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29.10.05 / Zeitzeuge / Horst Potz berichtet vor 80 Gymnasiasten

© Preußische Allgemeine Zeitung / 29. Oktober 2005

Zeitzeuge
Horst Potz berichtet vor 80 Gymnasiasten

Die Zahl der Ostpreußen, die noch aus eigenem Erleben von Flucht und Vertreibung Zeugnis abliefern kann, nimmt ab - um so wichtiger ist es, die Erfahrungen anderen zu vermitteln. So denkt Horst Potz (76), geboren in Popelken im Kreis Labiau. Er sprach in der Aula des Lehrter Gymnasiums in Niedersachsen vor 80 Schülerinnen und Schülern über seine traumatischen Jugenderlebnisse und möchte andere Ostpreußen zur Nachahmung anregen.

"Es war lange Zeit nicht opportun, auf die deutschen Leiden nach dem Zweiten Weltkrieg hinzuweisen", so der Gymnasiallehrer Uwe Röber zu Beginn der Veranstaltung. Die Zeiten haben sich geändert: Als 16jähriger flüchtete Horst Potz vor der Roten Armee und sprach vor Vertretern der jungen Generation offen darüber. Schüler der zwölften und 13. Klasse hörten zu. "Ich als Ältester der Geschwister mußte die Entscheidung zur Flucht treffen", berichtete Potz. Bei Minus 25 Grad ging es auf Getreidewagen gen Westen - "keine Zeit darüber nachzudenken, ob man das auch schaffen kann". Über Pillau und Stettin kam die 13köpfige Familie in Arpke an. Es war eine Reise voller Schrecken: "Eine Mutter warf ihr Baby in die Arme meiner Mutter am Kai, aber es fiel ins eiskalte Wasser - die Mutter hat nur kurz aufgeschrien und sich dann um die anderen Kinder gekümmert", sagte Potz. Haß empfinde er trotzdem nicht gegenüber den Russen: "Es sind nicht die Menschen, die schlimm sind, sondern der Krieg". Die Jugendlichen zeigten Verständnis - unter ihnen waren auch Enkel anderer ostpreußischer und ostdeutscher Flucht- und Vertreibungsopfer. Ihre Großeltern hätten

oftmals nicht die Kraft, von ihren Erlebnissen zu berichten, sagten einige der Schüler.


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