15.04.2024

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01.10.05 / Die ostpreußische Familie / Leser helfen Lesern

© Preußische Allgemeine Zeitung / 01. Oktober 2005

Die ostpreußische Familie
Leser helfen Lesern
von Ruth Geede

Lewe Landslied und Familienfreunde,

erfüllte Wünsche kriegen Kinder. Mit jedem Erfolg wächst auch die Hoffnung. Und so bringt unsere heutige Familienseite wieder neue Suchfragen. Manchmal verbinden sich diese aber auch mit erfreulichen Resonanzen wie in dem Brief von Brigitte Ammon aus

Duisburg, einer Ostpreußin aus Friedland. Sie schrieb ihn am 9. September, und vermerkt dazu: "Heute wird in unserer alten St. Georgs-Kirche in Friedland die Renovierung mit einem Gottesdienst gefeiert. Der Friedländer Heimatverein hat sehr dabei geholfen." Mit ihr werden auch andere Friedländer an dem Tag an ihre Heimatstadt gedacht haben und an die Kirche, in der sie vielleicht noch getauft wurden. Ja, und um die Kirchenbücher geht es auch in dem Schreiben von Frau Ammon. Sie fragt, wo sich die Kirchenbücher von Friedland und Allenau, Kreis Bartenstein befinden könnten und wer Einsicht in diese hatte oder hat? Sie sucht nach Eintragungen über die Familien Wernien und Stadie. Diese Namen tauchten schon einmal vor einigen Jahren bei uns auf, als Frau Ammon sich an uns gewandt hatte, um eine Verbindung dieser beiden Familien zu klären. Sie vermutete diese in der Schwester ihres Ururgroßvaters Julius Wernien, der Kürschnermeister in Friedland war. Vor allem wollte sie aber etwas über jenen Robert Stadie wissen, der Ende des 19. Jahrhunderts von Friedland nach Kalifornien auswanderte, dort kinderlos verstarb und sein Erbe unter den Verwandten in der Heimat und den Armen von Friedland aufteilte. Leider erhielt sie auf diese Fragen keine Antwort, aber sie erlebte doch so etwas wie ein "kleines Wunder" - so empfand sie jedenfalls den Anruf von unserer Leserin Erika Herzberg aus Namibia, die ihr mitteilte, daß sie ihr eine Abhandlung über "Das Geschlecht der Stadie auf Stadienberg in Friedland und in Allenau an der Alle" zusenden wolle, was dann auch geschah. Ein wertvoller Beitrag für die Familienforschung, die Frau Ammon so intensiv betreibt, nur leider fand sich darin nichts über den ausgewanderten Robert Stadie. (Brigitte Ammon, Heinestraße 67 in 47179 Duisburg-Walsum, Telefon 02 03 / 49 05 40.)

Einen erneuten Versuch startet auch Frank Abrodat aus Berlin. Er hatte vor sechs Jahren schon einmal nach Informationen über seine Familie gefragt und bekam auch eine Zuschrift, die ihm weitergeholfen hat. Aber es fehlen ihm noch viele Angaben, vor allem über seinen Urgroßvater, den Kämmerer Friedrich Abrodat und dessen Ehefrau Fritze Wilhelmine geborene Basenau, die in dem Ortsteil Sonnenberg der Gemeinde Adamsheide wohnten. Weitere Ortsteile waren Luisenpark und Friedrichsfelde (alles Güter) im Kirchspiel Karpauen (früher Karpowen), Kreis Angerapp (Darkehmen). Dort lebten auch die Großeltern Otto Abrodat und Johanna Karolina geborene Köhli mit ihren Kindern Horst, Gerhard, Elfriede, Gerda und Marga. Horst ist der inzwischen verstorbene Vater von Frank Abrodat. Wer kann sich an diese Familie erinnern, wer weiß etwas über die genannten Angehörigen, besitzt vielleicht noch Aufnahmen aus jener Zeit? Aus Erzählungen seines Vaters und dessen Bruders Gerhard konnte Herr Abrodat entnehmen, daß sich die Brüder etwa um 1906 zerstritten hatten und daraufhin eine Namensteilung in Abrodat / Abrutat erfolgte. Großvater Otto Abrodat wird seit April 1944 auf der Krim vermißt. Gibt es noch Kameraden, die sich an ihn erinnern und sagen können, wie sein Schicksal verlief? "Man soll die Hoffnung nie aufgeben, auch wenn es schon so lange her ist", schreibt Frank Abrodat, Niemegker Straße 3 in 12689 Berlin, Fax 0 30 / 93 49 36 64, E-Mail: FAbrodat@t-online.de )

