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29.10.05 / Kroatien entschädigt / Vertriebene: Abkommen von Wien und Zagreb ermöglicht Restitution

© Preußische Allgemeine Zeitung / 29. Oktober 2005

Kroatien entschädigt
Vertriebene: Abkommen von Wien und Zagreb ermöglicht Restitution
von Jan Bremer

Voraussichtlich vom Sommer kommenden Jahres an können aus dem heutigen Kroatien vertriebene Volksdeutsche, die heute österreichische Staatsbürger sind, die Rückerstattung ihres Eigentums beantragen.

Einem entsprechenden Vertrag, über den Österreich und Kroatien seit 2002 verhandelt haben, hat jetzt der kroatische Ministerrats zugestimmt, wie der Leiter der Vermögensabteilung des österreichischen Außenministeriums, Thomas Buchsbaum, gegenüber der Preußischen Allgemeinen Zeitung erklärt hat.

Nach ersten Meldungen in der deutschen und österreichischen Presse seien bereits "Hunderte von Anrufen" bei seiner Abteilung eingegangen, so Buchsbaum. Er machte jedoch deutlich, daß wegen der üblichen parlamentarischen und regierungsamtlichen Prozeduren mit einem Inkrafttreten des Vertrags erst gegen Mitte 2006 zu rechnen sei.

Wien verweist darauf, daß ein derartiges Abkommen noch von keinen anderen Ländern ausgehandelt worden sei. Die deutsche Bundesregierung lehnt es ab, bei der Realisierung von Eigentumsrechten von Heimatvertriebenen unterstützend tätig zu werden. Somit gilt die getroffene Regelung nur für die rund 20 Prozent der vertriebenen Volksdeutschen Kroatiens, die sich nach dem Krieg in Österreich niedergelassen haben. Gleiches räumt Zagreb natürlich auch allen österreichischen Staatsbürgern ein, die ebenfalls auf seinem Gebiet von jugoslawischen Stellen enteignete worden waren und anderen Volksgruppen angehörten. Für Personen, die bereits zum Zeitpunkt der Enteignung Österreicher gewesen waren, hatten Wien und Zagreb ein entsprechendes Restitutionsabkommen bereits vor Jahren abgeschlossen.

Wie die "Sudetendeutsche Zeitung" mitteilt, hatte das kroatische Entnationalisierungsgesetz von 1996 Bürger anderer Staaten zunächst ausgenommen von der Restitution ihres beschlagnahmeten Eigentums. Das Verfassungsgericht in Zagreb habe diese Regelung jedoch 2002 aufgehoben. Seitdem steht es nach Angaben Wiens jedem Land der Welt offen, die Rückgabe in einem zweiseitigen Vertrag mit Kroatien einzuleiten.

Vor 1939 lebten etwa 540000 Deutsche im damaligen Jugoslawien. Als Josip Broz Tito den jugoslawischen Staat 1944 erneut ausrief, waren es schätzungsweise noch etwa 200000, von denen in der Folgezeit rund 64000 dem jugoslawisch-kommunistischen Terror zum Opfer fielen. Die größte Gruppe unter ihnen stellten die Donauschwaben, von denen die meisten im Norden des heutigen Serbien siedelten, der sogenannten Vojvodina. 70000 lebten im heutigen Kroatien.

Wie die "Sudetendeutsche Zeitung" weiter berichtet, haben die jugoslawischen Behörden seinerzeit detailliert Buch geführt über die enteigneten deutschen Güter. Danach habe man 637939 Hektar Land deutscher Eigentümer konfisziert, von denen sich 120977 Hektar auf kroatischem Gebiet befunden hätten.

Die Enteignungen erfolgten im Rahmen der sogenannten "AVNOJ"-Dekrete von 1944 und 1946, die dem Inhalt nach den tschechoslowakischen Benesch- und den polnischen Bierut-Dekreten nahekommen. Beide Länder wehren sich beharrlich, über die Entschädigung von Vertriebenen zu verhandeln

Stichwort: Donauschwaben

Die Deutschen, die bis Ende des Zweiten Weltkrieges in Kroatien lebten, gehörten ganz überwiegend zum Stamm der "Donauschwaben". Deren Ursprungsgebiet liegt nur zum Teil im eigentlichen Schwaben, viele stammten aus dem Elsaß, der Rheinpfalz, Lothringen und anderen süddeutschen Regionen und wanderten ab Ende des 17. Jahrhunderts in den Donauraum, wo sie durch die Türkenkrieg entvölkerte Gebiete neu besiedelten. Die in der Nachbarschaft lebenden Ungarn nannten die Siedler pauschal "Schwaben". Die "Donauschwaben" wurden von der österreichischen Krone gezielt angeworben zur Entwicklung des Landes und als Wehrbauern an der Grenze zum Osmanischen Reich, das noch lange den südlichen Balkan beherrschte.

Flucht der Donauschwaben: Fluchttreck aus dem Ort Sarwasch / Sarvas in Slowenien auf dem Weg nach Österreich. Der Aufbruch des Trecks war am 31. Oktober 1944, die Ankunft in Deutschlandsberg (Österreich) am 1. Dezember 1944. Foto: Donauschwäbisches Zentralmuseum, Ulm


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