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30.07.05 / "Unsere Karten stehen nicht gut" / Wer schützt deutsches Kulturerbe in Rumänien?

© Preußische Allgemeine Zeitung / 30. Juli 2005

"Unsere Karten stehen nicht gut"
Wer schützt deutsches Kulturerbe in Rumänien?

Dr. Zeno Pinter (46) ist Unterstaatssekretär für die deutsche Minderheit und interethnische Beziehungen in Bukarest. Er stammt aus dem Banat, studierte in Hermanstadt Archäologie und durfte unter Ceaucescu nicht unterrichten.

Er sorgt sich vor allem um das riesige Kulturerbe in Siebenbürgen. Dort stehen 344 Kirchenburgen, die vor dem Verfall geschützt werden müssen. Nicht alle stehen unter Denkmalschutz. Die Gemeinden sind nach Deutschland ausgewandert, manchmal gibt es vor Ort gerade noch zwei alte Frauen, die den Kirchenraum sauberhalten.

Aber wie lange noch? "Unsere Karten stehen nicht gut." Mit Unterstützung der bayerischen Hanns-Seidel-Stiftung erschien jetzt eine zweisprachige Broschüre "Kirchenburgen der Sachsen in Siebenbürgen", in der die wichtigsten Bauten vorgestellt werden. Einige werden aus dem Nationalfonds restauriert. Von deutscher Seite gefördert wurde ein "Liederbuch" für den Schulunterricht in deutscher und rumänischer Sprache.

Hermanstadt / Sibiu wird im Jahre 2007 europäische Kulturhauptstadt, das gibt nicht nur ihr, sondern auch den heute noch rund 80.000 Deutschen in Rumänien Auftrieb. Das Herz Siebenbürgens hat seit einigen Jahren einen deutschen Bürgermeister. Auf dem berühmten deutschen Bruckgymnasium wird zwar weiterhin in deutscher Sprache unterrichtet, die meisten Schülerinnen und Schüler sind jedoch Rumänen. "Unser Problem sind nicht die Kinder, sondern die Lehrer, die Deutsch lehren können. Daran fehlt es."

Unter den 18 Minderheiten in Rumänien ist die deutsche bei weitem nicht die größte. Sie ist aber politisch erfolgreich. Bei den letzten Wahlen hatte sie mehr Stimmen als Mitglieder. Sie wurde also auch von anderen gewählt.

Wie die meisten Rumänen wollen auch die Deutschen den EU-Beitritt des Landes. Sie erhoffen sich davon ein besseres Leben und ärgern sich über den schlechten Ruf Rumäniens in den ausländischen Medien. Aber auch Pinter muß einräumen, daß es seinen Landsleuten schwer fallen wird, alle EU-Bestimmungen einzuhalten. "Eigenen Schnaps brennen und zwei Wochen vor Weihnachten ein Schwein zu schlachten gehört zu unserem Lebensstil."

Stolz verweist der Unterstaatssekretär auf acht Prozent Wirtschaftswachstum in Rumänien und bedauert, daß die Gesetze eine Gewinntransferierung nach Deutschland nicht zulassen. Das behindert deutsche Investitionen. Die Rückerstattung von Eigentum, das die Kommunisten geraubt hatten, ist schwierig. Nur in Siebenbürgen gibt es Grundbücher.

Pinter gibt sich selbstbewußt. Auf die Frage nach der Korruption in seinem Lande sagt er lächelnd: "Meinen Sie VW oder Rumänien?" N. Matern


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