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29.10.05 / Zu belastet / Sachsen streitet um Nationalhymne

© Preußische Allgemeine Zeitung / 29. Oktober 2005

Zu belastet
Sachsen streitet um Nationalhymne

Dürfen Schüler die deutsche Nationalhymne lernen? Für manch einen westdeutschen 68er und mitteldeutschen Alt-Kommunisten müßte die Frage eigentlich lauten: darf man Schüler zwingen, die deutsche Nationalhymne lernen zu müssen.

"Nationalhymnen, deren Texte gar nicht - wie in der DDR - oder nur in ausgewählten Auszügen - wie heute - gesungen werden können, sind offenkundig ungeeignet, unkritisch in der Gegenwart verwendet zu werden", sagte der Fraktionschef der Linken im Landtag, Peter Porsch.

Wenn es allerdings nach der sächsischen CDU geht, dann sollte die dritte Strophe des Liedes der Deutschen schon in der Grundschule regelmäßig gesungen und Kenntnisse über die kulturellen Wurzeln der Nationalhymne gelehrt werden. Ein entsprechender Antrag des Unionsvorstandes wird auf dem kommenden Parteitag Anfang November in Schwarzenberg verhandelt werden.

Die Bedeutung der Nationalhymne für ein einiges deutsches Vaterland muß wieder stärker in das Bewußtsein treten", sagte CDU-Bildungsexperte Thomas Colditz. Auch im Kultusministerium steht man dem Anliegen der CDU durchaus offen gegenüber. Staatsminister Steffen Flath soll sich in der CDU-Fraktion grundsätzlich positiv geäußert haben.

Für den Vorsitzenden der PDS-Fraktion im Sächsischen Landtag sind solche Ambitionen natürlich eine Steilvorlage. Peter Porsch will die deutsche Nationalhymne abgeschafft wissen. "Joseph Hadyns Melodie ist eingängig und schon daher kein Problem", erklärt PDS-Pressesprecher Marcel Braumann. Man müsse eben nur Bertold Brechts "Kinderhymne" einsetzen. Man wolle das Lied der Deutschen nicht verbieten, "man sollte es aus historischen Gründen aber nicht mehr singen", meint Braumann. Die vermeintlich historische Belastung des Liedes stört die Sozialisten offensichtlich mehr als die historische Belastung ihrer eigenen Partei. Gegen Peter Porsch läuft derzeit eine Abgeordnetenklage mit dem Ziel, ihn wegen seiner mutmaßlichen Zusammenarbeit mit dem DDR-Ministerium für Staatssicherheit seines Mandates zu entheben.

Bei der SPD sieht man dem Antrag des Koalitionspartners keineswegs erfreut entgegen. Der SPD-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Arbeitskreises für Bildung und Kultur, Johannes Gerlach, mag einem solchen Antrag nicht zustimmen. "Ich persönlich habe mit der Nationalhymne kein Problem", erklärt Gerlach. Von einem derartigen Eingriff in den Schulalltag hält er aber nichts.

Noch weniger mag er aber der PDS folgen. "Es gibt Grundsymbole unseres demokratischen Wertekanons", so der Sozialdemokrat Gerlach, "die nicht der Tagespolitik unterworfen werden sollten. Dazu gehört auch die Nationalhymne."

Das dreistrophige Lied der Deutschen von Heinrich Hoffmann von Fallersleben, das dieser 1841 auf Helgoland gedichtet hatte, war den Nationalsozialisten zu sehr mit der verhaßten Republik von Weimar verknüpft. An die Macht gekommen beseitigte die NS-Führung die "demokratisch belastete" Hymne. Fortan sang man faktisch nur noch das Horst-Wessel-Lied, dem die erste Strophe des Liedes der Deutschen ("Von der Maas bis an die Memel ...") als Präludium gnadenhalber vorangestellt wurde.

Damit ist die Nationalhymne der Bundesrepublik im gleichen Maße belastet wie das von den Nationalsozialisten entwertete Reichstagsgebäude. Reichstag und Hymne sind beides Symbole der deutschen Demokratie. Wer sie als "historisch belastet" ablehnt, folgt nolens volens NS-Argumentationsmustern. B. K.


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