem Ziel Pillau. Vier Tage später nahm sie Fischhausen und Peyse ein. Nach schweren Kämpfen fielen vom 21. bis zum 23. April die Riegelstellungen im Vorfeld Pillaus, Tenkitten, Lochstädt, Adalbertskreuz und Neuhäuser, deren Kernpunkte Marinebatterien waren. Während ein Teil der Roten Armee noch dabei war, die letzten deutschen Widerstandsnester in Ostdeutschland zu bekämpfen, begann ein anderer von Ausgangsstellungen entlang der Oder und Neiße am 16. April eine Großoffensive auf die Reichshauptstadt. Über Spremberg erreichten die Angriffskeile dieser Offensive drei Tage später die Spree. Am 22. April eroberten die Sowjets Cottbus und erreichten den inneren Verteidigungsring Berlins.

Im Westen erreichte die britische Infanterie am 16. April den Stadtrand von Bremen. Die US-Amerikaner überrannten Elberfeld und Wuppertal. Die Deutschen stellten im Raum Bayreuth und Hof den Widerstand ein. Am 17. April wurden Solingen, Düsseldorf und Braunlage von der 3. US-Armee erobert. Die 30. Infanteriedivision der 9. US-Armee eröffnete den Angriff auf Magdeburg. Brettheim wurde zerstört und Rothenburg besetzt. Freudenstadt wurde von den Franzosen überrannt. Nagold und Horb gingen ebenfalls verloren. Am 18. April fielen Soltau, Uelzen und Lüneburg in britische Hand. Im Raum der 3. US-Armee stellten die eingeschlossenen deutschen Truppen der Heeresgruppe B den organisierten Widerstand ein. Rund 325.000 deutsche Soldaten gerieten während der Kämpfe im Ruhrkessel in Kriegsgefangenschaft. Magdeburg und Brinkum fielen in US-amerikanische Hand. Die 3. US-Armee schwenkte südwärts, um nach Südosten in Richtung Österreich und Tschechoslowakei vorzustoßen. Auch Düsseldorf fiel. Am 19. April erreichten britische Panzer der 11. Panzerdivision bei Lauenburg die Elbe. Leipzig wurde von der 2. und der 69. Division der 1. US-Armee erobert. Einheiten der 7. US-Armee drängten von verschiedenen Seiten in den Stadtkern Nürnbergs vor. Auch Tübingen fiel in westalliierte Hände. Am 20. April wurde Schwäbisch Gmünd von der 114. Infanteriedivision der 7. US-Armee besetzt. Sulzbach und Backnang wurden von anderen Einheiten dieser Armee überrannt. Schondorf geriet ebenfalls in US-amerikanische Hand. Stuttgart wurde von den Franzosen besetzt, nachdem diese vom Süden her in die Stadt eingedrungen waren. Auch Sigmaringen und Freiburg wurden besetzt. Nachdem er als zuständiger Befehlshaber die im Ruhrkessel eingeschlossene Heeresgruppe B aufgelöst hatte, um einer offiziellen Kapitulation auszuweichen, hat sich Generalfeldmarschall Walter Model am 21. April erschossen.

