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08.10.05 / Als Menschen und Herrscher / Unterhaltsame Doppelbiographie über Friedrich den Großen und Maria Theresia

© Preußische Allgemeine Zeitung / 08. Oktober 2005

Als Menschen und Herrscher
Unterhaltsame Doppelbiographie über Friedrich den Großen und Maria Theresia

Sie waren erbitterte Feinde, standen sich jedoch nie persönlich gegenüber: Maria Theresia und Friedrich der Große. Die habsburgische Kaiserin nahm es dem Preußenkönig auf immer übel, daß er, als sie nach ihrer Thronbesteigung von lauter Feinden umgeben war, Schlesien überfiel und es ihrem Herrschaftsbereich entzog. Friedrich II. hingegen verübelte es der 16fachen Mutter, daß sie trotz ständiger Schwangerschaften und Regierungsgeschäften noch die Zeit fand, ihm seinen Neuerwerb streitig zu machen. Auch wenn ihr das nie ganz gelang, so fügten doch ihre Truppen und die ihrer Verbündeten den Armeen des Preußenkönigs immer wieder äußerst schmerzvolle Verluste zu.

Daß die beiden trotz ihres Hasses aufeinander durchaus die Leistungen des anderen zu würdigen wußten, verschweigt Klaus Günzel, Autor von "Der König und die Kaiserin - Friedrich II. und Maria Theresia", jedoch nicht. Einfühlsam zeigt Günzel die Lebensläufe der beiden Herrscher auf, versucht ihren späteren Werdegang auch mit Erlebnissen aus ihrer Kindheit zu erklären. Während Friedrich der Große von seinem Vater, dem Soldatenkönig, nur Härte, militärischen Drill und Schmähungen erwarten durfte, hatte Maria Theresia zu ihrem Vater Karl VI. ein für die damalige Zeit außergewöhnlich herzliches Verhältnis. Auch hatte die Habsburgerin das ungewöhnliche Glück, daß ihre aus politischen Gründen arrangierte Ehe sehr glücklich war, während Friedrich II. seine ihm angetraute Elisabeth Christine aufgrund gegenseitiger Antipathie vom Hof verbannte.

Günzel schreibt unterhaltsam und bringt die beiden Lieblingsfeinde dem Leser als Menschen und als Herrscher gleichermaßen nahe. Dabei wird allerdings ziemlich offensichtlich, daß dem Autor die Habsburgerin um ein vielfaches sympathischer ist als der als kalt kalkulierend dargestellte Hohenzoller. Allerdings deutet der freischaffende Publizist leider nur an, daß die Kaiserin ihrem nördlichen Konkurrenten an Kälte keineswegs nachstand. Bei der Bewertung beider historischen Persönlichkeiten muß man jedoch stets bedenken, daß sie Kinder ihrer Zeit waren, die "mit den Prinzipien späterer Epochen kaum gerecht beurteilt werden" können. Eine Erkenntnis, die der Autor fast immer bei seinen Ausführungen im Blick hat. R. B.

Klaus Günzel: "Der König und die Kaiserin - Friedrich II. und Maria Theresia", Droste, Düsseldorf 2005, geb., 271 Seiten, 17,95 Euro


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