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18.06.05 / Ist Österreich wirklich Spitze? / Gedanken über die "Vielschichtigkeit" deutscher Medienberichte

© Preußische Allgemeine Zeitung / 18. Juni 2005

Ist Österreich wirklich Spitze?
Gedanken über die "Vielschichtigkeit" deutscher Medienberichte
von R. G. Kerschhofer

"Der Vergleich mit anderen Ländern ist heute ein Ausdruck von Nationalmasochismus."

Wenn man als Österreicher die deutschen Medien aufmerksam verfolgt, fallen einem in jüngerer Zeit Beiträge mit der Kernaussage auf, daß in Österreich alles besser sei. Oder besser ist, wenn man den Wirtschaftskennzahlen trauen darf. Sehr illustrativ war etwa eine Dokumentation über deutsche Gastarbeiter in Österreich. Und bisheriger Höhepunkt war wohl die Titelseite des Stern vom 9. Juni: "Warum Österreich Spitze ist" und "Was können die, was wir Deutschen nicht können?" Selbst der österreichische Normalverbraucher kriegt neuerdings einiges davon mit, denn heimische Medien haben die deutschen Berichte entdeckt und zitieren sie.

Man fühlt sich natürlich geschmeichelt, wenn das eigene Land gelobt wird. Doch im konkreten Fall muß man gemischte Gefühle haben - sehr gemischte, weil die Sache eben recht "vielschichtig" ist. Da wäre zunächst der rein ökonomische Aspekt: Wenn jenes Land Probleme hat, das der wichtigste Absatzmarkt für österreichische Produkte ist und aus dem mehr Feriengäste kommen als von irgendwoher sonst, kann das kein Grund zur Freude sein. Die deutschen Wirtschaftsdaten bedeuten jeweils ein paar Zehntelprozent mehr oder weniger für das österreichische Wirtschaftswachstum.

Wenn deutsche Medien betonen, wie gut es in Österreich ist, wollen sie aber in Wahrheit zum Ausdruck bringen, wie schlecht es in Deutschland geht! Der Vergleich mit anderen Ländern ist heute ein Ausdruck von Nationalmasochismus - und den gibt es auch in Österreich. Vergleiche mit irgendeiner Bananenrepublik wären nicht so schlimm, denn da ist der mentale Abstand groß genug. Aber beim Vergleich mit Österreich, das seit Königgrätz immer im Hintertreffen lag, da wird der Unterschied greifbar und da kann man seinem Publikum so richtig eintrichtern, "wie tief wir schon gesunken sind".

Sicherlich war in den letzten Jahren die österreichische Wirtschaftspolitik besser als die deutsche. Genauer gesagt, sie war weniger schlecht. Die Wirtschaftslage ist aber auch in den Regionen Deutschlands höchst unterschiedlich - selbst unter den "alten Bundesländern". Die Anonymisierung - man kann auch sagen, die Entnationalisierung - ist allgemein in Ballungszentren weiter fortgeschritten. Und sie ist als Entsolidarisierung ein auch für die Volkswirtschaft wesentlicher (Stör-) Faktor! In österreichischen Großstädten hat sie eben noch nicht jenes Ausmaß angenommen wie in deutschen.

Doch eigentlich muß man den Nachbarn zurufen: "Wir sind nicht voraus, sondern hinten nach. Ihr habt Rot-Grün schon fast überstanden. Aber uns - wenn nicht ein Wunder geschieht - uns steht Rot-Grün noch bevor, denn aus fremden Fehlern lernt keiner! Eben erst wurden bei den Hochschülerschaftswahlen die Grünen zur stimmenstärksten Fraktion - abgesehen von den 70 Prozent Nichtwählern. Und für solche Leute müssen wir demnächst Scheinarbeitsplätze in neuen Verhinderungsministerien schaffen! Es beginnt zwar auch bei uns zu dämmern, daß die Subventionierung unwirtschaftlicher Energieformen die ausländische Konkurrenz subventioniert, doch Rot-Grün und selbst Schwarz-Grün würden den Irrweg sicher fortsetzen."

Daß die Österreicher trotz allen Wohlstands zu den ärgsten Wirtschaftspessimisten weltweit zählen, hat aber Gründe, die ebenso für die Bundesrepublik Deutschland gelten: Frust über EU und Euro, über ewige Tributzahlungen und über (wirtschafts-)politische Ohnmacht gegenüber Ausverkauf, Arbeitsplatzvernichtung, Überfremdung und Kriminalität - kurz gegenüber der Globalisierung.

Und da ist noch etwas: Diese Dauerberieselung mit "Vergangenheitsbewältigung", diese ewigen Schuldbekenntnisse und Entwürdigungsrituale! Sie machen sich, weil jedes Aufbäumen dagegen unterdrückt wird, wie bei psycho-somatischen Krankheiten an ganz anderer Stelle bemerkbar - in familiären und sozialen Konflikten, in der Lähmung des Selbsterhaltungstriebs, in einer Geburtenverweigerung, in einer kulturellen Selbstzerstörung und nicht zuletzt in Wirtschaftsproblemen. Wo bleiben die Politiker, die diese Zusammenhänge auszusprechen wagen? Sie würden damit jede Wahl gewinnen! Der Mensch lebt eben nicht vom Brot allein - so wie auch das Brot nicht allein vom Korn kommt, sondern viel mehr noch vom Glauben an die eigene Arbeit und den Wert des eigenen Lebens.


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