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16.04.05 / Die ostpreußische Familie / Leser helfen Lesern

© Preußische Allgemeine Zeitung / 16. April 2005

Die ostpreußische Familie
Leser helfen Lesern
von Ruth Geede

Lewe Landslied und Familienfreunde,

es eilt wieder mal, es eilt sogar sehr. Weil sich unsere Landsleute aus Heinrichshöfen, Kirchspiel Sorquitten, am 30. April zu ihrem 12. Ortstreffen in Bad Sassendorf zusammenfinden. Es haben sich schon viele Teilnehmer angemeldet, aber zwei fehlen noch, nach denen bisher vergeblich gesucht wurde. Deshalb hat sich Pfarrer i.R. Manfred Buchholz aus Sondershausen an uns gewandt, denn dies ist die letzte - und schnellste - Möglichkeit, die drei Geschwister Jeworrek zu finden. Diese waren aus dem Kreis Treuburg geflohen und lebten bis Ende der 50er Jahre in Heinrichshöfen wie auch viele andere Landsleute, die hier auf ostpreußischem Boden für einige Jahre ihre Nachkriegsheimat fanden. Sie kommen auch zum Treffen in Bad Sassendorf und hoffen, daß dann die noch fehlenden Geschwister Jeworrek darunter sind. Zwei der Vornamen sind bekannt: Waltraut und Gustav. Wer weiß, was aus ihnen geworden ist, wo die heute etwa 70jährigen leben? Wie gesagt: Schnell muß es gehen. Ich würde mich freuen, wenn wir die Hoffnung von Herrn Pfarrer Buchholz, in letzter Minute noch eine Begegnung mit alten Freunden zu ermöglichen, erfüllen könnten. (Pfarrer i.R. Manfred Buchholz, Falkenweg 11 in 99706 Sondershausen, Telefon / Fax 0 36 32 / 60 36 34, E-Mail: manfredusbuchholz@web.de .)

Wer erinnert sich noch an die Fahrt durch den "Polnischen Korridor", als nach dem Versailler Vertrag Ostpreußen vom Reichsgebiet abgeschnitten war? Ich selber habe es noch erlebt, wie die Türen verschlossen, die Fenster verhängt wurden und man nur heimlich durch einen Spalt auf unser westpreußisches Land blicken konnte. Meine Erinnerungen reichen allerdings nicht, um Herrn Rainer Claaßen zu helfen, der die Federführung für ein demnächst im Verlag "Zeit und Eisenbahn" erscheinendes Buch "Eisenbahnverkehr durch den Polnischen Korridor" übernommen hat. Für dieses dokumentarische Werk benötigt Herr Claaßen Fotos und Zeitzeugenberichte von Reisenden durch den Korridor, beziehungsweise von und nach Danzig, Situationen auf den Bahnhöfen, Vorfälle beim Zoll, Kontrollen und ähnliches. Herr Claaßen hat bereits durch Anzeigen in unserer Zeitung einiges Material erhalten, wird diese auch wiederholen, bat mich aber um zusätzliche Unterstützung durch unsere Ostpreußische Familie. Was ich hiermit gerne erfülle. Es genügt, wenn Herr Claaßen eine kurze Benachrichtigung als Karte oder Anruf erhält, er meldet sich dann umgehend. (Rainer Claaßen, Birkenweg 3 in 97618 Wülfershausen / Saale, Telefon 0 97 62 / 4 31.)

