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18.06.05 / Mit Musik in den Tod / Zeitzeugen berichten über die Zeit vor und nach der Kapitulation der Wehrmacht

© Preußische Allgemeine Zeitung / 18. Juni 2005

Mit Musik in den Tod
Zeitzeugen berichten über die Zeit vor und nach der Kapitulation der Wehrmacht

Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg, doch damit war das Leiden der Menschen noch lange nicht vorbei.

Elke Fröhlich hat in ihrem interessanten und anrührenden Buch "Als die Erde brannte" die Erzählungen einiger Personen aufgenommen und deren Erlebnisse zusammengefaßt.

In dem Kapitel "Musik rettete mir das Leben" berichtet Esther Bejarano, was sie nach ihrer Inhaftierung im KZ Auschwitz am 20. April 1943 erlebte und wie sie den fürchterlichen Krieg überlebte. Sie hatte "das Glück", in Auschwitz dem Mädchenorchester zugeteilt zu werden, und entging auf diese Weise dem Tod in einer der Gaskammern.

"Eine weitere schreckliche Aufgabe von uns war, dann zu spielen, wenn die Transporte der jüdischen Menschen ankamen und an der berüchtigten Rampe hielten. Die Menschen kamen aus ganz Europa und fuhren direkt ins Gas. Und wir standen da, haben Musikstücke oder Märsche gespielt und viele werden sich wohl gedacht haben, daß da, wo Musik gespielt wird, wohl nichts Schlimmes passieren kann."

Harald Scholtz erzählt in dem Kapitel "Eine Welt bricht zusammen wie er als wohlerzogener Junge der Adolf-Hitler-Schule am 7. Juni 1944 in den Krieg beordert wurde und wie es ihm dort erging. "Nein, in militärischen Kategorien, dem Krieg angemessen, hatten wir nicht zu denken gelernt. Daß wußte wohl unser Scharerzieher ..., ein junger schwer verwundeter Hauptmann, als er uns ... antreten ließ und ,stillgestanden' kommandierte, um uns die Nachricht von der Invasion an der Kanalküste mitzuteilen."

Am selben Tag noch fühlte der Junge zum ersten Mal sein Vertrauen in das Dritte Reich in Frage gestellt, und die darauf folgenden Ereignisse sollten seinen Glauben in den Nationalsozialismus stark erschüttern.

Ferner berichtet Elke Fröhlich von dem damals 19jährigen Robert Limpert, welcher in den letzten Stunden vor dem Einmarsch der Amerikaner die Telefonverbindung des Gefechtsstandes der Stadt Ansbach zu kappen versuchte. Was Limpert nicht wußte, war, daß der Gefechtsstand mittlerweile geräumt worden war und seine Aktion somit ohne Wirkung blieb. Gefaßt und gerichtet wurde er jedoch trotzdem.

Tief beeindruckend ist übrigens auch die Geschichte, die Rochus Misch von den letzten Tagen im Führerbunker beziehungsweise Reichskanzleibunker, wie er in Wahrheit genannt wurde, zu erzählen weiß. Hier war er als Zuständiger für den Telefondienst und als Leibwächter Hitlers tätig. Der Leser, der den Film "Der Untergang" gesehen hat, wird viele Übereinstimmungen zwischen dem Film und dem Bericht Mischs finden.

Ein einerseits trauriges, aber dafür um so realistischeres Buch, das Geschichten erzählt, die das Leben selbst geschrieben hat.

Am Ende läßt es den Leser in stiller Nachdenklichkeit mit der unterschwelligen immerwährenden Frage "Warum mußte das alles nur geschehen?" zurück. A. Ney

Elke Fröhlich (Hrsg.): "Als die Erde brannte - Deutsche Schicksale in den letzten Kriegstagen", Knaur, München 2005, broschiert., 240 Seiten, 7,90 Euro


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