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23.04.05 / Medienrückblick

© Preußische Allgemeine Zeitung / 23. April 2005

Schlechte Zeiten für Frauen / Erst Heide S., dann Monika H.
Medienrückblick von Hans-Jürgen Mahlitz

Dieter Hildebrandt, dem Urgestein des linken deutschen Kabaretts, wären beinahe die Tränen gekommen, als er bei "Titel, Thesen, Temperamente" seinen satirischen Nachruf auf die Strauß-Dynastie, die sich soeben aus der bayerischen und deutschen Politik verabschiedet hatte, zu Gehör brachte: Der FJS, der sei ja noch, wie man südlich des Weißwurst-Äquators zu sagen pflegt, "a Hund" gewesen, Tochter Monika hingegen "nicht mal ein Kätzchen". Die Formulierung des einst so scharfzüngigen Hildebrandt war noch das Harmloseste und Netteste, was die Medien der gescheiterten Kulturministerin Hohlmeier auf dem unfreiwilligen Weg in den vorzeitigen Ruhestand nachwarfen. Für sie stand - auch ohne rechtswirksames Ergebnis des parlamentarischen Untersuchungsausschusses oder gar eines ordentlichen Gerichtsverfahrens - längst das Urteil fest: Die Straußtochter war die Drahtzieherin bei allerlei innerparteilichen Wahlmanipulationen, hat Parlament und Öffentlichkeit angelogen und mußte schleunigst von der politischen Bühne verschwinden.

Immer mehr Indizien sprachen in der Tat dafür, daß der Verdacht gegen Monika Hohlmeier wohl doch nicht so frei erfunden war, wie sie selber bis zuletzt beteuerte. Sie hat immer nur das zugegeben, was nicht mehr zu leugnen war, hatte offensichtlich auch kein Gespür dafür, daß sie für die bayerische Staatsregierung - und damit auch für Ministerpräsident Edmund Stoiber persönlich - zunehmend zur Belastung wurde. Spät, vielleicht zu spät hat sie die Konsequenz gezogen, das Wohl des Landes, was in Bayern mehrheitlich als gleichbedeutend gilt mit dem Wohl der CSU, über die eigene Karriere zu stellen.

Leichtes Spiel also für Blätter wie die Süddeutsche Zeitung, die noch nie im Verdacht stand, politische Vorstellungen à la Strauß sen. und jun. mit klammheimlicher Sympathie zu begleiten. Süffisant zeichnet das Blatt über mehrere Seiten das Bild einer tiefschwarzen Bananenrepublik, beherrscht von finsteren Mächten, die vor allem eines gemeinsam haben: das Parteibuch der CSU. Erkennbare Absicht: den allzu erfolgreichen Ministerpräsidenten mit Andeutungen, Verweisungen auf "verdächtige" Beziehungen und Zusammenhänge sowie raffinierter Bildauswahl irgendwie in das Affärengestrüpp Strauß / Hohlmeier hineinzuziehen, nach dem bewährten Motto "Es wird schon was hängenbleiben".

Letztlich muß man dem linken Kabarettisten Dieter Hildebrandt sogar Recht geben: Franz-Josef Strauß hatte ein solches Maß an herausragenden Leistungen aufzuweisen, daß man ihm die eine oder andere Schwäche verzeihen konnte: Bei Monika Hohlmeier und ihren Brüdern hingegen hat es im Vergleich zu ihrem Vater gerade mal zum Mittelmaß gereicht - sie bleiben uns vornehmlich negativ in Erinnerung. Und sie haben es jenen, die den Strauß-Clan schlagen, aber Stoiber treffen wollen, allzu leicht gemacht. Von ihnen wird nie jamand sagen: A Hund war er / sie scho...

Mit innerparteilichen Querelen hat nicht nur die CSU zu tun, sondern auch die SPD. Kaum hatte Parteichef Franz Müntefering sich als antikapitalistischer Alt-Linker offenbart, da meldete sich der "Linke vom Dienst" zu Wort. Via Bild ließ Oskar Lafontaine verlauten: "Wenn er den Finanzhaien vorwirft, sie sorgten sich nicht um die Menschen, deren Arbeitsplätze sie vernichten, spricht er vielen Sozialdemokraten aus dem Herzen - auch mir. Wenn er dem Chef der Deutschen Bank vorhält, wer Milliarden Gewinne macht und die Entlassung von 6.400 Menschen ankündigt, zerstöre das Vertrauen in die Demokratie, dann ist ihm der Applaus der Linken sicher. Aber er vergißt, sich an die eigene Brust zu klopfen. Auch Schröder und Müntefering haben Vertrauen verspielt, weil sie Großunternehmen viele Milliarden Euro geschenkt und gleichzeitig Arbeitslosen und Rentnern in die Taschen gegriffen haben. Nicht Worte zählen, sondern Taten".

Soweit der eloquente Saarländer, der sich hier wieder einmal geschickt die Punkte herausklaubte, bei denen er breitester Zustimmung sicher sein kann - auch über den Kreis der Genossen hinaus (siehe auch Beitrag auf Seite 2).

Der Machtwechsel in Kiel, der in wenigen Tagen mit der Wahl Harry Peter Carstensens zum Regierungschef besiegelt werden soll, hat auch in den Medien mancherlei Emotionen freigesetzt. Die auf peinlichste Weise davongejagte Heide Simonis machte in der Zeit ihre Version vom "feigen Mord an der Förde" publik: "Ich glaube, es ist ein Mann gewesen, der das kühl und seit langem geplant hat."

Genau Gegenteiliges über den angeblichen "Verräter" erfahren wir aus der Frankfurter Neuen Presse: Dem Abgeordneten, der in Kiel "mit eindrucksvoller Standhaftigkeit der unappetitlichen Machtgier der heuchlerischen Ministerpräsidentin" ein Ende setzte, bescheinigt der erfolgreiche Theaterintendant und Regisseur Prof. Peter Eschberg "eine bewundernswerte Charakterleistung gegen alle Anfechtungen, gegen den verkommenen Klüngel, der eine abgewirtschaftete Politikerin aus Machtkalkül, ohne ehrliche Mehrheit an der Macht halten will, unbeirrbar an demokratischem Recht festzuhalten und einen Wählerbetrug zu verhindern."

Und auch zur Bundesregierung fällt dem temperamentvollen Theatermann durchaus Deftiges ein: "Wir haben einen Kanzler, der mit unvorstellbarem Zynismus über sein Versagen hinweggeht. An der Arbeitslosenzahl wollte er sich messen lassen. Daß die Schulden unseres Landes eine nie gekannte, unseren Staat zerstörende Größenordnung angenommen haben, hat mit seiner unbrauchbaren und sozial zynischen Politik zu tun ... Wir haben unter der amtierenden Bundesregierung so viel Lüge, Täuschung und Unfähigkeit erlebt, daß der demokratische Wechsel die einzige Lösung zu sein scheint." Dies übrigens, so meint nicht nur Peter Eschberg, außer in Kiel auch in Düsseldorf und Berlin.

Hans Heckel macht zur Zeit Urlaub, fernab von den Aufgeregtheiten deutscher und internationaler Politik. Daher erscheint statt seines an dieser Stelle gewohnten politischen Wochenrückblicks ein Blick zurück in die Medien - manchmal, aber nicht immer im Zorn.

"... einen letzten Trick - eine letzte Finte!" Zeichnung: Götz Wiedenroth


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