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23.04.05 / Gegen alle Konventionen / Breslauer Jüdin bricht für ihre große Liebe mit ihrer Familie

© Preußische Allgemeine Zeitung / 23. April 2005

Gegen alle Konventionen
Breslauer Jüdin bricht für ihre große Liebe mit ihrer Familie

Der Roman "Hübschels Tochter" erzählt von Bellas Leben. Sie ist die erstgeborenen Tochter des erfolgreichen jüdischen Industriellen Hübschel. Wohlbehüttet und ganz konservativ, ihrer Religion entsprechend, wächst sie im Breslau des 19. Jahrhunderts auf. Ihre Eltern erziehen sie zu einem braven und peinlichst auf Manieren achtenden Fräulein. Man schickt sie sogar auf ein Höheres Töchterinstitut für Israelische Mädchen, all das um sie auf ein Leben, das aus Heirat, Ehe und Kindern besteht, vorzubereiten. Kurz nach dem Abschluß der Ausbildung steht für die Eltern der passende Gatte fest, und noch bevor Bella sich für das andere Geschlecht zu interessieren beginnt, wird sie verheiratet. Simon Finkelstein, ein reicher Berliner Fabrikant, wurde für sie auserkoren.

Das Geld und Ansehen verhelfen ihr allerdings nicht dazu, glücklich zu sein, denn ihr Mann bleibt ihr gefühlsmässig für immer verschlossen. Schon nach kurzer Zeit leben die beiden nicht mehr unter einem Dach. Während Bella noch den Schein einer gutfunktionierenden Ehe zu wahren versucht, geht ihr Gatte ganz offen mit seinen Frauengeschichten um. Gedemütigt durch sein Fremdgehen traut sie sich bald nicht mehr aus dem schönen, prunkvollen Haus und verfällt immer mehr einer tiefen Traurigkeit in dem Glauben, einsam und verlassen ihr Leben verbringen zu müssen. Bis sie eines Tages dem Adligen George von Räckwitz begegnet.

Die Liebe zu ihm stellt sie vor die schwierigste Entscheidung ihres Lebens: sich den Konventionen zu beugen und weiterhin einsam ihr trostloses Dasein zu fristen oder die Regeln zu brechen und ihr Glück zu leben. Sie entscheidet sich für den steinigen Weg und kämpft um ihre Liebe. Bella läßt sich von ihrem Mann scheiden und tritt, um George heiraten zu können, zum christlichen Glauben über, wohlwissend, das ihr Verhalten zum Bruch mit ihrer Familie führen wird.

Aber auch ihr neues Leben, das von ihrer Liebe, Reisen und Abendteuern erfüllt ist, hat noch so einiges an Schicksalsschlägen für sie zu bieten.

Das Buch schildert die Geschichte einer mutigen Frau, die nicht nur als Jüdin, sondern auch als Frau die gesellschaftlichen Grenzen überschreitet und entschlossen und selbstbewußt ihrem Leben eine Wendung gibt. Der Antrieb dazu ist ihre große Liebe ...

Der Autor Carlo Karrenbauer besitzt die Gabe, dem Leser in eingängiger Sprache die problematische Leidenschaft der beider Hauptfiguren zu erzählen und durch sein fundiertes Hintergrundwissen über die damalige Epoche und die jüdischen Gebräuche und Sitten hat der Leser wirklich das Gefühl, in diese Welt einzutauchen.

Es ist zwar keine Lektüre, die unser Leben sprichwörtlich verändern wird, aber durchaus eines von den Büchern, die man einfach nicht aus der Hand legen kann. Eben schön. Anna Gaul

Carlo Karrenbauer: "Hübschels Tochter", Langen-Müller, München 2005, geb., 416 Seiten, 19,90 Euro


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