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03.12.05 / "... ein bißchen jespenstisch" / Trotz demographischen Defizits schwimmt das Kabinett Merkel in Familienvergessenheit

© Preußische Allgemeine Zeitung / 03. Dezember 2005

"... ein bißchen jespenstisch"
Trotz demographischen Defizits schwimmt das Kabinett Merkel in Familienvergessenheit
von Jürgen Liminski

Die Not des Landes, durch Staatsbankrott, Währungsverfall und außenpolitische Isolierung verursacht, hatte dieses Kartell der Angst der beiden großen Parteien geschmiedet". Mit diesen Worten beschrieb der "Spiegel" vor 39 Jahren, am

5. Dezember 1966, die neue große Koalition. Und aus der Rückenlehne seines Sitzes im Bundestag befand der langjährige Bundeskanzler Adenauer, die Zusammensetzung des Kabinetts sei schon "ein bißchen jespenstisch". Diese Befunde treffen sicher auch für die Neuauflage der großen Koalition zu, die seit der Wahl von Angela Merkel vor gut einer Woche zur ersten Bundeskanzlerin in Amt und Würden steht. Natürlich haben die Stimmungsexperten und Polit-Analysten an der Stimmenzahl abgelesen, wieviel Gramm Mißtrauen im Cocktail der großen Koalition enthalten sind. Aber ob es jemanden interessiert? Die Wahl war und ist das Ereignis, jetzt wird angepackt und das heißt zunächst mal sich vorstellen: Merkel in Paris, dann in Brüssel, dann in London. Seehofer in Brüssel, Steinmeier jetzt in Washington. Antrittsbesuche, Lächeln und erste Akzente. Und dann? Wird es die Frau an der Spitze des Machtkartells schaffen, Deutschland wenigstens ein Stückchen voranzubringen, fragt sich der Bürger.

Mächtig genug wäre sie. Man muß in der Tat in der Geschichte der Deutschen schon weit zurückgreifen, um auf eine Frau zu stoßen, die mit ähnlicher Machtfülle ausgestattet war, wie es Angela Merkel nun ist. Deshalb dürfte es auch nicht so verwunderlich sein, daß Angela Merkel ihre Vorbilder woanders sucht, zum Beispiel

bei Katharina der Großen, die zwar Rußland regierte, aber aus Deutschland kam. Nur: Das hilft ihr wenig. Entscheidend bei der Machtfrage sind weder die Vergangenheit noch die Vorbilder, sondern die Zukunftsfähigkeit. Und die entscheidet sich am inneren Kompaß, am geistigen Koordinatensystem.

Sicher, aus der Vergangenheit kann man lernen und vielleicht wurde sie auch in Paris fündig, wo Chateaubriand 1818 die Zeitschrift "Le Conservateur" gründete. Ihm ging es nicht, wie er auf der ersten Seite selber schrieb, um das Bewahren des Status quo, sondern um das "Festhalten an den gesunden Erkenntnissen" im Wandel der Zeiten. Nur was passiert, wenn die Konservativen die gesunden Erkenntnisse nicht mehr erkennen oder wahrnehmen?

Die große Koalition ist ein Sammelbecken des Unvereinbaren, damals wie heute. Man kann ihren Erfolg oder Mißerfolg noch nicht absehen. Der Kanzler der ersten großen Koalition, Kurt Georg Kiesinger, sah viele Risiken, meinte aber: "Ich würde den für einen Narren halten, der alle Konsequenzen vorauszukalkulieren versuchte." Es scheint eine deutsche Krankheit zu sein, alle Konsequenzen bis ins letzte

vorauskalkulieren zu wollen. Noch größere Narren aber sind die, die die Konsequenzen verkennen, die aus dem Verrat an der eigenen Programmatik erwachsen. Da haben Leute wie Merz und Böhr, die nachhaltig die Handschrift der CDU in der großkoalitionären Vereinbarung vermissen, schon recht. Das kann auf Dauer nicht gutgehen. Die Zukunftsfähigkeit liegt weder in den Betrieben noch in den Parteien noch in den Gewerkschaften. Sie liegt in den Familien. Insofern ist das Kabinett Merkel mit seiner Familienvergessenheit schon etwas gespenstisch.

Deutschland bietet kaum mächtige Frauen als Vorbild, Zukunftsfähigkeit liegt in den Familien


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