Ja, und dann übermittelt er noch den Suchwunsch eines Kollegen. Herr Roland Mayer ist Lokführer in Crailsheim. Seine Vorfahren mütterlicherseits stammen aus dem pommerschen Kallies, sein Großvater war dort Lokführer. Er nahm seinen Schwiegersohn, also den Vater von Roland Mayer, manchmal auf der Lok mit und zeigte ihm, wie man eine solche bediente. Das sollte dem Schwiegersohn bei Kriegsende das Leben retten. Und nicht nur ihm, sondern auch etwa zehn bis 15 weiteren Soldaten. Dieser Mann, gelernter Metzger und nachmaliger Bosch-Mitarbeiter Fritz Mayer, * 30. Juni 1917, war um die Jahreswende 1944/45 Feldwebel beim Luftwaffenregiment "Hermann Göring" und als Schirrmeister im Kraftfahrzeugbereich eingesetzt. Das Regiment muß sich damals in Ostpreußen aufgehalten haben, denn Roland Mayer meint, sein Vater habe erzählt, es sei von der Bevölkerung fast niemand mehr dagewesen, als er mit ein paar versprengten Soldaten auf der Flucht vor den Russen auf eine stehengelassene, noch rauchende Lokomotive stieß. Da er glaubte, das Ding fahren zu können, stiegen alle Mann auf die Maschine, die der Feldwebel auch wirklich in Gang bringen konnte. Allerdings kamen sie nur etwa zwölf Kilometer weit - wahrscheinlich war der Kessel leer, und die Männer hatten Glück, daß ihnen das Monstrum nicht um die Ohren flog -, und sie mußten zu Fuß weiter, aber sie hatten doch einen so großen Vorsprung, daß sie den Russen entkamen. Roland Mayer kann seinen Vater nicht mehr fragen, denn der später bei der Landespolizei in Crailsheim Beschäftigte verstarb 1990, aber er schließt sich gerne der Hoffnung von Herrn Claaßen an, daß sich jemand von unseren Lesern an diese Episode erinnert. Vielleicht aus Aufzeichnungen oder Erzählungen der damals Beteiligten oder sogar aus eigenem Erleben, denn solch ein Erlebnis ist so gravierend, daß es auch im hohen Alter unvergessen bleibt. Wie gesagt: Irgendwo in Ostpreußen muß es gewesen sein. Zuschriften bitte an die oben angegebene Anschrift von Rainer Claaßen.

Manchmal denke ich, daß Neuleser oder solche, die uns nur vom Hörensagen kennen, glauben, daß wir sämtliche ostpreußischen Sippen bis zu den Urahnen gespeichert hätten und stante pede mitteilen könnten, daß die bis dahin noch datenlose Urururgroßmutter am soundsovielten wo (?) geboren wurde, samt Namen der Eltern und Geschwister, daß sie am (?) geheiratet hatte, soundsoviel Kinder bekam (mit sämtlichen Namen) und am (?) wo (?) verstorben ist. Es wäre schön, wenn wir das könnten, aber dann wären wir ein Amt oder ein Archiv, jedenfalls eine auf solche Fragen spezialisierte Institution, aber keine "Ostpreußische Familie", die nur Übermittlerin von Fragen und Wünschen, die wir nicht selber erfüllen können, sein kann. Deshalb bitte keine seitenlangen Ahnenlisten mit jeder Menge Fragezeichen zusenden, sondern nur gezielte Einzelfragen, die eventuell von unseren Leserinnen und Lesern beantwortet werden können.

So wie die von Gisela Keuchel aus Eberswalde. Sie schreibt: "Ich betreibe ein wenig Ahnenforschung und würde mich freuen, Nachfahren der Geschwister meines Großvaters kennenzulernen." Wobei es fast noch wichtiger ist, daß ihr 1920 geborener Vater endlich seine Verwandten wie Cousins und Cousinen findet. Da die Familie durch den Krieg auseinandergerissen wurde, gab es bisher keinen Kontakt zu Verwandten aus der väterlichen Linie. Frau Keuchels Großvater Bernhard Keuchel, * 9. April 1892, stammte aus Neu-Garschen. Er heiratete 1922 Maria Guski. Seine Eltern waren Martin Keichel (oder Keuchel) und Anna geborene Fahrin. Über ihre anderen Kinder ist so gut wie nichts bekannt. Großvater Bernhard starb 1943 in Stutthof. "Ich würde mich freuen, wenn mir die Ostpreußische Familie helfen könnte", beendet Gisela Keuchel ihr Schreiben. Die ersten Schritte haben wir hiermit getan, hoffentlich zum Erfolg. (Gisela Keuchel, Schweizer Straße 10 in 16225 Eberswalde, Telefon 0 33 34 / 28 02 17, E-Mail: keuchel55@yahoo.de .)

Was wir auch nicht können: Überlebende von militärischen Einheiten namentlich nennen, wie Karl-Heinz Riedasch meint, der unsere Anschrift über eine Leserin bekam - wir können aber nach diesen suchen. Was wir im Fall von Herrn Riedasch auch gerne tun werden, da er sich seit 30 Jahren bei den dafür in Frage kommenden Stellen wie DRK, WASt und Kirchlicher Suchdienst bemüht hat - leider ohne Erfolg. So sind wir also wieder mal die letzte Hoffnung.

