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16.04.05 / Interessante Anstöße / Domkapitel des Deutschen Ordens

© Preußische Allgemeine Zeitung / 16. April 2005

Interessante Anstöße
Domkapitel des Deutschen Ordens

Mit Unterstützung der Historischen Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung und der Stiftung Nordostdeutsches Kulturwerk für die Stiftung Ostpreußen erschien als Beiheft 17 der Zeitschrift für die Geschichte und Altertumskunde Ermlands "Die Domkapitel des Deutschen Ordens in Preußen und Livland". Der naturgemäß oft sehr ins Detail gehende Band vermittelt ein Stück wichtiger mittelalterlicher Landes- und Kirchengeschichte, waren doch die untersuchten Domkapitel von Kulm, Samland, Pomesanien, Kurland und Riga Träger landesherrlicher Gewalt und über weite Strecken Priesterbrüderkonvente des Deutschen Ordens. So lag es nahe, sich auch bei der Verwaltung den Gepflogenheiten des Ordens anzugleichen.

Neben aktuellen Forschungsbeiträgen und einer Übersicht zum Stand der preußischen und livländischen Domkapitelforschung werden hier erstmals zwei ältere Königsberger Dissertationen veröffentlicht: Die "Studien über die Verwaltungsorganisation des Bis-tums Samland im Mittelalter" von Heinz Schlegelberger konnten 1922 wegen der Inflation nicht erscheinen, die Fertigstellung der Arbeit von Erwin Hertwich "Das Kurländische Domkapitel bis 1561. Untersuchungen über die persönliche Zusammensetzung des Kapitels hinsichtlich der Herkunft und Laufbahn seiner Bischöfe und Domherren" fiel in die Kriegswirren des Jahres 1943.

Die Herausgeber sind auch selbst Autoren. Radoslaw Biskup, 1976 in Malbork / Marienburg geboren, Doktorand in Thorn, schreibt über "Preußische und livländische Domkapitel im Mittelalter - Forschungsstand und Perspektiven" und bearbeitete die Dissertation von Heinz Schlegelberger. Mario Glauert, geb. 1969 in Berlin, ist Wissenschaftlicher Archivar am Brandenburgischen Landeshauptarchiv Potsdam, Stellvertretender Vorsitzender des Historischen Vereins für Ermland und Mitherausgeber der Beiträge zur Geschichte Westpreußens und der Zeitschrift für die Geschichte und Altertumskunde Ermlands. Er schrieb über das "Domkapitel von Pomesanien 1284-1527", die "Bindung des Domkapitels von Riga an die Regel des Deutschen Ordens" und bearbeitete die Dissertation von Erwin Hertwich.

Gerade bei Hertwich gibt es für Kurland zahlreiche Tabellen mit Namen, Amtszeit, erster und letzter urkundlicher Erwähnung und vorheriger Tätigkeit der einzelnen Mitglieder der Kapitel.

Am Beispiel Pomesaniens hält Glauert fest, daß der Deutsche Orden seine Priesterbrüder im Gegensatz zu den Rittern wohl vornehmlich aus dem einheimischen Klerus des Ordenslandes rekrutierte.

Die Herausgeber und Autoren müssen auf Grund mangelnder Quellenlage manche Fragen offen lassen und hoffen, Anstöße für weitere Forschungen gegeben zu haben. Es ist erstaunlich, wieviel überhaupt entdeckt und aufgearbeitet werden konnte. Weitere Aufschlüsse könnte ihrer Meinung nach auch ein Vergleich mit den besser dokumentierten Verhältnissen im Bistum Ermland bringen, dessen Domkapitel als einziges in Preußen nicht an die Regeln des Deutschen Ordens gebunden war.

Unverständlich ist allerdings, warum der sorgfältig redigierte Band nicht wenigstens eine Karte enthält. Norbert Matern

Radoslaw Biskup / Mario Glauert (Hrsg.): "Die Domkapitel des Deutschen Ordens in Preußen und Livland", Aschendorff Verlag, Münster 2004, kartoniert, 318 Seiten, 19,80 Euro


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