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19.11.05 / Durchtrennt / Eine Straße - zwei Deutschlands

© Preußische Allgemeine Zeitung / 19. November 2005

Durchtrennt
Eine Straße - zwei Deutschlands
von Rebecca Bellano

Zwei Kilometer Deutschland - Fünfundzwanzig Lebenslinien kreuzen eine Straße" hat der Journalist Andreas Ulrich sein Buch über die Swinemünder Straße in Berlin genannt. Aber warum gerade ein Buch über die Menschen in dieser Straße? Was macht diese zwei Kilometer lange, von Berlin-Mitte nach Wedding führende Straße so interessant, daß man ihr ein ganzes Buch widmen müßte?

Da die Swinemünder Straße nach dem Zweiten Weltkrieg geteilt war, mitten durch sie die Grenze zwischen den zwei Deutschlands verlief, hoffte der Autor hier besonders interessante Geschichten zu erfahren, denn schließlich hat die Geschichte auch den Lebensalltag der Menschen berührt und sie geprägt. Wie erlebten die Bewohner die Teilung, wie den Mauerfall und die Zeit danach?

Auf seiner Spurensuche entlang dieser "Zwei Kilometer Deutschland" (Das Neue Berlin, Berlin 2005, broschiert, 190 Seiten, 16,90 Euro) mußte der 45jährige Berliner jedoch schnell erkennen, daß sehr viele der alten Bewohner der Straße gar nicht mehr dort wohnen. Viele, vor allem ältere Menschen, sind weggezogen, weil ihnen die Mieten in den neu sanierten Wohnungen zu teuer wurden. Andere zogen weg, weil zu viele Ausländer in die Gegend zogen. Manche jedoch konnte der Autor doch noch ausfindig machen. So Ilona Fichtner. Am 9. Februar 1984 hatten die Mutter zweier Söhne und ihr Mann sogar Besuch von der Presse und Erich Honecker höchstpersönlich. Die Fichtners waren in die zweimillionste sanierte Wohnung in der DDR gezogen. Da durfte natürlich der Staatschef nicht fehlen.

Auch Bernd Schottka kam direkt in Berührung mit der DDR-Presse. Er und sein Freund Thomas Molitor waren 1962 richtige Lausbuben und verärgert, weil sie aufgrund des Mauerbaues nicht mehr zu ihren Großeltern in den Westen der Stadt konnten. So hatten die beiden Jungen dann die Idee über das Dach der Swinemünder Straße 106 in den Westen zu klettern. Die Flucht der beiden Zehnjährigen wurde vereitelt, doch geprägt hat sie Bernd Schottka für sein Leben.

Auch Atakan Turgut erinnert sich, wie er kurz vor dem Mauerfall zum Einkaufen nach Ost-Berlin gefahren ist. "Als wir zum ersten Mal dorthin kamen, waren wir total erstaunt, daß es im Osten auch eine Swinemünder Straße gab. Das hatten wir nicht gewußt, obwohl wir in der Swinemünder Straße wohnten. Aber daß sie hinter der Mauer im Osten weitergeht ...?"

Doch nicht nur die Vergangenheit, auch die Gegenwart der Swinemünder Straße erkundet der Autor. Armut, Kindermangel, Multikulti, Integrationsprobleme; manche der von ihm befragten Personen erzählen allgemein Aufschlußreiches, andere geben einen Einblick in ihr ganz persönliches Schicksal zwischen Ost und West.

Neue Grenze: Mitten durch die Swinemünder Straße Foto: BPK


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