Die Daten stehen fest: Reinhard Riedasch, * 25. November 1906 in Gerterode, war am 31. Dezember 1944 Angehöriger der Einheit Regimentsstab / Grenadierregiment 273, das zur 93. Infanteriedivision gehörte, Feldpostnummer 04541. Diese wurde am 12. Februar 1945 von Kurland in das Samland verlegt und dort im Raum Thierenberg in heftige Gefechte verwickelt. Der letzte Brief von Reinhard Riedasch stammt vom 22. Februar 1945. Es ist anzunehmen, daß er dort bei den Kämpfen um Königsberg gefallen ist. Ich werde seinem Sohn raten, sich an das Suchreferat Moskau der Liga für Deutsch-Russische Freundschaft zu wenden, wo festgestellt werden kann, ob in den Archiven Unterlagen über Tod oder Gefangenschaft des Vermißten vorliegen. Da die Erkennungsmarke bekannt ist (277. Ers. Btl. Ostland) dürfte ein Bescheid, ob positiv oder negativ, nicht zu lange dauern. (Postanschrift der Liga: Maroseika-Straße 7 / 8-27, A / Nr. 190, in 101 000 Moskau, Rußland, Fax 0 07 / 0 95 / 2 06 / 84 67, E-Mail: suchreferat.moskau@telsycom.ru .) Für uns geht es zuerst einmal um den Wunsch von Herrn Riedasch, mit ehemaligen Kameraden seines Vaters oder Zeitzeugen der damaligen Kämpfe Verbindung zu bekommen. (Karl-Heinz Riedasch, Gerteröderstraße 20 in 36251 Ludwigsau / Tann, Telefon / Fax 0 66 21 / 1 59 55.)

Einen nie gekannten Vetter hat auch Brigitte Schniete, und sie weiß auch nicht, ob und wo er lebt. Als er geboren wurde, war sie noch ein Kind, hieß Brigitte Pillich und lebte mit ihrer Familie in Osterwitt, Kreis Osterode. Ihre Tante Charlotte Krause geborene Pillich, Schwester ihres Vaters, war mit Fritz Krause verheiratet und wohnte in der Kreisstadt. Der Ehemann war bei der Wehrmacht, als seine Frau 1943 oder 1944 einen Sohn gebar und bei der Geburt verstarb. Frau Schniete weiß nicht einmal, wie ihr Vetter heißt, aber sie wünscht sich so sehr, ihn kennenzulernen, wenn er noch lebt, oder jedenfalls etwas über ihn und sein Schicksal zu erfahren. Deshalb würde sie sich freuen, wenn es noch Osteroder gibt, die diese junge Familie Krause kannten und vielleicht wissen, wohin das Neugeborene kam, wer es aufzog, ob der Vater Fritz Krause den Krieg überstanden hat oder ob aus dem Jungen ein Waisenkind wurde. (Brigitte Schniete, Harsebütteler Straße 4 in 38179 Schwülpe.)

Unsere Erfolge machen Mut, das merke ich an den vielen neuen Suchfragen, in die sich nun auch Margarete Jodeit geborene Kabbeck mit ihrem Wunsch einreiht. Sie sucht ihre Freundin Gerda Zimmermann geborene Roß, mit der sie in Powangen bei Laukischken zur Schule ging. Zwar wurden die Mädchen früh getrennt, als die Familie Kabbeck 1937 nach Poßritten verzog, aber die Freundschaft blieb bestehen. Als Margarete 1942 heiratete, war Gerda natürlich Hochzeitsgast. Auch als diese nach ihrer Hochzeit mit Heinz Zimmermann in den Kreis Wehlau verzog, hat Margarete die Freundin oft besucht "Ich weiß nicht, wie der Ort hieß", schreibt Frau Jodeit, "Gerda hat mich immer mit einem Kahn übergesetzt. Gemeinsam sind wir zum Blaubeerpflücken gegangen." Nach der Vertreibung wohnte Margarete Jodeit 45 Jahre lang in der DDR und hatte keine Verbindung zu Gerda oder deren Schwestern Elsa und Grete, von denen die letztere auch in Mitteldeutschland, in Zeitz, gelebt haben soll. Elsa soll in oder bei Hamburg wohnen. Nun hofft Frau Jodeit über eine dieser Schwestern oder deren Angehörige etwas über Gerda Zimmermann zu erfahren, und ich glaube, diese Hoffnung ist berechtigt. (Margarete Jodeit, Große Gasse 8 in 67069 Ludwigshafen, Telefon 06 21 / 6 29 52 01.)

