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29.10.05 / Ohne Besserwisserei / Britischer Militärhistoriker legt eindrucksvolle deutsche Zeitzeugenberichte vor

© Preußische Allgemeine Zeitung / 29. Oktober 2005

Ohne Besserwisserei
Britischer Militärhistoriker legt eindrucksvolle deutsche Zeitzeugenberichte vor

Der britische Militärhistoriker Tony Le Tissier, der sich mehrfach durch Bücher über den Zweiten Weltkrieg ausgezeichnet hat, die weitaus mehr Fairneß gegenüber den deutschen Soldaten erkennen ließen, als angepaßte deutsche Historiker-Kollegen ihren Landsleuten zubilligten, legt einen Sammelband von Augenzeugenberichten deutscher Soldaten aus den Kämpfen der letzten Monate an der Ostfront vor.

Es ist eine Mischung von Zeitzeugenberichten: Vom 16jährigen Luftwaffenhelfer bis zum Divisionskommandeur haben sie niedergeschrieben, was sie auf dem größten Schlachtfeld auf deutschem Boden zwischen den Seelower Höhen und Berlin erlebten.

Alle Berichterstatter bemühten sich, nicht aus der Rückwärtsschau die Vorgänge zu schildern, sondern versetzten sich zurück in jene Zeit. Besserwisserische Kommentare fehlen und machen das Buch ehrlich und daher sympathisch. Aus den Berichten entsteht ein Überblick über das verzweifelte Bemühen der allermeisten Soldaten, Heimat, Frauen und Kinder vor der Roten Armee zu schützen. Man erfährt von bewundernswerter Selbstüberwindung, aber auch vom zunehmenden Chaos in der obersten Führung, bis keine Führung oberhalb der Division mehr vorhanden war. Da übernahm die untere Truppenführung selbständig das Kommando. Ob Wehrmacht oder Waffen-SS, Hitlerjugend oder Arbeitsdienst, Volkssturm oder Polizei - sie alle schlugen sich in kleinen Gruppen mit dem Mut der Verzweiflung gegen die

mit Übermacht anstürmenden Sowjets.

Die Zeitzeugen berichten von schrecklichen Greueln der Roten Armee gegen die Zivilbevölkerung, auch von Seydlitz-Truppen (das waren in der sowjetischen Gefangenschaft ungeschulte deutsche Soldaten, die am Kriegsende in deutschen Uniformen gegen Deutschland eingesetzt wurden). Wurden sie erkannt, gab es keinen Pardon.

In einem Bericht wird erwähnt, daß Seydlitz-Soldaten ihre Offiziere erschossen, als sie in deutsche Gefangenschaft gerieten. Man liest von deutschen Frauen und Kindern, die als Kugelfang auf Sowjetpanzer gebunden worden waren, aber auch von einer Desertion einer Dolmetscher-Kompanie(!) der Luftwaffe, die geschlossen zu den Sowjets überlief, als sie zum ersten Mal eingesetzt wurde.

Eindrucksvoll der ausführliche Bericht über den Einsatz des Volkssturmbataillons 3/119 "Siemensstadt", das aus Arbeitern und Angestellten der Siemens-Werke zusammengestellt worden war. Man hatte die Formation frühzeitig ins Leben gerufen und sorgfältig ausgebildet - neben der Berufstätigkeit, der die Männer bis zur letzten Minute nachgingen. Die Unterführer- und Führer-Positionen wurden eingenommen von Direktoren, Abteilungsleitern und anderem Führungspersonal des Siemens-Konzerns, die bereits im Ersten Weltkrieg soldatische Erfahrungen hatten sammeln können. Das Bataillon zeigte sich als in den Kämpfen gleichwertig mit jeder erfahrenen Wehrmachteinheit.

Der Leser kann den Weg des Bataillons von der Verteidigung im Raum Hellersdorf / Marzahn / Kaulsdorf bis zum Ende in der Schönhauser Allee miterleben und muß vor der Tapferkeit der Siemens-Männer den Hut ziehen.

Unpassend das Titelbild eines weinenden Kindes in Uniform. Das war nicht das typische Bild der damaligen Jugend!

Alles in allem ein lesenswertes Buch, das man auch der heutigen Generation in die Hand geben sollte, um ein Gegengewicht gegen die Verblödung durch Fernsehen und Geschichtsunterricht zu bilden. H.-J. von Leesen

Tony Le Tissier (Hrsg.): "Der Tod war unser Begleiter", Ares Verlag, Graz 2005, geb., 240 Seiten, 19,90 Euro


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