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16.07.05 / Einer, der sich treu bleibt

© Preußische Allgemeine Zeitung / 16. Juli 2005

Hans-Jürgen Mahlitz:
Einer, der sich treu bleibt

Noch ist es nicht amtlich, aber man darf - wie es üblicherweise formuliert wird - "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" davon ausgehen, daß es so kommen wird: Falls Bundespräsident Horst Köhler den Weg zu vorgezogenen Neuwahlen freigibt, wird es im Wahlkreis Fulda einen unabhängigen, parteilosen Kandidaten namens Martin Hohmann geben. Sein Entschluß, gegen die Kandidaten der etablierten Parteien, darunter auch der CDU, der er ja viele Jahre selber angehört hatte, anzutreten, stehe definitiv fest, verlautete aus dem Nordhessischen.

Damit geht die leidvolle, ärgerliche und eigentlich völlig überflüssige, weil mutwillig vom Zaun gebrochene Auseinandersetzung zwischen der CDU-Spitze und dem bislang vor Ort überaus erfolgreichen Abgeordneten in eine neue Runde. Erinnern wir uns: Vor nicht einmal zwei Jahren hatte Hohmann zum Tag der deutschen Einheit eine Rede gehalten, die zweifellos nicht zu seinen stärksten zählte und durch ungeschickte Formulierungen Anlaß zu allerlei böswilligen Verdrehungen und Mißdeutungen bot. Doch hätte sich vermutlich niemand über diese Rede aufgeregt, wäre Hohmann nicht erklärtermaßen den Restbeständen des wertkonservativen, patriotischen, traditionell christlich orientierten Flügels der CDU zuzuordnen gewesen. So wurde - gemäß den ungeschriebenen Gesetzen der "political correctness" im "Kampf gegen Rechts" - unerbittlich mit der Faschismuskeule zugeschlagen.

Zunächst hieß es, die Rede sei antisemitisch gewesen, da Hohmann die Juden als "Tätervolk" bezeichnet habe. Nachdem den "antifaschistischen" Wortführern in den Massenmedien die Verbreitung dieser Lüge gerichtlich verboten worden war, lautete die neue Sprachregelung: Hohmann habe die Juden mit dem Begriff Tätervolk "in Verbindung gebracht", folglich sei seine Rede "als antisemitisch empfunden" worden. Mit einer dermaßen lächerlichen Argumentation bräuchte man sich eigentlich nicht weiter zu befassen - wenn nicht ausgerechnet Hohmanns eigene Parteichefin sie sich zu eigen gemacht hätte (oder auch: sich zu eigen hätte machen lassen; von wem und über welche Hamburger und Frankfurter Telefonanschlüsse auch immer). Jedenfalls meinte Frau Merkel seinerzeit, auf dem Weg zur Kanzlerkandidatur den rechten Parteiflügel nicht mehr zu benötigen, und betrieb Hohmanns Ausschluß aus Fraktion und Partei.

Ob sie freilich auf dem nunmehr eingeschlagenen Weg ins Kanzleramt auch auf den rechten Flügel der CDU-Stammwählerschaft verzichten kann, wird sich womöglich am 18. September zeigen. Wenn es zu Neuwahlen kommt, hat der derzeit parteilose Abgeordnete Hohmann beste Chancen, das Direktmandat im Wahlkreis Fulda zum drittenmal zu gewinnen. Noch ist die Erinnerung an den politisch unklugen und menschlich unsäglichen Umgang mit einem "Parteifreund" zu frisch, als daß die Wähler zur Tagesordnung übergehen und mehrheitlich dem Wahlvorschlag der CDU folgen würden.

Im Wahlkampf ist Hohmann gut beraten, sich selber treu zu bleiben und den Bürgern klarzumachen, welche Grundsatzpositionen, insbesondere in der Familien- und Gesellschaftspolitik, er bisher vertreten hat. Sein stärkstes Argument muß sein: Als Parteiloser stehe ich für dieselbe Politik wie zuvor; man kann mir das Parteibuch rauben, damit aber nicht meine Grundüberzeugungen. Hohmann muß Wahlkampf für sich und seine Politik machen, nicht gegen seine früheren Parteifreunde, von denen viele noch heute seine persönlichen Freunde sind. Wer seinen Charakter - auch aus vielen persönlichen Gesprächen - einschätzen kann, weiß, daß von ihm nichts anderes zu erwarten ist.


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