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12.11.05 / Moslehner-Fotos jetzt auch im Internet / Die Schönheit der alten Aufnahmen soll durch die neue Technik nun Liebhabern in aller Welt zugänglich sein

© Preußische Allgemeine Zeitung / 12. November 2005

Moslehner-Fotos jetzt auch im Internet
Die Schönheit der alten Aufnahmen soll durch die neue Technik nun Liebhabern in aller Welt zugänglich sein
von Reiner Keiffenheim

Meine Frau Brigitte holte eines Tages alte Fotos hervor, Fotos, die ihr Vater Victor Moslehner von 1933 bis 1944 in Ostpreußen aufgenommen hatte. Ich war erstaunt über die vielen gelungenen und wunderschönen Schwarzweißfotos, kenne ich doch von meinem Vater, der ein begeisterter Hobbyfotograf ist, Bilder aus den Vor- und Kriegsjahren im Format 6 x 9 Zentimeter (Kontaktabzug von Negativen), die teilweise verblaßt und vergilbt sind. Was mich auch beeindruckte, war das Format (etwa 24 x 18 Zentimeter) der Fotos, die Brigitte mir zeigte. Mir war gar nicht bewußt, daß man seinerzeit schon eine derartige Auflösung ohne sichtbare Erkennung der Körnung hatte erreichen können.

Brigitte zeigte mir die Negative, von denen sie frische Abzüge hatte machen lassen. Leider haben auch die Negative auf der Flucht und beim Verstecken vor der Besatzung ihre Kratzer abbekommen.

Die Schönheit der Bilder, die von Victor Moslehner aufgenommen wurden, die eigenartige Dünenlandschaft sowie die neuartige Möglichkeit der Dokumentation von Vergangenem haben eine Leidenschaft für diese Fotografien in mir geweckt, die dazu führen sollte, daß diese Fotos nun, aller Welt zugänglich, im Internet zu betrachten sind.

Doch wie kommen diese alten Fotos ins Internet? Zunächst gilt es, die Fotos in qualitativ hochwertiger Auflösung zu digitalisieren: Die Fotos wurden Bild für Bild von neuen Abzügen mit einem guten Scanner in einer Auflösung von 600 Punkten / Zoll (dpi) abgetastet. Dies ergibt digitalisierte Bilder mit jeweils etwa 3000 x 4000 Bildpunkten, ausreichend, um hochqualitative Abzüge bis zu einer Größe von 50 x 75 Zentimeter (Posterformat) in einem entsprechenden Fotolabor herstellen zu lassen.

Victor Moslehner hatte noch ein eigenes Fotolabor. Er vergrößerte und entwickelte die Fotos selbst, immerhin bis zu einer Größe von 30 x 40 Zentimeter, die er einst schon in Königsberg über den Fachhandel verkaufte. Auch später im Westerwald stellte er Abzüge her und verkaufte weiterhin die schönen Fotos, bis er aus Platzgründen in der neuen Wohnung in Frankfurt / Main diese Beschäftigung aufgeben mußte.

Oft hat Brigitte ihrem Vater bei der Arbeit im Fotolabor zugeschaut. Mit Geschick behob er die Kratzer, indem er sie mit einem Retuschierstift auf dem Negativ neutralisierte. Auch hob er mit fotografischem Verstand die Kontraste der Fotografien durch entsprechende Belichtungszeiten oder Teilabdeckungen beim Belichten eindrucksvoll hervor. Hätte er doch nur erleben können, wie das heutzutage funktioniert:

Nachdem die digitalisierten Fotos im Rechner gespeichert sind, wird mit Hilfe einer Grafiksoftware im Prinzip das gleiche gemacht, wie es die Fotografen seinerzeit auch taten. Man muß dabei berücksichtigen, daß die Fotografie vor 50 Jahren und die Entwicklung der Fotos im eigenen Fotolabor bei weitem nicht damit vergleichbar sind, wie heute jedermann Fotos erzeugen kann.

Wie bereits erwähnt litten die Negative im Laufe der Zeit, besonders wenn sie Kriegswirren, Flucht und Vertreibung überstehen mußten. So war die Retuschierarbeit ein Muß, um Kratzer und Entwicklerflecken soweit wie möglich zu entfernen.

Diese Arbeit bleibt auch mir nicht erspart. Es gibt zwar Rechnerprogramme, die Staub und Kratzer in einem Gang auf dem Foto entfernen, doch geht damit auch ein Teil der Bildinformation verloren, und das Ergebnis ist von minderer Qualität.

So arbeite ich an jedem Bild am Computer wie ein Restaurator. Schrämmchen und Schrammen, Pünktchen und Flecken werden Stück für Stück bearbeitet: die richtige Pinselgröße einstellen, die passende Farbe (Graustufung) auswählen oder aus der Bildumgebung kopieren und die fehlerhafte Stelle überdecken.

Ist das Bild "gereinigt", gilt es noch, das Optimum an Kontrast, Helligkeit und Verteilung der Kontraststärken der Aufnahme herauszufinden und einzustellen. Dazu muß auch der Bildschirm so eingestellt sein, daß er möglichst getreu die Farbgebung widerspiegelt, die später vom Fotolabor erzeugt wird. Je nach Bild kann das schon eine Arbeit von Tagen bedeuten. Bei einem Bildvorrat von nahezu 700 Bildern eine Aufgabe, die sich sicherlich über Jahre erstrecken wird.

Ist ein Bild fertig, wird ein Probeabzug bestellt. Dazu schicke ich die Bilddatei an ein Digital-Fotolabor. Stimmen Farben und Qualität, erhalten die Bilddateien eine Namenserweiterung. Der Name eines Bildes besteht dann aus drei Teilen wie BBS05_118_r. Dabei bedeuten BBS05 die Bildbandserie 05, unter der die Negative archiviert sind, 118 die Motivnummer, unter der Victor Moslehner seinerzeit die Fotos angeboten hatte, und r, daß das Bild retuschiert wurde. All dies bedeutet doch einen erheblichen Aufwand, der allerdings durch das Ergebnis - historische Fotos mit hoher Qualität - gerechtfertigt ist.

Im Internet sind die Fotos als kleine Abzüge im Format 130 x 80 Zentimer oder 80 x 130 Zentimeter, je nachdem, ob Hoch- oder Querformat, zu betrachten. Man kann hieraus auch Bilder in hoher Qualität im Paßbildformat auf einem Fotodrucker - falls vorhanden - ausdrucken.

Klickt man auf eines dieser kleinen Fotos, auf die sogenannten Thumbnails, was bezeichnenderweise Daumennagel bedeutet, dann wird ein größeres Foto dargestellt, das die Details deutlicher wiedergibt.

Zum Schutz vor unerlaubtem Kopieren im Internet sind diese Fotos mit einem Copyright-Wasserzeichen versehen.

Doch die Sicht am Bildschirm ist natürlich nicht zu vergleichen mit den Abzügen auf echtem Hochglanz-Fotopapier, etwa die Totalansicht von Pillkoppen mit Haffbucht und Wanderdünen im Format 50 x 75 Zentimeter, wie sie im Bildrahmen bei uns im Flur hängt. Wer einen ersten Eindruck von den Moslehner-Fotos im Internet bekommen will, kann diesen unter http://opp.bbean.de erhalten. Viel Vergnügen!

 Pillkoppen in Ostpreußen: Blick auf die Haffbucht und die Dünenwelt


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