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16.07.05 / Was wäre, wenn?

© Preußische Allgemeine Zeitung / 16. Juli 2005

Was wäre, wenn?
von Ronald Gläser

Die ersten London-Bilder flackerten gerade erst über die Fernsehschirme, da herrschte an den neuralgischen Punkten Berlins, Zoo und Alex, bereits eine erhöhte Sicherheitsstufe. Auf beiden Bahnhöfen sorgte die Polizei für den notwendigen Schutz.

Berlin sei nämlich sehr gut auf den Terror vorbereitet! So ungefähr lautet der Tenor einer Debatte, die seit den jüngsten Anschlägen die Berliner Öffentlichkeit beschäftigt. Kaum eine Tageszeitung kam diesen Tagen um die bange Frage herum: Was wäre, wenn ...?

Die Verantwortlichen der Stadt sind da recht selbstzufrieden: Berlin sei gewappnet. So könne die Zahl der Feuerwehrleute schnell von 500 auf 1.500 erhöht werden, hieß eine der beruhigenden Rechnungen. Und ist es nicht erst neulich auf der U-Bahn-Linie 2 zu unerwarteter Rauchentwicklung gekommen? Hat die BVG nicht binnen 25 Minuten den Ersatzverkehr bereitgestellt, die Herausforderung also gemeistert?

Mag sein - doch, so der unumgängliche Einwand: Hätten eintausend weitere Feuerwehrleute in New York das Ausmaß der Katastrophe vom 11. September verhindern können? Kaum. Eine defekte U-Bahnlinie zu ersetzen ist immer noch etwas anderes als eine Unzahl von Opfern nach einem Attentat zu versorgen. Tatsache ist, daß sich niemand auf ein solches Ereignis vorbereiten kann. Jedenfalls nicht so, wie man sich auf eine Demo oder die Fußball-WM vorbereitet.

Das soll keine Aufforderung zur Untätigkeit sein. Aber die selbstzufriedene Haltung der Berliner Behörden, die meinen, gegenüber London wäre Berlin besser vorbereitet, ist grundfalsch. Zum einen waren die Briten sehr wohl vorbereitet. Sie waren sich bewußt, daß sie als Hauptverbündete der USA eine Hauptzielscheibe des islamistischen Hasses abgeben. Die Frage war nur, wann der Terror die Themse erreichen würde, nicht ob.

Außerdem lassen sich die Tricks wie in London nicht ewig wiederholen. Dort gelang es, Panik zu vermeiden, indem man den Gästen zunächst das Märchen vom Stromausfall erzählte. Toller Einfall. Nur: Wer glaubt in Zukunft noch an Kurzschluß, wenn ihm der Schaffner den Knall und die plötzliche Dunkelheit damit erklären will? Nobody!

Zum anderen haben die Briten ihre großen Städte vollgepackt mit Überwachungskameras - viel mehr als bei uns. Was hat es genützt? Es konnte das Attentat nicht verhindern.


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