In der Nacht vom 16. zum 17. April wurde die "Goya" auf der Fahrt von Hela nach Kopenhagen etwa ein Dutzend Meilen querab Stolpmünde versenkt. Nachdem das moderne 131,1 Meter lange und 17,37 Meter breite Zwei-Schrauben-Motorschiff vor Hela über 7.000 Flüchtlinge sowie verwundete und andere Soldaten an Bord genommen hatte, stach es am Abend des 16. April in See Richtung Westen. Der 5.230-Bruttoregistertonner fuhr in einem Geleitzug mit der "Mercator" mit 5.000 und der "Kronenfels" mit 2.500 Menschen an Bord sowie dem Wassertanker "Ägier". Als Geleitschutz hatte die auf Hela stationierte 9. Sicherungsdivision das Minensuchboot M 256 und das Kampfboot M 328 abgestellt. Die erst im Kriege, nämlich am 4. April 1940, vom Stapel gelaufene "Goya" hätte mit ihren beiden Zehn-Zylinder-Motoren 18 Knoten laufen können, aber ein Geleitzug ist so schnell wie sein schwächstes Glied, und das war in diesem Falle nicht die "Goya". Die Marschgeschwindigkeit war zunächst auf elf Knoten festgesetzt, verlangsamte sich vorübergehend aber sogar auf neun Knoten, da der Dampfer "Kronenfels" die befohlene Geschwindigkeit nicht halten konnte. Dieses niedrige Tempo erhöhte die Gefahr, Opfer eines sowjetischen Angriffes zu werden.

Und in der Tat lauerte unweit der Stelle, an der seine Kameraden von S 13 wenige Monate zuvor die "Wilhelm Gustloff" in die Tiefe geschickt hatten, der sowjetische Kapitän 3. Ranges Wladimir Konowalow mit seinem Garde-U-Boot L 3 auf den Geleitzug. Um 23.52 Uhr hatte er das größte Schiff des Zuges, die "Goya", im Fadenkreuz des Periskopes und gab den Feuerbefehl. Er landete zwei Volltreffer. Der erste Torpedo riß das Vorschiff des deutschen Motorschiffes meterweit auf und der zweite traf mittschiffs und zerstörte den Maschinenraum. Angesichts dieser Treffer dauerte es nur sieben Minuten, bis das Schiff auseinanderbrach und auf den 78 Meter tiefen Grund sank.

Unglückliche Rahmenbedingungen kamen hinzu, die den schnellen Untergang zu einer der größten Katastrophen der Seefahrt machten. Das Schiff war total überfüllt. Es war nur für ein Dutzend Passagiere ausgelegt. Es fehlte an Rettungsgerät. Tausende hatten provisorisch in den Laderäumen untergebracht werden müssen. Entsprechend schwer war es für diese, sich nach den Treffern an Deck zu retten und nicht mit dem Schiff unterzugehen. Besonders hart traf es die Schwerverletzten. Nicht nur, daß sie aufgrund ihrer Verwundungen kaum in der Lage waren, sich selber zu helfen, waren sie im Schiff auch noch ganz unten untergebracht. Doch auch von den anderen schaffte es nur ein Bruchteil, sich rechtzeitig von dem untergehenden Schiff zu entfernen. Und auch die etwa 500 Menschen, denen dieses gelang, waren damit noch nicht gerettet. Das lag auch an der empfindlich niedrigen Luft- und vor allen Dingen Wassertemperatur. Waren es bei der Luft sechs Grad, so beim Wasser nur drei. Ähnlich wie bei anderen erfolgreichen Torpedoangriffen auf Geleitzüge kam erschwerend hinzu, daß sich die anderen Geleitfahrzeuge nicht auf die Rettung der Schiffbrüchigen konzentrieren konnten, sondern auch noch um ihre eigene Sicherheit beziehungsweise die Ausschaltung oder zumindest Vertreibung des gegnerischen U-Bootes besorgt sein mußten. Gerettet wurden 151 Personen vom Kampfboot M 328, 121 vom Minensuchboot M 256 und 58 von dem Wassertanker "Ägier". Elf Stunden nach der Katastrophe, der Geleitzug hatte die Rettungsaktion längst beendet und seine Fahrt gen Westen fortgesetzt, stieß ein deutsches Schnellboot noch auf ein Floß der "Goya" mit vier Überlebenden. Mehr wurden nicht gerettet. So überlebten von den über 7.000 Menschen an Bord der "Goya" nur 334 deren Versenkung durch L 3, dessen Kommandant für seine Tat übrigens mit dem Titel "Held der Sowjetunion" geehrt wurde. M. R.


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