Ja, Fragezeichen sind schon angebracht, denn die Zeit läuft mit Siebenmeilenstiefeln. Und darum hat auch Hans Tietz aus Damme Zweifel, denn er wird in diesen Tagen 90 Jahre alt (herzlichen Glückwunsch, lieber Landsmann!), und er weiß nicht, ob es nicht doch zu spät ist. Wahrscheinlich wird dies auf die Frage nach dem Schicksal seiner Großmutter zutreffen, weniger auf die anderen Fragen. Die Eltern von Herrn Tietz wohnten bis Anfang 1945 in Kornieten bei Seerappen. Sein Vater war Angestellter am Fliegerhorst. Als die Russen vor der Türe standen, holte sein Vater mit einem Lastkraftwagen Frau, Tochter und Schwester ab, um sie nach Pillau zu bringen. Seine damals 67jährige Mutter, die ebenfalls in Kornieten wohnte, wollte nicht mit. Ihre letzten Worte waren: "Ihr kommt ja doch bald zurück!" Sie haben sich nie wiedergesehen. Sein Vater, der zur Verteidigung des Flugplatzes eingesetzt wurde, kam nach seiner Verwundung in ein Pillauer Lazarett, gelangte dann über die Frische Nehrung nach Danzig und später nach Dänemark. Was aus der Großmutter geworden ist, hat die Familie nie klären können. Gibt es noch jemanden, der mit Frau Tietz aus Kornieten später zusammen war, oder ist sie bereits beim Russeneinfall verstorben? Wie gesagt, es wird schwierig sein, hierüber eine klärende Antwort zu bekommen. Dagegen wird Herr Tietz auf seine weiteren Fragen "Was ist aus Kornieten geworden?" und "Wer weiß etwas über das Ende des Fliegerhorstes Seerappen?" mit Sicherheit Zuschriften erhalten. Als er vor einigen Jahren dort war, hat er nichts mehr vorgefunden, was an die Vergangenheit erinnerte. (Hans Tietz, Stormstraße 16 in 49401 Damme, Telefon 0 54 91 / 43 33.)

Und weiter geht es in der Familienforschung. Ina Schoner möchte gerne etwas über ihre Vorfahren aus Königsberg erfahren, da weist ihre Ahnentafel einige Lücken auf. Sie sollen mit dem Namen "von Tresko" ausgefüllt werden, denn das ist der Mädchenname ihrer Urgroßmutter. Sie heiratete Paul Sahm, der in Königsberg eine große Fleischerei mit etwa zehn Gesellen besaß. Ich habe im Königsberger Telefonbuch eine Fleischerei Fritz Sahm, Arndtstraße 13, ausgemacht, vielleicht wurde das Geschäft unter diesem Namen geführt. Es müßte sich wohl um eine alte Königsberger Fleischerfamilie handeln, denn auch die Schwester von Paul Sahm hatte eine Fleischerei außerhalb Königsbergs. Paul Sahm und seine Frau blieben beim Russeneinfall in Königsberg, niemand weiß, was aus ihnen geworden ist. Ihr Sohn Kurt Sahm, * 1928, wurde 1944 eingezogen und "auf das Meer geschickt", wie Frau Schober dieses Kapitel in der Lebensgeschichte ihres Großvaters formuliert. Er überlebte den Krieg wie auch seine vier Jahre ältere Schwester Gerda Sahm. So, das ist alles, was Frau Schoner weiß, sie möchte aber soviel wie möglich über die Familie erfahren. Vielleicht erinnert sich noch jemand an die Fleischerei Sahm, vielleicht melden sich auch entfernte Verwandte vor allem aus der "von Tresko"-Linie? Über jede Nachricht würde sich Frau Schoner freuen, deren Suche bisher ohne Erfolg war. Nun hofft sie auf unsere Ostpreußische Familie. (Ina Schoner, Obere Kohlau 1 in 07768 Kahla, E-Mail: Ina Schoner@web.de .)

