19.01.2022

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03.12.05 / Mit Gras ins Glück

© Preußische Allgemeine Zeitung / 03. Dezember 2005

"Moment mal!"
Mit Gras ins Glück
von Klaus Rainer Röhl

Jetzt haben wir gerade die Sache mit dem "Ekelfleisch" gehabt. Verdorbenes Fleisch mit dem falschen Datum versehen. Igitt. Keine Leberwurst mehr kaufen. Kein Hack. Am besten überhaupt kein Fleisch. Vor vier Wochen lief die Sache mit der asiatische Hühnergrippe an, die über die Zugvögel an unsere Gänse und Enten herankommt. Also kein Gänsebraten zu Weihnachten und eigentlich auch keine Pute.

Vorher lief die Sache mit dem genmanipulierten Mais über alle Sender, genverseucht! Aber die Menschen wollen kein Gen-Food, sagte Frau Künast, und nachdem "Panorama" und "Monitor" und der "Stern" und die "taz" und die "Zeit" ihnen das Jahre lang eingehämmert hatten, wollten sie es tatsächlich nicht, man konnte sie befragen.

Wer ein gutes Gedächtnis hat, wird sich auch noch daran erinnern, daß wir viele Jahre lang keine Pfifferlinge oder Blaubeeren aus Ostpreußen mehr essen sollten, weil die durch Tschernobyl verseucht seien, und zwar für immer! Der explodierte russische Schrottreaktor von Tschernobyl dient heute noch dazu, in Deutschland, als einzigem Land Europas (!), die modernen Atomkraftwerke abzuschalten, die sich andere Länder wegen ihrer großen Betriebssicherheit bei uns in großer Stückzahl bestellen. Bis zum Jahr 2020 sollen die deutschen Reaktoren abgeschaltet sein. Auch Angela Merkel hat im Koalitions-Vertrag nicht an diesem Beschluß rütteln können, kommt Zeit, kommt Rat bis 2020, hat sie sich vielleicht gedacht, und das Umweltministerium darf in der Zwischenzeit weiter Trittins Schnapsidee mit den Windmühlen fördern.

Alles für "die Menschen", für das deutsche Volk, von dem Schaden abzuwenden man sich eidlich verpflichtet hat in der großen Koalition, mehrheitlich mit dem Zusatz "So wahr mir Gott helfe". Man kann ja nie wissen.

Gesundheitsministerium, Umwelt- und Verbraucherschutzministerien waren rot-grüne Domänen geworden. Herzensanliegen, sagten sie. Die "Bürger" zu schützen. Vor allem vor den Machenschaften der globalen Chemiekonzerne, der internationalen Nahrungsmittelhersteller und der geldgierigen Supermarktketten. Wir waren geradezu eingebettet in Fürsorge und Kontrollen. Jedenfalls hat die Besorgnis um unsere Zukunft und unsere Gesundheit in den sieben Jahren Rot-Grün erstaunlich zugenommen. Ohne daß es den Menschen nun gesundheitlich besser gegangen wäre, sie gingen nur weniger zum Arzt, schluckten nicht so "viele teure Medikamente" und meldeten sich nicht so leicht krank. Mal abgesehen von fünf Millionen Arbeitslosen und weiteren drei Millionen mit staatlich unterstützter Scheinarbeit, geht es uns immer besser und besser. Das soll auch in der großen Koalition so bleiben. Das Bewährte bleibt.

Wie aber kommt es, daß bei soviel Fürsorge die Verbreitung von Haschisch beziehungsweise Marihuana seit (1968!) von Jahr zu Jahr gestiegen ist, und zwar kontinuierlich? Die hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger (CDU) schlug in der letzten Woche Alarm: In den vergangenen zehn Jahren habe sich die Zahl der Konsumenten von Haschisch und Marihuana in der Altersgruppe der 18- bis 39jährigen fast verdreifacht, die Jugendlichen erst gar nicht gerechnet, denn eine Erhebung in Hessen habe gezeigt, sagte die Ministerin, daß unter den 15- bis 16jährigen schon 30 Prozent Erfahrungen mit Cannabis hätten und das Durchschnittsalter des Erstkonsums immer niedriger geworden sei. Auch die Zahl der intensiven Konsumenten wachse stetig. Inzwischen seien bundesweit 400000 Konsumenten von Haschisch und Marihuana abhängig. Diese Dauerkonsumenten sind zu regelmäßiger Arbeit praktisch unfähig. Wie der heute 21jährige Amon Barth, ein junger Mann, der mit 13 zu "kiffen" anfing und nach fünf Jahren in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie landete. Er wurde geheilt, nach einer einjährigen Therapie. Er hat gerade ein Buch bei Rowohlt herausgebracht: "Breit - Mein Leben als Kiffer", ein erschütternder Bericht über den Teufelskreis des Selbstbetrugs der Süchtigen. "Zuerst präsentieren Dir die Idole der Hippies das Gras als eine Droge der Gedankenbeflügelung, des Glücks und der Befreiung", sagt er im Interview mit der "Welt", und deshalb gäbe es "viele Kiffer, die sagen, daß sie Sänger, Schauspieler, Künstler werden wollen, aber am nächsten Tag machen sie sich nicht auf den Weg. Sie verschieben alles und tatsächlich geschieht nie etwas". Bis zum nächsten Joint hängen sie durch und dann hängen sie ab. Hat das nichts mit der Volksgesundheit zu tun? Ist Haschisch weniger schädlich als "Gen-Food" und Eier aus der Käfighaltung? Wenn ja, warum?