Hier muß ich passen: J. Schorowski weiß von einem "Sippenbuch für Ostpreußen", das in Bremen liegen soll. Aber in welcher Bibliothek? Ich weiß es nicht, wer weiß es besser? (J. Schorowski, Bohnackerum 2 in 25938 Midlum / Föhr, Fax 0 46 81 / 42 69.)

"Ich bin eine geborene Jeckstadt aus Hainau, Kreis Ebenrode." schreibt Frau Eva Brulz. Aber als sie dort am 17. Juli 1928 geboren wurde, hieß der Ort noch Schilleningken, Kreis Stallupönen. (Ich erwähne immer die alten Namen, da sich einige ältere Leserinnen und Leser gerne nach diesen orientieren.) Ihr Vater war der Zimmermann Otto Jeckstadt, er arbeitete vorwiegend mit dem Baugeschäft Fernitz in Ebenrode zusammen. Eva war befreundet mit der gleichaltrigen Liesbeth Paulat, Tochter des Schmiedes Franz Paulat. Durch die Flucht Ende 1944 verloren sich die Freundinnen aus den Augen, denn Liesbeth lebte damals bei ihren Großeltern in Scharnen. Den Wunsch, ihre Freundin wiederzufinden, hat Eva Brulz immer gehegt. Schade, daß sie sich nicht früher an unsere Ostpreußische Familie gewandt hat, aber vielleicht findet sich doch noch eine Spur, die zu Liesbeth Paulat, oder wie sie jetzt auch heißen mag, führt. (Eva Brulz, Am Farrenberg 5, OT Reisensburg, in 89312 Günzburg / Do.)

Mit Familienforschung befaßt sich Herr Eckart Mosenthin und ist dabei bis in das 16. Jahrhundert vorgedrungen, was seine aus dem Gebiet um Gardelegen stammende Sippe betrifft. Aber Spuren führen auch nach Ostpreußen, denn Träger dieses Namens haben im Raum Tilsit gelebt, so ein Forstmeister Mosenthin, wie der Schreiber herausgefunden hat. Er würde sich sehr freuen, wenn sich Träger dieses Namens oder Nachkommen der ostpreußischen Mosenthins bei ihm melden. (Eckart Mosenthin, Travestraße 37 in 22851 Norderstedt.)

Und nun noch ein Frage, die wieder dieses furchtbare Geschehen in der Heimat vor 60 Jahren lebendig werden läßt. Frau Margarete Malchow geborene Walterkewitz hat eben nicht vergessen, wie ihre Mutter am 11. November 1945 von den Russen erschossen wurde. Das war in Landsberg, Kreis Pr. Eylau. "Wir sind von Halbendorf gekommen, bei der katholischen Kirche rechts runtergegangen und wurden in einer Straße (Töpferstraße?) von einer älteren Frau aufgenommen. Es war eine Schlosserei oder Schmiede. Dort waren wir zwei Tage, dann kamen in das obere Stockwerk, wo wir mit zehn Personen in einem Schlafzimmer lebten, zwei Russen und forderten die jungen Frauen auf, mit ihnen zu gehen. Die weigerten sich, und so wurden die vier Frauen erschossen. Wir Überlebenden mußten noch am selben Tag raus und kamen in das gegenüberliegende Pfarrhaus. Am nächsten Tag ging mein Vater mit meiner Schwester noch einmal hinüber, da waren die Toten alle fort. Wer hat sie weggebracht und wohin? Kann sich jemand von den Landsbergern noch daran erinnern?" Frau Malchow fährt in diesem Jahr in die Heimat und würde gerne Blumen auf das Grab ihrer Mutter legen. (Margarete Malchow, Neustrelitzerstraße 14 in 18109 Rostock, Telefon 03 81 / 71 79 10.)

Eure Ruth Geede


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