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01.10.05 / Er verlangte das Unmögliche / Vor 100 Jahren wurde der schlesische Regisseur Liebeneiner geboren

© Preußische Allgemeine Zeitung / 01. Oktober 2005

Er verlangte das Unmögliche
Vor 100 Jahren wurde der schlesische Regisseur Liebeneiner geboren

Der Regisseur Wolfgang Liebeneiner hätte am 6. Oktober seinen 100. Geburtstag begehen können. Zu ihm paßte der so oft zitierte Slogan: bekannt von Bühne, Film, Funk und Fernsehen. Der Meister des Unterhaltungsfilms ("Die Trapp-Familie" / 1956, "Die Trapp-Familie in Amerika", "Wenn süß das Mondlicht auf den Hügeln schläft" / 1970) wurde 1905 im schlesischen Liebau als Sohn eines Leinewebereibesitzers geboren. Große Erfolge konnte er in den 30er Jahren mit den Heinz-Rühmann-Filmen "Der Mustergatte" (1937) und "Der Florentiner Hut" (1939) verzeichnen. Wolfgang Liebeneiners feine Regiehand sorgte dafür, daß diese Filme allen Schwankexzessen zum Trotz nie zur Klamotte ausarteten.

Der spätere künstlerische Leiter der Filmakademie Babelsberg und Produktionschef der Ufa begann als Schauspieler bei Falkenbergs Münchner Kammerspielen. 1928 debütierte Liebeneiner dort in der Rolle des "Melchior" in Wedekinds "Frühlings Erwachen". Diesem Ensemble gehörte der Schlesier bis 1932 an. Dann gelang ihm der große Sprung nach Berlin zu Max Reinhardt und Gustaf Gründgens. Abwechselnd wirkte er nun als Schauspieler und Regisseur.

Seinem Debütfilm als Regisseur "Versprich mir nichts" (1937) mit Luise Ullrich, Heinrich George und Viktor de Kowa folgten weitere Streifen wie zum Beispiel "Du und ich", "Großstadtmelodie", "Liebe 47", "Das tanzende Herz", "Schweijks Flegeljahre", "Arzt ohne Examen" und der umstrittene Film "Ich klage an" aus dem Jahre 1941.

Nach seiner Scheidung von der Schauspielerin Ruth Hellberg heiratete er 1944 die Schauspielerin Hilde Krahl. Beider Tochter, Johanna Liebeneiner, wurde ebenfalls Schauspielerin und ist in Rollen beim Fernsehen und auf der Bühne erfolgreich.

Liebeneiner, der Germanistik, Philosophie und Theologie studiert hatte, sah die wesentliche Aufgabe des Regisseurs darin, mit Menschen umgehen zu können. "Er muß stets das Unmögliche von ihnen verlangen, um das Mögliche zu erreichen." Ob ernst, ob heiter, märchenhaft, kriminell oder musikalisch - jeder Stoff interessierte ihn. Man muß Liebeneiner bescheinigen, daß es ihm bei seinen Regieleistungen, vor allem für das Wiener Volkstheater, die Hamburger Kammerspiele und das Wiener Theater in der Josefstadt, immer gelungen ist, die äußerste Grenze des Möglichen bei der Gestaltung erreicht zu haben.

Wolfgang Liebeneiner starb am 28. November 1987 in Wien. Seine Beisetzung erfolgte in Sievering bei Wien. kai-press

 Wolfgang Liebeneiner: Der Regisseur verfilmte erfolgreich den Roman von Eric Malpass "Wenn süß das Mondlicht auf den Hügeln schläft". Das Foto zeigt ihn mit Irina von Bentheim und Archibald Eser. Foto: Constantin / Archiv kai-press


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