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15.10.05 / Türken siegen über Wien

© Preußische Allgemeine Zeitung / 15. Oktober 2005

Türken siegen über Wien
von Klaus Rainer Röhl

Im Jahre 1529 erschienen die Türken zum ersten Mal vor Wien, wurden aber abgeschlagen. Wien hielt der Belagerung stand. Unter seinem Verteidiger Graf Salm. Seit dem 3. Oktober 2005 sind die Türken nicht mehr vor Wien, sondern in Wien. Kein Geringerer als der österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel öffnete ihnen die Tore zu Europa. Eine amerikanische Außenministerin von Bushs Gnaden machte es, durch massiven Druck und Erpressung der Verhandlungspartner, möglich. Trotz der Ablehnung des Türkei-Beitritts durch die offenkundige Mehrheit der Völker Europas. Nach jahrelangem Hickhack soll nun, handstreichartig, das 70-Millionen-Volk der Türken, deren muslimische Religion ausdrücklich die Zwangsbekehrung Andersdenkender befiehlt, Vollmitglied im christlich-abendländischen Europa werden. Machen wir uns nichts vor: Der vielgerühmte "Einwanderungsstop" ist eine zeitlich begrenzte, eines Tages zu vernachlässigende Farce: Der Traum des Dichters Günter Grass, in Lübeck aus dem Dom oder einer anderen christlichen Kirche eine Moschee zu machen wie einst die weltberühmte Hagia Sophia in Konstantinopel, wird dann keine belächelte Marotte mehr sein. Sondern nahe Wirklichkeit.

Türken als Mitglieder der europäischen Völkergemeinschaft. Ein europäisches Volk? Worauf gründet sich dieser Anspruch?

Die Türken waren kinderreiche Volksstämme im Inneren Asiens, die im 11. Jahrhundert in Kleinasien einfielen. Es war die Zeit, in der Otto I. in Deutschland und Italien viele Klöster und Kirchen baute und das Heilige Römische Reich Deutscher Nation noch nicht deutsch genannt wurde. In diesem Jahrhundert unterwarfen die Türken Kleinasien und richteten sich dort häuslich ein. Unter den rivalisierenden Stämmen setzten sich die Osmanen schließlich durch. Sie unterwarfen die Vorbesitzer des Landes, Lyker, Lydier, Meder, Armenier, Griechen. Die Türken, seit dem 11. Jahrhundert Muslime geworden, suchten bald weitere Länder zu erobern. Im 14. Jahrhundert überschritten die Türken unter ihrem energischen Sultan Murad I. zum ersten Mal die Dardanellen. Byzanz, nur zögerlich und mangelhaft unterstützt von Kaiser und Papst, hielt noch über ein Jahrhundert lang stand. 1453 fiel Konstantinopel. Das tausendjährige Byzanz, Schutzmacht und Bollwerk christlicher und abendländischer Kultur im Osten, hatte aufgehört zu existieren.

1529 stehen die Türken vor Wien. Die Stadt wird gehalten, doch verliert Kaiser Karl V. einen großen Teil Ungarns. Europa tut sich schwer, eine gemeinsame Strategie gegen die Türken zu finden. Es dauert noch über ein Jahrhundert, bis nach der zweiten erfolglosen Belagerung Wiens 1683 und dem Sieg der vereinigten europäischen Heere am Kahlenberg im gleichen Jahr, Prinz Eugen schließlich am 11. September 1697 bei Zenta das türkische Heer vernichtend schlägt und den Frieden von Karlowitz (1699) erzwingt. Doch behält der Sultan alle seine balkanischen Eroberungen und zwar, und das ist wohl kein Zufall, alle europäischen Provinzen mit orthodoxer Glaubensrichtung: Albanien, Serbien, Rumänien, Griechenland und Bulgarien. Von ihnen werden nur Albanien und Bosnien nachhaltig islamisiert, in den übrigen Gebieten wird das orthodoxe Christentum geduldet, herrscht die türkische Besatzungsmacht, teils mit geschmeidiger Diplomatie, teils mit großer Grausamkeit. Konstantinopel, auf der europäischen Seite des Bosporus, wird als Istanbul die erste türkische Großstadt, türkische Siedler strömen in die zuvor von vielen Griechen verlassene Metropole. Die größte Kirche der Christenheit, die Hagia Sophia, wird zur Moschee und muß sich barbarische Umbauten gefallen lassen, damit der Altar nach Mekka ausgerichtet werden kann. Der europäische Teil von Istanbul und ein vorgelagertes Stück dünnbesiedeltes Bauernland, Ostthrakien bleiben auch türkisch, als die Balkanländer ab 1821, eines nach dem anderen ihre Unabhängigkeit zurückerobern. Die Grenzen werden nach den Balkankriegen und noch einmal 1920 im Vertrag von Sevres festgeschrieben. Die türkischen Ansprüche, zu Europa zu gehören, können sich also auf die Hälfte der Großstadt Istanbul (Gesamteinwohnerzahl elf Millionen und Ostthrakien, zirka 100000 Bewohner) berufen. Also auf ungefähr fünf bis sechs Millionen Türken, die in Europa wohnen. Der Rest von fast 70 Millionen Türken hängt an diesem europäischen Zipfel, wie der Hund am Schwanz. Dies begründet also den Anspruch des 70-Millionen-Volkes, ein Teil von Europa zu sein. Das wäre ein bißchen so, als wenn Rußland, weil es seit 1945 die Stadt und den Landbezirk Königsberg besetzt hält, jetzt zu Deutschland gehören und vielleicht sogar am Länder-Finanzausgleich teilnehmen wollte.

