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12.11.05 / Trotz aller Widrigkeiten überlebt

© Preußische Allgemeine Zeitung / 12. November 2005

Trotz aller Widrigkeiten überlebt

Meine Tochter wurde am15. Juli 1945 in Königsberg geboren, und zwar im Krankenhaus der Barmherzigkeit. Sie lebte genau vier Wochen." In wenigen Worten berichtet Brigitta Langemann von dem Verlust ihrer Tochter in der Nachkriegszeit. "Ich hatte selbst keine Milch für sie, auch bekam ich nichts. Ich habe ihr dann aus Brennesseln Saft gekocht ...", trotzdem verhungerte die Kleine.

Schon Mitte der 80er Jahre hatte Bärbel Beutner, die Herausgeberin des Buches "Auf der Flucht geboren", die Idee, die Erlebnisse von auf der Flucht geborenen Kindern beziehungsweise deren Müttern zu sammeln. 1984 startete sie in dieser Zeitung einen Aufruf, auf den sie zahlreiche Zuschriften erhielt, aus denen sich dieses Buch zusammensetzt. 1986 erschien es zum ersten Mal. 2005, 60 Jahre nach Kriegsende und fast 20 Jahre nach der ersten Auflage, erlebt "Auf der Flucht geboren" nun seine zweite Auflage, denn die darin geschilderten Schicksale sind es wert, nicht in Vergessenheit zu geraten. Außerdem sind sie auch ein Zeichen der Hoffnung, denn nicht alle Berichte enden so, wie der von Brigitta Langemann. Es gab auch Mütter, die es geschafft haben, ihren Nachwuchs zu retten.

Paul Regier erinnert sich, wie sehr seine Mutter, die ihn am 13. Februar 1945 auf dem Flüchtlingsschiff Meteor II zur Welt brachte, auch nach dem Krieg um das Überleben ihrer Kinder kämpfen mußte. Die Hoffnung auf eine Heimkehr ihres kurz vor Kriegsende zum Volkssturm einberufenen Mannes war vergebens, doch immer wenn die Kinder frech waren, ermahnte die Mutter sie: "Ihr seid doch Studienratskinder!" R. B.

Bärbel Beutner: "Auf der Flucht geboren", Rautenberg, Würzburg 2005, geb., 174 Seiten, 12,95 Euro


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