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18.06.05 / "Auf blauer Fluth in Gottes Huth!" / Deutschlands ältester Segelclub, der SC Rhe aus Königsberg, feierte in Hamburg seinen 150. Geburtstag

© Preußische Allgemeine Zeitung / 18. Juni 2005

"Auf blauer Fluth in Gottes Huth!"
Deutschlands ältester Segelclub, der SC Rhe aus Königsberg, feierte in Hamburg seinen 150. Geburtstag

Der älteste ununterbrochen als Verein bestehende Angehörige des Deutschen Segler-Verbandes, der Segelclub (SC) Rhe, konnte dieses Jahr seinen 150. Geburtstag feiern, und er tat es auch. Passend zum Anlaß der Feier folgten rund 150 Personen der Einladung zu einem Vormittagsempfang an die Elbe. Unter den Gästen befanden sich auch der Amtsleiter des Hamburger Stadtbezirkes Altona, der Präsident des Deutschen Segler-Verbandes, der Vorsitzende des Hamburger Segler-Verbandes und der Präsident des Hamburger Sportbundes, die es sich allesamt nicht nehmen ließen, mit ihren Grußworten ihren Beitrag zum Gelingen der Feier beizutragen.

Bevor es dann zum formlosen geselligen Beisammensein bei Schnittchen und Sekt sowie Berlinern und Kaffee kam, ergriff der Vorsitzende des SC Rhe, Wilko Darger, als Vertreter des Gastgebers das Wort, um neben einer Bestandsaufnahme der Gegenwart auch noch einmal die Vergangenheit Revue passieren zu lassen, was sich bei immerhin 150 Jahren auch wahrlich anbietet. Der Enddreißiger ist mit seinen angesichts seines ebenso verantwortungsvollen wie ehrwürdigen Amtes ziemlich wenigen Lebensjahren der lebende Beweis, daß sich Jugend und Tradition nicht auszuschließen brauchen.

Der erste Vorsitzende des Geburtstagskindes war sogar noch jünger, Ernst Burow. Am Abend des 7. Februar 1855 versammelte der damalige Oberprimaner am Kneiphöfischen Gymnasium im Hause seiner Eltern am Bergplatz in Königsberg acht Freunde und Bekannte um sich, um sie dann mit dem Vorschlag zu überraschen, gemeinsam einen Segelclub zu gründen. Die von ihm vorbereiteten Statuten wurden nach kurzer Beratung angenommen und dem Verein der Name "Rhe" gegeben. Erster Präsident wurde mit Ernst Burow der Initiator und Gastgeber jenes denkwürdigen Abends. Zweck des SC Rhe, so geht aus dem Paragraphen 1 der vor 150 Jahren beschlossenen ersten Vereinsstatuten hervor, ist es, "im Sommer amüsante Segelpartien zu befördern, während im Winter die Erinnerung an dieselben durch Versammlungen und eine Zeitung aufgefrischt und die Erwartung auf den folgenden Sommer angeregt werden soll".

Originell ist der eigentlich letzte Paragraph der ersten Statuten, der Paragraph 17, der besagt: "Jedes Mitglied ist mit Ehrenwort verpflichtet, das unverbrüchlichste Schweigen über die Verbindung zu beobachten." Die Geheimhaltungspflicht wurde noch im Jahr der Gründung gelockert und ist inzwischen Geschichte. Wer sich für den Verein interessiert und möglicherweise gar Mitglied werden will, ist herzlich eingeladen, sich im Vereinshaus, Grotiusweg 75/77, 22587 Hamburg, oder per Telefon, (0 40) 81 76 11, zu informieren oder einen Blick auf die Internetseite www.sc-rhe.de/aktuelles/  zu werfen.

Der Segelverein mit Sitz in Königsberg entwickelte sich gut, bis der Zweite Weltkrieg und die Vertreibung wie für so vieles anderes Ostdeutsches eine tiefe Zäsur und einen Tiefpunkt in der eigenen Geschichte brachten. Bis auf einen hölzernen Aschenbecher mit dem an das Wappen der Hochmeister des Deutschen Ordens angelehnten Vereinswappen ging der gesamte materielle Besitz verloren.

Dank des sprichwörtlichen Teamgeistes, der Kameradschaft des SC Rhe gelang in Deutschlands größter Hafenstadt die Fortführung des Vereinslebens. Am 13. Dezember 1946 feierten 14 Mitglieder mit acht Angehörigen das erste Vereinsweihnachtsfest im Westen, am neuen Standort. Über diese Feier heißt es, "eine Dame stiftete den Herren Tabak, eine andere den Damen Bohnenkaffee". Der Veranstaltungsort, das Hamburger Lokal Rieper, wurde zum Vereinslokal gemacht, an dem von da ab an jedem zweiten Freitag im Monat Clubabend war. Seit 1982 hat der Verein ein idyllisch im Sven-Simon-Park gelegenes wunderschönes eigenes Clubhaus. Die dahinter stehende Entwicklung kann man als durchaus symptomatisch für die erfolgreiche Nachkriegsentwicklung des Vereins werten, der mittlerweile 300 Mitglieder und drei eigene Yachten hat.

Ungeachtet seiner Erfolge in der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft verleugnet der Verein seine ostdeutschen Wurzeln jedoch nicht. Noch in diesem Jubiläumsjahr werden "Rhe", "Halibo" und "Lichtblick" in See stechen, um im Rahmen der Reise "Baltic Rund" auch den alten Heimathafen anzulaufen. M. R.

Empfang im Clubhaus: Rund 150 Gäste folgten der Einladung Foto: Ruoff


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