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12.11.05 / Zwischen den Göttern / Roman über die ägyptische Pharaonin Nofretete

© Preußische Allgemeine Zeitung / 12. November 2005

Zwischen den Göttern
Roman über die ägyptische Pharaonin Nofretete

Ich Taduchepa, Tochter des Tuschratta, des Königs von Mittani, bin zum letzten Abschnitt meiner Reise gelangt. Elf Tage lang fuhr ich durch Syrien und den Sinai auf ägyptischen Wegen, bis ich das Herz des Großreichs erreichte. Heute habe ich hier, in der Stadt On, zum ersten Mal den Nil gesehen. Ich werde bald das königliche Schiff des Pharaos Amenophis III. besteigen, dem ich zur Gemahlin bestimmt bin und der mich in Theben erwartet."

Als Taduchepa dem Volk vorgestellt wird, riefen die Menschen einen Namen, ihren zukünftigen Namen, der sie zur Frau des Pharaos und somit zu einer Ägypterin machen wird: Nofretete - "Die Schöne ist gekommen".

Bald darauf verstirbt Amenophis III. an einer schweren Krankheit und Nofretete wird zur Frau seines Sohnes bestimmt, welcher sich selbst als König Echnaton betitelt.

Echnaton gewährt Nofretete den Wunsch, einen Streitwagen zu führen, und die Befürchtung des Volkes, daß der neue Pharao mit vielen Traditionen brechen wird, bewahrheitet sich.

Als er indirekt den Viel-Götterkult der Ägypter angreift, indem er von nur "einem" Gott spricht, beginnt es in den Reihen der Priester, welche um ihre Macht und ihren Reichtum fürchten, bedenklich zu rumoren.

Bei einer Audienz präsentiert der Pharao das neue Symbol Atons, seines Gottes.

",Es ist Symbol, nicht Abbild Gottes. Denn von Gott kann man kein Bild machen ... Ich will euch von diesem Gott sprechen, der, nachdem man ihn nicht abbilden kann ... Gott ist ... Er ist der Gott, der aus dem Bedürfnis nach Gott geboren wird, also ist er ... Gott.'"

Völlig auf den Sonnengott Aton fixiert und beseelt von dem Wunsch, ihm eine eigene Stadt zu erbauen, zeigt Echnaton kaum Interesse dafür, daß die Aufstände anderer Völker an den Grenzen Ägyptens immer stärker werden. Tatenlos muß Nofretete mit ansehen wie der Pharao mißmutig sämtliche Ratgeber davonjagt, ohne deren besorgniserregenden Neuigkeiten Gehör zu schenken.

Irgendwann reißt auch der schönen und von ihrem Ehemann maßlos enttäuschten Nofretete der Geduldsfaden. Ein Krieg scheint unumgehbar. Doch wie dieser ausginge, scheint ungewiß. Die Königin muß um ihr Leben und das ihrer fünf Töchter bangen.

Sehr anschaulich beschreibt Roberto Zacco die ägyptischen Pyramiden und Städte, wie sie damals ausgesehen haben mögen.

Fast vermeint der Leser die flirrende Hitze über der endlos scheinenden Wüste mit eigenen Augen zu erblicken. Nur ein Wimpernschlag scheint ihn von den dunkelhäutigen Tänzerinnen zu trennen, die ihre Körper im Takt der Musik wiegen.

Doch trotz der eindrucksvollen Atmosphäre und trotz des eindringlich geschilderten Kampfes Echnatons, die Vielgötterei abzuschaffen, bleibt ein fader Nachgeschmack nach der Lektüre zurück. Wer sich in der ägyptischen Geschichte auskennt und die neuesten Forschungen verfolgt, weiß beispielsweise, daß die berühmten "Briefe aus Amarna" keineswegs Nofretes Tagebücher waren. Auch in einem Roman sollte man sich bitte ein wenig mehr an die Fakten halten. A. Ney

Roberto Zacco: "Ich, Nofretete", dtv, München 2005, 480 Seiten, 8,90 Euro


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