Die Sache ist keineswegs metaphysisch. Und nicht halb so schwierig, wie unsere Massenmedien, von der "FAZ" bis zur linken "taz" uns weismachen wollen. Bundeskanzler Kohl vertrat mit aller Entschiedenheit und vielen guten Gründen die Ansicht, die Türkei gehöre nicht zu Europa. Die voaussichtliche Bundeskanzlerin Merkel wurde nicht zuletzt wegen ihres Versprechens gewählt, der Türkei zwar eine privilegierte Partnerschaft zuzugestehen, sich aber einer Aufnahme der Türkei in die EU zu widersetzen. Hoffentlich bleibt es bei diesem Versprechen, trotz einer möglichen SPD-Vizekanzlerschaft.

Condoleezza Rice hatte gute Gründe, am Tag der Luxemburger Entscheidung rund um die Uhr den österreichischen Bundeskanzler, die europäische Union, den EU-Ratspräsidenten und das EU-Land Zypern unter Druck zu setzen, um der Türkei zu ermöglichen, erst einmal den Fuß in die europäische Tür zu stellen. Es ist der Wunsch des derzeitigen Präsidenten der USA, Bush, das Nato-Land Türkei zu einer modernern islamischen Demokratie zu machen und diese in ein weltweites wirtschaftliches und militärstrategisches Konzept einzubinden, zu dem auch die bereits vorhandene enge Zusammenarbeit der Türkei mit Israel gehört. Ist das ein Grund für uns, das 70-Millionenvolk der Türken in die EU zu holen? Könnte diese Idee des amerikanischen Präsidenten nicht eine ebensolche Schnapsidee sein, wie die, den weltweiten Islam-Terrorismus Bin Ladens ausgerechnet durch eine Invasion des Irak zu bekämpfen?

Das war keine gute Idee. Und nun die neue Idee, die die europäischen Staatsmänner gegen den erklärten Willen ihrer Untertanen durchdrücken sollen: Die Türkei als Bollwerk der Demokratie in einer sich zunehmend radikalisierenden islamischen Welt. Gewissermaßen als demokratischer Brückenkopf im militanten Islamismus. Das jedoch ist eine Wahnidee. Denn: Je ausgeprägter die Demokratie in einem islamischen Land ist, desto stärker wird der militante Islamismus. Das zeigte sich gerade erst im Iran, wie 1991 in Algerien. Wollen wir das?

Recep Tayyip Erdogan kämpft zur Zeit für den Eintritt der Türkei in die EU. Aber er ist keineswegs ein unbeschriebenes Blatt. Er ist der politische Ziehsohn des heute fast 80jährigen Radikal-Islamisten Erbakan, dessen Partei 1997 verboten wurde und von dem er sich erst 2001 trennte und seine eigene "Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung" gründete, die AKP. Aber schon das bloße Auftreten der modernen, nach Europa orientierten AKP des Premiers Erdogan rief bekanntlich über Nacht eine neue, radikal-islamistische Partei des fast 80jährigen Erbakan auf den Plan, die es auf Anhieb auf 3,5 Millionen Stimmen brachte und schon heute ein beachtlicher Faktor geworden ist, an dem man nicht vorbeisehen kann. Wer sagt uns denn, daß in vier Jahren, wenn die EU-Verhandlungen bereits unumkehrbar vorangeschritten sind, nicht bereits radikale Islamisten am Bosporus herrschen? Die "Siegerin von Luxemburg", Condoleezza Rice, ist dann ja lange schon weg vom Fenster - wie unser grüner Vizekanzler und Außenminister, der fast schon vergessene Joseph Fischer, der auch ein stimmgewaltiger Anhänger des EU-Beitritts der Türkei war - Friede seinem Andenken. Für Deutschland geht es darum, die vorhandenen Einwanderer von zur Zeit 7,3 Millionen wenn möglich zu integrieren und die Einwanderung weiterer unqualifizierter Arbeitsloser aus Anatolien und ihrer Großmütter, Tanten und Zweitfrauen wenigstens zu begrenzen. Dies wird nur erreicht werden, wenn alle großen und einflußreichen Medien damit aufhören, nur noch die Wie-Frage, aber schon gar nicht mehr die Ob-Frage des Türkei-Beitritts zu erörtern, so, als wenn der Souverän schon entschieden hätte - er hat es nicht - und als gelte es nur noch zu diskutieren, ob die kurdische Minderheit sich frei bewegen darf, die türkische Polizei keine Gefangenen mehr foltert, ob Zypern in die Nato kommt und also von der Türkei anerkannt wird, ob den türkischen Frauen noch mehr Rechte auf Abtreibung und Scheidung zugebilligt werden und so fort. Anstatt zu diskutieren, ob die Bürger Europas die Türken als letztlich freizügige, also auf deutsch: einwanderungsberechtigte Bürger Europas aufnehmen wollen oder nicht.

Wenn wir die neue Bundeskanzlerin Merkel nicht nachdrücklich an ihr Versprechen erinnern, wenn die Völker Europas nicht unmißverständlich auf Volksabstimmungen über den Beitritt der Türkei fordern, dann sehen wir alle bald sehr alt aus. Wie nicht integrierte Einwanderung zur gewaltlosen Landnahme wird, können die Deutschen in den bereits fest in türkischer Hand befindlichen Berliner Stadtbezirken Neukölln, Weddig und einem Teil von Kreuzberg besichtigen. Dagegen hilft kein Prinz Eugen mehr.

Überwältigende Mehrheit: Europaparlamentsabgeordnete stimmen für Beitrittsverhandlungen mit der Türkei


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