Wie auch Gert-Dietrich Wermke aus Königs Wusterhausen. "Es bewahrheitet sich doch immer wieder: wenn man gar nicht mehr weiterkommt, wendet man sich an die Ostpreußische Familie", schreibt er, aber hoffentlich enttäuschen wir ihn nicht. Denn er sucht Nachkommen seiner Urgroßeltern, von denen er zwar die Namen, aber weder Geburts- und Wohnorte noch genaue Daten weiß. Es müßte schon ein Zufall sein, wenn jemand in der eigenen Ahnentafel fündig wird. Das eine Urgroßelternpaar sind Friedrich Klein und Karoline geborene Konrad * um 1850, das irgendwo in den Kreisen Insterburg, Gumbinnen und Darkehmen (später Angerapp) gelebt haben soll. Ebenso ungewiß ist, wo das andere Urgroßelternpaar Gottfried Scharein und Henriette geborene Jäckel, ebenfalls um 1850 geboren, gewohnt hat. Es kämen die Kreise Mohrungen oder Osterode in Frage. Also da bin ich doch "niescheerig", ob sich irgendwelche Nachkommen finden, auch wenn sie "das siebente Wasser vom Kissehl" sind, wie man bei uns eine sehr weitläufige Verwandtschaft zu bezeichnen pflegt. (Gert-Dietrich Wermke, Potsdamer Ring 11 in 15711 Königs Wusterhausen.)

(Zum Kissehl: Das ist ein gesäuerter Haferteig, der durch ein Tuch gepreßt und dann sehr lange unter ständigem Rühren gekocht wird - eine mühselige Prozedur. Die Rückstände im Teig werden mehrmals mit Wasser übergossen und geseiht, wobei die Masse immer dünnflüssiger wird. So verwässert ist auch eine sehr entfernte Verwandtschaft, deshalb dieser Vergleich. Kissehl wurde im nördlichen Ostpreußen gerne zu Weihnachten, aber auch zur Fastnacht gegessen. Mit warmer oder kalter Milch übergossen ein sättigendes Gericht, das auch herzhaft mit gebratenen Spirgeln oder Grieben, auch gesüßt mit Honig oder Backobst, genossen wurde. So genügsam war man damals in der Heimat - aber geschmeckt hat's!)

Und wie so oft füge ich ein Anliegen an, das sich vor allem an die Neuleser richtet: Bitte immer auf dem Briefbogen die genaue Postanschrift angeben. Ein Vermerk auf dem Umschlag allein genügt nicht, denn der kann bei der oft zeitraubenden Bearbeitung verlorengehen. Auch auf jeder E-Mail die Postanschrift vermerken, denn viele Leserinnen und Leser können nur postalisch oder telefonisch antworten. So kann manchmal eine Bearbeitung der Anfrage nicht oder nur mit Verzögerung erfolgen. Nicht Schuld haben aber die Leserinnen oder Leser, die mir in der zweiten Septemberwoche geschrieben haben, wenn sie keine Antwort bekommen oder ihren Wunsch nicht veröffentlicht finden. Ein Sammelbrief von der Redaktion an meine Hausanschrift ist auf dem Postweg leider verlorengegangen. Es handelt sich um Briefe an die Ostpreußische Familie, die zwischen dem 5. und 8. September abgesandt wurden. Bitte schreiben Sie mir noch einmal, wenn Sie meinen, daß auch ihr Brief dazu gehören könnte.

Ansonsten wünsche ich ihnen schöne, ruhige, sonnige Herbsttage, die ein wenig gutmachen, was der nasse, kalte Sommer verbockt hat!

Eure Ruth Geede


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