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11.06.05 / Die ostpreußische Familie / Leser helfen Lesern

© Preußische Allgemeine Zeitung / 11. Juni 2005

Die ostpreußische Familie
Leser helfen Lesern
von Ruth Geede

Lewe Landslied und Familienfreunde,

mit dem jungen Sommer wächst die Reiselust, und sie führt so manchen aus unserm Leserkreis in die Heimat. Nun ist Ostpreußen nicht die Geburtsstätte unseres Lesers Maximilian Raddatz, der von sich selber sagt, er sei "nur" ein echter Preuße, der seine Farben kennt, (lieber Herr Raddatz, das "nur" wollen wir ganz schnell streichen!), aber er möchte die gravierendsten Stätten seiner Lebensgeschichte aufsuchen, und dazu gehört auch Ostpreußen. Genauer: Schippenbeil! Dorthin kam der zum Reichsarbeitsdienst (RAD) Einberufene Anfang des Kriegsjahres 1944. Das Barackenlager 4/16 lag seiner Erinnerung nach etwa einen Kilometer von der Stadt entfernt an einer Bahnlinie. Während seiner Dienstzeit heiratete der Abteilungsleiter, ein Oberfeldmeister, eine Großbauerntochter aus der Umgebung. Den Namen hat Herr Raddatz vergessen, nicht aber den von Unterfeldmeister Siebeneichler, der aus dem Sudetenland stammte, und den von Oberzugführer Blaschek. Die Kameraden kamen aus Berlin sowie aus dem nördlichen Ostpreußen (Tilsit, Ragnit, Memel). Maximilian Raddatz wurde dann kurzfristig mit Sonderbefehl nach Osten abgestellt, kehrte aber nach Monaten noch einmal nach Schippenbeil zur Entlassung zurück. Von seinem einzigen Andenken an diese Zeit - einem Freundschaftsring mit Gravur, den er in einem Geschäft am Marktplatz erstanden hatte - wurde er im Frühjahr 1945 in der Kriegsgefangenschaft "befreit"! Aber die Erinnerung ist bis heute geblieben, und sie wird ihn auf seiner Reise in die Vergangenheit begleiten, für die er unsere Leser um Beratung bittet. Seine Fragen: Wer erinnert sich an das RAD-Lager 4/16 Schippenbeil und war dort Arbeitsmann? Wer weiß etwas über die damaligen Dienstgrade und ihren Verbleib? Was wurde aus der Baracke nach 1945? Was ist heute auf einer Reise nach Schippenbeil zu beachten? Für freundliche und sachkundige Auskünfte wäre der Fragesteller dankbar. (Maximilian Raddatz, Paarmannstraße 76 in 15732 Schulzendorf, Telefon 03 37 62 / 9 15 83.)

Noch immer ist unser Landsmann Helmut Böhnke auf der Suche nach seinen Verwandten, und das seit seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft! Nie hat sich etwas ergeben, und deshalb bittet er uns um einen letzten Versuch, denn Herr Böhnke ist nun 88 Jahre alt! Schwierig sind seine Fragen nicht nur deshalb, sondern auch durch einen früheren Familienstreit. Aber lassen wir ihn selber erzählen: "Mein Großvater Gottlieb Böhnke, * 1829, verkaufte nach Auseinandersetzungen mit Nachbarn seinen Hof in Rositten, Kreis Pr. Eylau, und erwarb ein Abbaugrundstück in Bekarten. Dorthin zog er um die Jahrhundertwende mit seiner zweiten Frau und sechs Söhnen. Nach seiner Erblindung übergab er den Hof an meinen Vater Franz Böhnke. Er verstarb hochbetagt 1917. In dem Jahr wurde ich geboren. Meinen Vater habe ich bewußt nicht erlebt, denn bereits 1918 verstarb er in einem Königsberger Lazarett. Meine Mutter heiratete noch einmal, und mein Stiefvater verbot meiner drei Jahre älteren Schwester Elfriede und mir den Verkehr mit meinen Onkeln, den Brüdern meines Vaters. Fritz war Schriftführer bei einem Geheimrat in Allenstein, Gustav Beschlagschmied beim Militär in Insterburg, Emil und Otto arbeiteten bei der Bahn in Königsberg. Der Jüngste, Albert, war Inspektor auf Gut Können, heiratete später auf einen Hof im Kreis Wehlau. Nach Aussagen meiner Mutter ist er erst spät auf die Flucht gegangen. Alle meine Versuche, etwas über diese Gebrüder Böhnke und ihr Schicksal

zu erfahren, waren vergeblich." Herr Böhnke weiß nicht einmal, ob es Nachkommen gibt. Wenn ja, bittet er sie, sich zu melden. Vielleicht können auch ehemalige Nachbarn und Freunde etwas aussagen. Auch über das Schicksal seiner Schwester Elfriede Bokühn konnte er nie etwas Endgültiges erfahren. Sie meldete sich Anfang 1945 aus Danzig, wo sie mit ihren Kindern Helga und Erhard auf ein Schiff wollte. Sie soll aber irgendwo in Pommern an Typhus verstorben sein. Ob das stimmt, was aus den Kindern geworden ist - ihr Bruder lebt noch immer im Ungewissen. (Helmut Böhnke, Hinter der Bahn 65 in 21439 Marxen, Telefon 0 41 85 / 49 92.)

Eure Ruth Geede


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