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23.04.05 / Ein "Bilderbuch-Preuße" aus Sachsen / Zum 80. Geburtstag

© Preußische Allgemeine Zeitung / 23. April 2005

Ein "Bilderbuch-Preuße" aus Sachsen
Zum 80. Geburtstag von Ehrhardt Bödecker 
von Hans-Jürgen Mahlitz

Das Brandenburg-Preußen-Museum im märkischen Wustrau blieb am Donnerstag geschlossen - gehört eine solche Meldung nicht eher auf die hinteren Seiten einer Lokalzeitung? Nein, aus zwei Gründen gehört sie auf die Seite 3, die "Preußen-Seite", der PAZ. Erstens, weil ein preußisches Museum nicht mal so einfach geschlossen bleibt; das ist schon etwas ganz Besonderes, der Erwähnung wertes. Und zweitens, weil es einen ganz besonderen Anlaß gab: Der Initiator, Investor und Inhaber feierte runden Geburtstag. Vor fünf Jahren hatte er sich dieses Museum sozusagen selbst zum 75. Geburtstag geschenkt - wo anders als in diesen geschichtsträchtigen Mauern hätte er jetzt den 80. feiern sollen?

Am 21. April 1925 war Ehrhardt Bödecker in Zwickau zur Welt gekommen. Acht Jahre später siedelten die Eltern nach Berlin um. Als 18jähriger ging es direkt von der Schulbank an die Front. Nach dem Krieg studierte er Jura, Wirtschaft und Geschichte, erst an der Humboldt-Universität, dann als einer der ersten Studenten an der FU.

Nach Examen und weiteren Studien in den USA war Bödecker als Richter und Anwalt tätig, bis er in die Wirtschaft wechselte und 1960 Leitungsaufgaben in einer Privatbank übernahm. 1966 trat er die Nachfolge des verstorbenen Inhabers Hans Weber an und schaffte es in den folgenden drei Jahrzehnten, das Bilanzvolumen von 20 Millionen auf 15 Milliarden D-Mark zu steigern, eine schier unglaubliche Leistung. Mit 70 ging er in den wohlverdienten Ruhestand, der aber eher zum Unruhestand geriet: Bald sah man ihn als engagiertes Mitglied der Preußischen Historischen Kommission zu Berlin oder der Arbeitsgemeinschaft zur Preußischen Geschichte in Mannheim. Zudem schrieb er ein bemerkenswertes Buch mit dem Titel "Die europäische Tragödie" (dem inzwischen "Preußen und die Wurzeln des Erfolgs" folgte) und fand auch noch Zeit, sich seiner wahren Leidenschaft zu widmen: dem Bau eines Museums, in dem die Geschichte Preußens wahrheitsgemäß dargestellt wird. Für den gebürtigen Sachsen, der längst zum "Bilderbuch-Preußen" geworden war, bedeutet wahrheitsgemäß: nicht auf billige Weise schöngeredet, aber eben auch nicht einseitig-böswillig zum Quell allen Übels dieser Welt herabgewürdigt.

Im Jahre 2000 konnte er nach jahrelangen Vorbereitungen "sein" Brandenburg-Preußen-Museum in Wustrau, der Heimat des preußischen Generals von Zieten, eröffnen. Dafür hat er sieben Millionen D-Mark private Mittel investiert, viele wertvolle Sammelstücke eingebracht - und bis heute bringt er immer wieder sich selber ein. So erleben es viele Besucher, daß sie von einem freundlichen älteren Herrn durch das Museum geführt werden und am Ende erfahren: Das war kein pensonierter Geschichtslehrer, der sich ein paar Euro hinzuverdient, sondern der Chef höchstpersönlich. Die Haltung, aus der solches Engagement entspringt, ist für mich einfach "typisch preußisch" - wie eigentlich alles an Ehrhardt Bödecker.

Jubilar: Ehrhardt Bödecker Foto: privat


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