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29.10.05 / Der Kapitän der Weltmeisterelf von 1954 / Am 31. Oktober wäre der erste Ehrenspielführer des Deutschen Fußballbundes Fritz Walter 85 Jahre alt geworden

© Preußische Allgemeine Zeitung / 29. Oktober 2005

Der Kapitän der Weltmeisterelf von 1954
Am 31. Oktober wäre der erste Ehrenspielführer des Deutschen Fußballbundes Fritz Walter 85 Jahre alt geworden
von Ilse Hennigs

Am 31. Oktober 1920 wird Fritz Walter in Kaiserslautern als ältester von fünf Söhnen geboren. Sein Vater ist Wirt der Vereinsgaststätte des 1. FC Kaiserslautern, dem der Sohn sein Leben lang verbunden bleiben wird. 1928 wird der Junge Mitglied der Schülermannschaft des Vereins. Bis 1937 bringt er es bis zum Stürmer in der ersten Mannschaft des Fußballclubs. Im Zweiten Weltkrieg spielt Walter erstmals in der Fußballnationalmannschaft seines Landes. Bereits sein erster Auftritt in der Elite-Elf macht den damals erst 19jährigen Pfälzer mit einem Schlag landesweit berühmt. Er schoß beim 9:3-Sieg Deutschlands am 14. März 1940 in Frankfurt gegen Rumänien auf Anhieb drei Tore. Sein Trainer ist schon damals Sepp Herberger.

Mit dem Spielen ist 1942 jedoch erst einmal Schluß. Walter wird in die Wehrmacht eingezogen und gerät im Laufe des Krieges in russische Gefangenschaft. Er hat jedoch das Glück, bereits Ende 1945 wieder nach Deutschland zurückkehren zu können.

Er kann wieder spielen. Fünf Mal zwischen 1948 und 1955 stehen die "Roten Teufel vom Betzenberg", die in den 50er Jahren in der Öffentlichkeit den ehrenden Namen "Walter-Elf" erhalten, im deutschen Endspiel. Beim ersten Nachkriegsendspiel scheitern sie noch am 1. FC Nürnberg mit 1:2. 1951 gegen Preußen Münster und 1953 gegen den VfB Stuttgart gehen sie jedoch mit einem 2:1 beziehungsweise 4:1 als Meister vom Platz. 1953 ist es auch, daß Walter mit 38 Toren Torschützenkönig der Oberliga Südwest wird. Seine einzigartige Begabung wird zum Beispiel bei einem Spiel des FCK gegen Wismut Aue 1956 in Leipzig deutlich: Nach vorne springend bugsiert er das Leder mit den Hacken über die Linie - nicht selten wird dieser Treffer als "Jahrhunderttor" bezeichnet. Bis 1959 spielt Fritz Walter für "seinen" 1. FC Kaiserslautern, schlägt zwischenzeitlich lukrative Angebote aus Frankreich und Spanien aus.

Internationalen Ruhm erlangt Fritz Walter jedoch in und mit der deutschen Nationalmannschaft. Sein erstes Nachkriegstor in deren schwarz-weißem Dreß schießt Walter 1951 in einem Länderspiel gegen die Schweiz.

Die Zuschauer der Fußballweltmeisterschaft 1954 in Bern erleben den Ausnahmesportler dann als Kapitän und Regisseur der Nationalmannschaft seines Landes. Deutschland gewinnt nach dem für die Öffentlichkeit völlig überraschenden 3:2-Sieg über den Favoriten Ungarn im Wankdorfstadion von Bern diese Meisterschaft, deren Bedeutung für die Psyche der Deutschen, und nicht nur der Westdeutschen, kaum überschätzt werden kann.

Die nächste Weltmeisterschaft von 1958 wird Walters letzte als teilnehmender Spieler. Nach dem mit 1:3 verlorenen Halbfinalspiel gegen Gastgeber Schweden verläßt der inzwischen 37jährige die Nationalmannschaft. Bis dahin hatte er 30mal die Binde des Kapitäns am Oberarm getragen und in insgesamt 61 Länderspielen 33 Tore für sein Land geschossen. Dem Ausscheiden aus der Nationalelf folgte kurz darauf die Beendigung seiner Karriere als Spieler des 1. FC Kaiserslautern.

Nachdem er 1959 nach 379 Meisterschaftsspielen und 306 Toren für den 1. FCK die Fußballschuhe an den Nagel gehängt hat, wendet er sich der Werbung zu und findet als Repräsentant eines großen Sportartikelherstellers einen neuen Beruf. Als Repräsentant der neugegründeten Sepp-Herberger-Stiftung engagiert er sich ab 1976 mit viel Einsatz für die Resozialisierung jugendlicher Straftäter. 1998 legt er diese Aufgabe aus gesundheitlichen Gründen in die Hände seines einstigen Mannschaftskollegen Horst Eckel. Bis zu seinem Tod war Fritz Walter bemüht, das soziale Vermächtnis des von ihm verehrten "Chefs" Sepp Herberger weiterzuführen.

In der "Fritz-Walter-Stiftung" lebt der Name des über den Fußball hinaus weltweit populären Fußballers weiter. Des weiteren trägt seit seinem 65. Geburtstag die Arena auf dem Betzenberg seinen Namen. Die von ihm als Trainingsgerät entwickelte Torwand erlangte durch das "Aktuelle Sportstudio" nationale Bekanntheit und ziert inzwischen unzählige Sport- und Spielstätten

Als WM-Botschafter war der erste Ehrenspielführer des DFB maßgeblich daran beteiligt, daß Kaiserslautern einer der Austragungsorte der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 sein wird. Seinen letzten großen öffentlichen Auftritt hatte er am 5. Dezember 2001, als die Lauterer Delegation in Frankfurt am Main ihre Bewerbungsunterlagen beim Organisationskomitee abgab. "Wenn ich mit meinem Bruder Ottmar und Horst Eckel auf die Tribüne des Fritz-Walter-Stadions gehen darf, um WM-Spiele zu sehen", sagte er damals, "dann wäre das für mich das Größte, dann wäre ich dem lieben Gott dankbar." Dieses wird Fritz Walter nicht mehr vergönnt sein. Am 17. Juni 2002 verstarb der Kapitän der Fußballweltmeistermannschaft von 1954 im Alter von 81 Jahren in seinem Haus in Enkenbach-Alsenborn.

Fritz Walter mit dem Weltmeisterpokal beim Triumphzug durch München am 6. Juli 1954


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