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22.10.05 / Keine Auskunft / Außwärtiges Amt verweigert Druckfreigabe

© Preußische Allgemeine Zeitung / 22. Oktober 2005

Keine Auskunft
Außwärtiges Amt verweigert Druckfreigabe
von Manuel Ruoff

Das altersbedingte Ausscheiden des Generalkonsuls der Bundesrepublik Deutschland in Königsberg, Cornelius Sommer, nahm die PAZ zum Anlaß für ein Interview. Darin sollte Sommer über seine Erfahrungen in Königsberg / Kaliningrad berichten. Entsprechend dem Wunsche Sommers wurden die Fragen vorher schriftlich an Michael Ebel vom Pressereferat des Auswärtigen Amtes geschickt, um sie vor der Beantwortung durch den Diplomaten autorisieren zu lassen. In seinem Antwortschreiben vom 30. September teilte Ebel der PAZ mit, daß gegen das geplante Interview keine Bedenken bestünden. Er bat darum, daß vor dessen Abdruck sowohl ihm als auch Sommer die Möglichkeit zum Gegenlesen einzuräumen.

Die PAZ führte verabredungsgemäß mit Sommer ein telefonisches Interview. Die vorab mit dem Pressereferat und Cornelius Sommer vereinbarten Fragen wurden in einer entspannten Atmosphäre beantwortet. Die schriftliche Fassung wurde vor Abdruck Michael Ebel und Cornelius Sommer wie verabredet zugeleitet. Bis hierhin verlief alles reibungslos, doch dann kam die Überraschung.

Am 14. Oktober, vier Tage vor Redaktionsschluß, rief Michael Ebel in der Redaktion an: "Ich habe leider eine schlechte Nachricht." Das Interview könne so nicht autorisiert werden. Er habe wegen des Interviews schon "mit Herrn Sommer sprechen müssen" und das habe Sommer "so nicht gesagt". Darum gebeten, seine Kritik zu konkretisieren, erwiderte Michael Ebel, er sei nicht autorisiert zu sagen, was ihn an dem Interview störe - auch Herr Sommer lehne jede weitere Stellungnahme ab. Auf die Frage, ob sein Ministerium ein grundsätzliches Problem mit der PAZ habe, antwortete Ebel ausweichend - er könne nur soviel sagen: Das Interview autorisiere er nicht. In einem späteren Gespräch räumte Michael Ebel gegenüber der Redaktion ein, ihn habe, unter vielen anderen Formulierungen, die Verwendung des Begriffs "Königsberg" gestört.

Zu den inhaltlichen Gründen der Verweigerung des Auswärtigen Amtes bleiben darüber hinaus Vermutungen. So ging Sommer in dem Interview auch auf die Situation des Generalkonsulats und die Probleme, ein passendes Gebäude zu finden, ein. Neben den positiven Erlebnissen mit den Menschen vor Ort wurde der Frage nachgegangen, weswegen es auf russischer Seite womöglich Unbehagen und daraus resultierende Verzögerungen bei der Genehmigung einer neuen Unterkunft für das Deutsche Generalkonsulat gab. Brisantes kam darüber hinaus nicht zur Sprache - moderate bis diplomatische Antworten in einem Interview, das nicht sein durfte.


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