Weil, nach einer für normale Menschen nicht mehr nachvollziehbaren fixen Idee aus dem Jahr 1968, an allem Übel der Kapitalismus schuld sei. Es sind die gleichen Ideologen, die seit 1968, leider recht erfolgreich, für die Freigabe der sogenannten sanften Drogen für Jugendliche kämpfen und damit erreicht haben, daß heute die Jugendlichen ziemlich problemlos schon auf dem Schulhof an die Einstiegsdroge herankommen. Die Befürworter aus den Reihen der sonst so rigiden Natur- und Umweltschützer leugnen, daß Cannabis meist eine Einstiegsdroge für die schwer giftigen synthetischen Drogen wie Ecstasy und Crack ist.

Den vor einem Jahr erschienenen "Spiegel"-Titel, in dem diese Verbindung detailliert beschrieben und belegt wird, (siehe "Spiegel", Nr. 27, 2004, "Die Seuche Cannabis. Drogen an Deutschlands Schulen"), ignorieren sie hartnäckig. Die Hartnäckigkeit hat etwas mit ihrer eigenen politischen Sozialisation ab 1968 zu tun, die mit ein paar Gramm Haschisch und ein paar LSD-Pillen zur Bewußtseinserweiterung begonnen hatte, "Hattu Haschisch inne Taschen - hattu immer was zu naschen". Schließlich sollte die Bewußtseinserweiterung den autoritären Zwangscharakter der Gesellschaft entlarven und aufbrechen und einen neuen Menschen schaffen.

Wir müssen leider feststellen, daß den Schülern von Marx und Marcuse das, schon lange vor den sieben Jahren rot-grüner Gesinnungsdiktatur, zum großen Teil gelungen ist. Der neue Mensch wächst bereits in unseren Schulen heran. Die deutsche Jugend insgesamt ist, nach 30 Jahren Langem Marsch der 68er Eliten an die Macht, nicht mehr auf der Suche nach Herkunft, Geschichte und Identität, sondern nach dem neuesten Kick, dem letzten Hit, den sie sich vom Internet "downloaden" und nach dessen Klängen oder Rhythmen sie sobald wie möglich in der nächsten Disco "abtanzen" muß, sich erholen von dem gewaltigen Streß, den die Schule in ihren Augen darstellt. Auch hier an den Schulen gibt es freilich eine ZweiDrittel-Gesellschaft, geprägt durch die Elternhäuser, die dem allgemeinen Trend entgegenwirken, die auch wirtschaftlich intakt sind und Zeit für ihre heranwachsenden Kinder haben. Das ist sicher eine Mehrheit von um die 70 Prozent, aber was wird mit den übrigen 30 Prozent? Kümmert sich nicht ein besonders begabter Lehrer oder ein Sportverein um die Tageswaisen mit dem Hausschlüssel, so beginnt für diese übrigen 30 Prozent nach dem Erstkonsum von Haschisch vielleicht der Dauerkonsum.

Das Resultat ist tatsächlich Entspannung, man kann auch sagen: Gleichmut. Gleichgültigkeit wäre genauer. Die Angst vor dem schlechten Zeugnis nimmt ab. Die Freude auf ein gutes Zeugnis auch. Die Motivierung und Lust am Lernen läßt auch nach. Berufsausbildung ist Streß.

Wenn wir von der neuen Regierung schon keine neuen Ideen und keine neue Identität für die nächste Generation erwarten dürfen, so wäre es doch lohnend für einen noch zu ernennenden "Beauftragten", den Zusammenhang zwischen den 30 Prozent Dauerkiffern ab 16 und den Ergebnissen der Pisa-Studie zu untersuchen. Vielleicht auch mal regional den Unterschied zwischen Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen auf der einen sowie Bremen und NRW und Berlin auf der anderen Seite mit den Zahlen über Haschisch-Konsum zu vergleichen. Vielleicht besteht ein Zusammenhang von Antriebslosigkeit, Demotivation, früher nannte man es schlicht Faulheit oder Bummelei, und dem Dauerkonsum von Drogen wie Cannabis. "Null Bock" war bereits ein Slogan der 70er Jahre und wurde als Protest gegen die autoritäre Gesellschaft von den Medien willkommen geheißen. Selbstverwirklichung als Verweigerungsprogramm.

Lehrstellenmangel? Ist oft genug Lehrlingsmangel, Mangel an geeigneten Bewerbern. Warum gibt es so viele Schulabbrecher? So viele Studenten, die nur noch so herumhängen und nie zu einem Beruf finden? Vielleicht, weil sie gar nicht mehr regelmäßig lernen und arbeiten können. Weil sie immer "breit" sind. Oder abhängen.

Jetzt kommt vielleicht der Einwand, daß viele Jugendliche, besonders die Hauptschüler, auch Bier und Schnaps saufen und auch immer früher damit anfangen. Schlimm genug, sehr schlimm. Aber doch kein Grund, nun auch noch weitere Drogen ins Land zu lassen. Nicht nach einem Fehler noch einen zweiten machen. Ist das Stammtisch?

Schön cool bleiben, Alter. Also gut: Der Autor dieser Zeilen hat 1972 in Hamburg den ersten Anti-Drogenkongreß "Sucht ist Flucht" mit 2000 Teilnehmern einberufen und mit einem viel gelesenen Artikel "Hasch macht dumm!" die erste deutsche Anti-Drogen-Kampagne eröffnet. Das war gut, aber nicht genug.

Macht Hasch immer noch dumm? Rudolf Augstein und dem Chefredakteur Müller-Mahrein von der "Zeit" hat es angeblich nichts geschadet. Den zahlreichen sich zum "Joint" bekennenden Redakteuren, Filmemachern, Werbetextern und Fotografen hat der Haschisch-Konsum nach eigenem Bekenntnis auch nicht geschadet. Den übrigen Deutschen, die die Kosten der Massenvergiftung zu tragen haben, schon. Vor allem ihren Kindern. Sie haben Besseres verdient. Packs an, Angela!


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