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29.10.05 / Stunde Null? / Probleme beim Neubeginn 1945

© Preußische Allgemeine Zeitung / 29. Oktober 2005

Stunde Null?
Probleme beim Neubeginn 1945

Im Mai dieses Jahres wurde überall in den Medien und auch bei öffentlichen Veranstaltungen 60 Jahre Kriegsende gefeiert. Schon letztes Jahr begann die Berichterstattung, steigerte sich im Frühjahr noch einmal, um dann am 8. Mai ihren Höhepunkt zu erreichen. Von da an war es schlagartig ruhig um das Thema Zweiter Weltkrieg, dabei ist die Zeit danach mindestens genauso interessant und wegweisend für uns Deutsche.

In "Der Neubeginn" schildern zahlreiche Autoren, wie die Deutschen die ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg erlebten und vor welchen Problemen und Herausforderungen sie standen, denn für sie war mit dem 8. Mai 1945 keineswegs ihre persönliche Not beendet. Für manche begann sie sogar erst.

"Wie sollten sie auch den Frieden als Neubeginn begreifen, da der Krieg Tag für Tag in ihrem Leben nachwirkte? Tausende starben nach dem 8. Mai 1945 an diesem Krieg: in den Lagern, Lazaretten, auf den Rheinwiesen, bei den Transporten nach Rußland. Für sie kam der Frieden zu spät. Nach Kriegsende töteten nicht mehr Bomben und Granaten, sondern Hunger und Krankheit. In der Stadt Königsberg in Preußen starb die Hälfte der Bevölkerung, die den Krieg überlebt hatte, im Jahr danach an Hungertyphus ... Sie kannten keine Aufbruchstimmung, ihre Stunde Null zog sich in die Länge." Arno Surminski gelingt es exzellent, in seinem Vorwort die Situation und die Gefühle der Menschen nach Kriegsende zu schildern.

Aber auch viele der anderen Autoren vermitteln einen tieferen Einblick in die Situation der Deutschen nach Kriegsende. Schon in "Flucht und Vertreibung", im selben Verlag erschienen, war auf die Notlage der Ostdeutschen eingegangen worden. Während man dort jedoch mit der Ankunft im Westen endet, wird in "Der Neubeginn" auf die außergewöhnliche Notlage der häufig völlig mittellosen und traumatisierten Flüchtlinge und Vertriebenen eingegangen. Während die Welt der Einheimischen sich in erster Linie um "Hunger, Schwarzmarkt und ,Kohlenklau'" drehte, hatten die Ostdeutschen häufig eine langjährige Odyssee durch Lager oder als ungeliebter Untermieter vor sich.

Auch das Leid der Kriegsgefangenen und deutschen Zwangsarbeiter wird thematisiert. "Am 10. Juli 1945 übernahmen daher die Franzosen alle amerikanischen Kriegsgefangenenlager, die sich in der späteren französischen Zone befanden ... Für die Gefangenen bedeutete dieser Wechsel keine Verbesserung, sondern eine Verschlechterung, besaßen die Franzosen doch viel weniger als die USA die Ressourcen, die notwendig waren, um eine solche große Zahl von Kriegsgefangenen zu ernähren."

Ob Wiederaufbau, Entnazifizierung, Marshall-Plan, Grundgesetz, Parteienbildung, Neubildung der Presse, Literatur, Theater und Film; die Themenauswahl ist sehr vielfältig. Alle Texte sind eindrucksvoll bebildert. Obwohl manche Fotos schon bekannt sind, fallen sie hier aufgrund ihrer besonderen Druckqualität positiv auf. Andere Fotos hingegen sind selbst - trotz Konjunktur dieses Themas - bisher kaum an anderen Stellen veröffentlicht worden.

Mehr als nur eine gelungene Übersichtsdarstellung! R. Bellano

"Der Neubeginn", Ellert und Richter", Hamburg 2005, geb., 176 Abb., 256 Seiten, 24,95 Euro; 

"Flucht und Vertreibung", Ellert und Richter, Hamburg, geb., zahl. Abb., 280 Seiten, 24,95 Euro;


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