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03.12.05 / Französischer 007 / Ulrich Wickerts Richter Ricou ermittelt wieder

© Preußische Allgemeine Zeitung / 03. Dezember 2005

Französischer 007
Ulrich Wickerts Richter Ricou ermittelt wieder

Endlich einmal ein Journalist, dem man die Freude am Erzählen nicht austreiben konnte", lobte Peter Scholl-Latour die Erzählfreude des "Tagesthemen"-Moderators Ulrich Wickert. "Die Wüstenkönigin - Der Richter in Angola" belegt auf jeden Fall, daß Wickert frankophil und keineswegs nur auf die nüchtern nachrichtlichen Themen fixiert ist. 2003 ließ er seinen Pariser Untersuchungsrichter Jacques Ricou erstmals ermitteln. Dieser kam in den Medien so gut an, daß "Monsieur le juge" 2005 wieder ermitteln darf.

Eigentlich scheint dieser Fall auf den ersten Blick Routine. Ricou nimmt auf einer Rave-Party einen jungen Mann fest, der in seinem Wohnmobil einen Haufen Drogen versteckt hat. Unter Druck gesteht der vermeintliche Dealer Didier Lacoste jedoch, daß er sich sein Geld keineswegs mit Drogenhandel verdient, sondern immer mal ein paar Tausender bei seinem Vater mitgehen läßt. Dieser ist leitender Beamter bei einer staatlichen Behörde, in deren Auftrag er Waffen ans Ausland verkauft - offenbar nicht immer legal. Schnell stellt sich heraus, daß auch besagter Vater nur ein kleiner Fisch ist und es um illegale Waffengeschäfte in Milliardenhöhe geht, an denen sogar der Innenminister beteiligt ist.

Während Ricou also gegen alle Widerstände versucht, den hohen Tieren in der französischen Gesellschaft auf die Schliche zu kommen, tun diese alles, um ihn zu stoppen. Unter anderem setzen sie die schöne Angolanerin Lyse auf den Richter an, der der geheimnisvollen "Wüstenkönigin" sofort verfällt.

Am Ende seiner Ermittlungen verschlägt es Ricou sogar nach Angola, wo er hinterhältig ermordet werden soll, aber dank Lyses Verbindungen in ihre Heimat überlebt er, doch wieder in Frankreich erfährt der Todgeglaubte Unbeschreibliches.

Wickerts facettenreicher Polit-Krimi um den Richter Ricou ist ohne Zweifel sehr spannend konzipiert, doch ein wenig belächeln muß man seinen gegen Bestechung und Korruption ermittelnden Richter Ricou schon. Mit ihm hat der Journalist einen französischen James Bond geschaffen, der statt einen geschüttelten Martini lieber Whiskey trinkt und gutes französisches Essen liebt. In Sachen Frauen steht Ricou 007 aber in nichts nach. Ex-Frau Jaqueline, die Ex-Geliebten Amadé und Margaux und nun die junge, geheimnisumwitterte, exotisch-schöne Lyse sorgen für Abwechselung im Privatleben des Richters. Herrlicher können keine Männerphantasien sein. Da zu einer Männerphantasie auch immer eine gewisse Brise Abenteuer gehört, darf der Richter in Angola auf einem riesigen Minenfeld um sein Leben kämpfen und muß mehrere Mordanschläge - leicht erschöpft, verschwitzt, ausgeraubt, aber mit einem unerschütterlichen Willen - überstehen. Na, wenn das man keine ideale Vorlage für ein Hollywood-Justiz-Action-Abenteuer ist. R. Bellano

Ulrich Wickert: "Die Wüstenkönigin - Der Richter in Angola", Hoffmann und Campe, Hamburg 2005, geb., 302 Seiten, 21 Euro


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